Jedes Jahr um diese Zeit stehe ich vor meinem Kleiderschrank und weiß nicht, wohin mit den Sommerkleidern. Die leichten Stoffe wollen noch nicht ganz weg, die dicken Pullover drängeln schon. Dieses Jahr habe ich es anders gemacht: Statt nur umzuräumen, habe ich mir zu jedem Teil ein paar Fragen gestellt. Das hat länger gedauert als sonst, aber der Schrank fühlt sich jetzt leichter an.

Umräumen ist eine Gelegenheit

Der Wechsel der Jahreszeiten ist der einzige Moment im Jahr, in dem wirklich jedes Kleidungsstück durch meine Hände geht. Genau deshalb eignet er sich so gut, um ehrlich hinzuschauen.

Ich lege mir dafür einen freien Nachmittag zurecht, einen Stapel Kartons und drei Bereiche auf dem Boden: behalten, verschenken oder verkaufen, reparieren. Alles andere entscheidet sich über die Fragen.

Meine fünf Fragen an jedes Teil

Die Fragen stammen aus meinem alten Projekt mit den tausend Fragen an mich selbst. Nur richten sie sich diesmal an Stoff statt an mich:

  • Habe ich dich in diesem Sommer mindestens einmal getragen? Und wenn nicht, woran lag es?
  • Fühle ich mich in dir wie ich selbst oder wie jemand, der ich gern wäre?
  • Kann ich dich mit mindestens drei anderen Teilen kombinieren?
  • Würde ich dich heute noch einmal kaufen?
  • Brauchst du nur einen Knopf, einen neuen Saum oder eine Wäsche, um wieder dabei zu sein?

Die zweite Frage ist die schwierigste. Ich habe ein Kleid, das ich seit Jahren aufbewahre, weil es so gut zu der Frau passt, die ich mir einmal vorgestellt habe. Getragen habe ich es fast nie. Diesmal durfte es gehen.

Wandelbar bleibt, was sich schichten lässt

Beim Einräumen der Herbstsachen ist mir etwas aufgefallen: Die Teile, die ich am meisten mag, sind die, die in mehreren Jahreszeiten funktionieren. Ein dünnes Leinenhemd wird unter einem Strickpullover zur zweiten Lage. Ein Sommerkleid bekommt mit dicker Strumpfhose, Stiefeln und Cardigan ein ganz neues Leben. Solche Stücke wandern bei mir gar nicht mehr in die Kiste, sondern bleiben das ganze Jahr im Schrank.

Was wirklich in den Keller oder auf den Dachboden geht, packe ich sauber gewaschen und trocken in Kisten mit Deckel. Ein Säckchen Lavendel oder ein Stück Zedernholz dazu, und im Frühjahr riecht nichts muffig. Die Kisten beschrifte ich grob, damit ich im April nicht alles durchwühlen muss.

Was bleibt

Am Ende war der Stapel zum Verschenken größer als gedacht, und ich war erstaunlich wenig traurig darüber. Vielleicht ist das die eigentliche Erkenntnis: Ein Kleiderschrank wird nicht durch mehr Teile wandelbar, sondern durch die richtigen. Wenn ihr eure eigene Umräumaktion plant, probiert die Fragen doch einmal aus. Erzählt mir gern in den Kommentaren, welches Teil bei euch als erstes gehen durfte.

Kategorien: Blogging

0 Kommentare

Schreibe einen Kommentar

Avatar-Platzhalter

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert