Tagebuch eines Mombies…#5

Wie eine Schwangere loszog, um einen Krippenplatz zu suchen

Rückblick: Oktober 2013. Ich bin im sechsten Monat schwanger und habe so überhaupt gar keine Kapazität, um mir über sowas wie einen Kitaplatz Gedanken zu machen. Meine Probleme sind gerade ziemlich existentieller Natur: der Wegfall von meinem Bafög, die Nichtverlängerung meines Arbeitsvertrages und die Erkenntnis, dass ich mir wohl selbst meinen Mutterschutz finanzieren darf. Ja, mir geht gerade echt der Arsch auf Grundeis, wenn man das mal so sagen darf.

Keine gute Ausgangssituation für den Semesterstart und auch kein Kopf für Krippenkram. In meinem Kopf schwirren nur noch die Gedanken rund um das: wie geht es weiter. Zwar geht es natürlich immer irgendwie weiter, aber mit Baby im Bauch ist so eine Perspektive, wo dann demnächst Brot und Windeln herkommen, doch irgendwie beruhigender.

Nun gut. Die Schwangerschaft lässt sich nun ja nicht einfach für eine zeitlang aufhalten und U3 Plätze gibt es ja leider auch nur begrenzt. Trotz subventioniertem Kitaausbau ist der Erhalt eines angemessenen U 3-Krippenplatzes mit dem Fund einer Schatzkiste im eigenen Garten zu vergleichen.
Ich habe keinen Garten und somit bin ich also bereits im Wettbewerbsnachteil.
Hätte ich mich ja auch früher drum kümmern müssen. So sagte es mit zumindest die zuständige Dame beim Jugendamt vor einigen Wochen, als ich -gerade mal in Schwangerschaftswoche 17 dort nach einem Platz fragte.

Sie, kurz vor Rente, strenger Zopf und ein Schreibtisch, der so ordentlich ist, dass es mir schon unheimlich war, hatte keinerlei Verständnis dafür, dass mein Anliegen doch nun eine gewisse Dringlichkeit hatte. Soll ich doch einfach zu Hause bleiben. So einfach ist das also….

Ob ich denn einen Platz auf der Warteliste haben wolle, fragt sie. Natürlich will ich!

Ich habe dann einen Platz auf der Warteliste bekommen. Platz 53. Mit total realistischen Chancen diesen auch im Januar 2015 antreten zu können. NICHT!

Das nächste Mal mache ich meinen Schwangerschaftstest bei ihr im Büro und verlange direkt mit dem erscheinen des zweiten Streifens einen Platz auf der Liste! Pah!

Meine Alternativen sind rar, aber ich bin da ja wie ein Terrier. Ein paar private Kitas haben sich neu gegründet. Eine schaue ich mir an…zumindest ist das mein Plan. Wäre da nicht mein nicht-existenter Orientierungssinn.

An einem schönen Samstagmorgen – mittlerweile ist es November – möchte ich zu einem Tag der offenen Tür einer besagten privaten Kita gehen. Gehen, weil es ist schönes Wetter, es ist nicht wirklich weit (das wird noch mein Verhängnis werden) und so als fette Schwangere kann so ein Spaziergang ja nicht schaden.

12 Kilometer und 2,5 Stunden später treffe ich in der Kita mitten im Wald ein -schnaufend und mit einem gaanz dringenden Bedürfnis – Schwangere kennen das.

Es ist sehr idyllisch. Umringt von Wäldern und Wiesen legt sich gerade romantisch der Morgentau nieder, während die warme Herbstsonne ein wunderschönes Licht zaubert. Wunderschön sag ich euch. Ein kleines Häuschen mit viel Platz für kleine Menschen und ein Streichelzoo mit Schafen! Noch besser würde es mir gefallen, wenn es in irgendeiner Weise auch erreichbar wäre. Zu Fuß, mit ÖPNV oder dem Rad….nada. Geht nur mit Auto. Ja, da hilft auch kein Streichelzoo und kein Bioessen, denn die Anschaffung eines zweiten Autos nur wegen der Kita ist nun auch nicht drin.  Also wieder zurück. (Ohne Umwege braucht man übrigens nur 30 min 🙂 )

Nach diesem wirklich langen Spaziergang und einem Eintrag auf eine Warteliste für eine Kita, die für uns so gar nicht erreichbar ist, sitze ich leicht frustriert auf dem Sofa und versuche das Problem durch die Aufnahme von zwei Packungen Snickers-Eis zumindest seelisch zu verarbeiten. Letztendlich raffe ich mich dann doch auf und schicke weitere 10! Bewerbungsschreiben an die verblieben Kitas mit U3 -Betreuung und einem Ganztagsangebot. 10mal schleimen (‚ihr Internetauftritt und ihr Konzept haben uns ja so begeistert!‘) , 10 mal seien Lebenslauf schönreden (‚aufgrund anstehender Weiterbildungen…‘) und sich für charmant, engagiert und im Beruf absolut unabkömmlich beschreiben. Denn nur die wichtigen Leistungsträger in unserer Gesellschaft brauchen doch eine Ganztagsbetreuung, oder?

Fazit: vier Einrichtungen haben sich gar nicht gemeldet, bei drei Kitas habe ich nach dem Besuch von einer weiteren Bewerbung abgesehen, zwei Einrichtungen sind wieder geschlossen und die letzte ist die absolute Traumkita! Und nach Zwei Telefonaten, zwei Besuchen, einem ausführlichen Bewerbungsbogen und zwei Vorstellungsgesprächen mit allen Eltern, haben wir den Platz bekommen. Um 23.30h kam der Anruf mit der Zusage und wir haben vor Freude getanzt. Innerlich, ganz leise versteht sich, denn die Raupe war noch keine 5 Wochen alt.

Ahoi!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.