Was ist los mit euch in Bloggerhausen?

#Blogging Es war was los in Bloggerhausen und störte die Aufbruchs, ja, Goldgräberstimmung, die sich in der Blogosphäre der Elternblogger gerade entwickelt. Ich beobachte das Treiben und möchte eine kleine Geschichte erzählen.

Was sich in den vergangenen Tagen in den Blogs und in den sozialen Medien abgespielt hat –  sowas habe ich schon mal erlebt. Offline. Anderswo. In einem anderen Thema.

Ich erzähle euch eine kleine Geschichte über Vernetzung, verletzte Gefühle, falsche Erwartungen und dem Wunsch nach Heimeligkeit am eigenen Lagerfeuer.


Wenn aus einer Idee etwas Großes wird

Ich möchte euch eine kleine Geschichte erzählen und gehe zurück ins Jahr 2003. Damals, vor vielen vielen Jahren, da war ich blutjung, nicht einmal volljährig und voller Tatendrang.

InExtremo und Subway to Sally waren in meinem Leben gerade ziemlich IN und aus einer Bierlaune heraus gründete ich mit einigen Freunden eine Mittelalter -und Schwertkampfgruppe*. 15 Personen mit unterschiedlichem Alter,  Herkunft, Erfahrungen,  und ganz besonders: völlig unterschiedlichen Erwartungen.

Eine zeitlang waren wir als Gruppe in euphorischer Aufbruchsstimmung und total happy mit dem, was wir da machten. Unsere Kleidung entsprach in erster Linie dem, was wir auf Mittelaltermärkten sahen und in zweiter Linie dem, was unserem Budget entsprach: Springerstiefel, Lederhose, Piratenhemd und Umhang. Ich schneiderte mir aus den groben Gardinen aus dem elterlichen Wohnzimmer mein erstes Gewand (das habe ich übrigens immer noch 😉 ).  Und so zogen wir stolz über unsere ersten Märkte, schliefen zu acht in einem Alexzelt, aßen aus nur 4 Holzschälchen und fühlten uns wie die Könige, als wir schon im ersten Jahr unserer Gründung zu einem Mittelaltermarkt in unserer Heimatstadt eingeladen wurden. Dort, wo Menschen Eintritt bezahlten um uns zu sehen! kreisch.

So vergingen ein paar Jahre und es ergab sich, dass wir Teil eines historischen Vereins werden konnten (dem eisenzeitlichen Gehöft Ratingen e.V.) und unser Hobby in einer wunderschönen Kulisse ausüben konnten.

Nach und nach tauchten wir in die Materie ein: legten uns auf einen Zeitrahmen fest, nähten nur noch per Hand, nur noch nach Originalenschnitten und kochten nach historisch korrekten Rezepten. Wir wuchsen und wuchsen. Lernten andere Gruppen kennen, fanden Anschluss und Anerkennung und organisierten eigene Veranstaltungen. (Bericht aus 2009)

Unterschiedliche Ziele? Der Druck wächst

Und dann schwirrte immer wieder ein Begriff in unseren Stammtischen, Trainings, Treffen und Bastelabendem mit: Authentizität. Das böse A Wort der Reeanctment-Szene.

Lange Rede, kurzer Sinn: die Gruppe splittete sich und fast sind Freundschaften an der Frage zerbrochen: wie authentisch muss man sein, wenn man dieses Hobby RICHTIG betreiben möchte.

Gewandungs-Nazi und A-Fetischisten gegen Märchen-Reeanacter.

Wir wollten uns einheitlich präsentieren und nicht jemanden mit Lederhose und Piratenhemd an unserer mühevoll geschreinerten Tafel sitzen haben, an der unser vermeintliches Lebenswerk hing.

Ihr seht vielleicht, worauf ich hinaus will?



Die Wogen haben wir geglättet. Freundschaften gekittet und uns eine Gruppe ausgebaut mit Menschen, die ähnliche Zielsetzungen haben wie wir.

Wenn Hobbyisten auf Berufler treffen

Ich bin der Überzeugung, dass es durchaus einen Unterschied macht, ob ich ein reines Hobby betreibe oder damit meinen Lebensunterhalt verdiene (verdienen muss). Dieser Zusammenhang hat viele Ebenen und ist nicht in zwei Sätzen abgehandelt. Daddy Dahoam hat das gut in seinem Text beschrieben. Da muss ich jetzt nichts mehr weiter schreiben.

Meine eigenen Erfahrungen mit diesem Thema sehen so aus: Für unseren eisenzeilichen Verein habe ich ebenfalls historische Veranstaltungen organisiert. In diesem Zusammenhang wurde ich von einem renommierten Archäologen öffentlich als nutzlose Schlampe betitelt und es gab in der Szene einen mittelmäßigen Aufruhr. Es ging um falsche Erwartungen, Gefühle und Neid. Das war so der Tiefpunkt an Gegenwind, den ich bisher erfahren habe. Für etwas, dass ich nur mit Leidenschaft betrieben habe. Unentgeltlich und ohne jegliche Vorerfahrung.

Beide Vereine/Gruppen haben sich mit einem Knall gesplittet. Es geht immer um Dynamik, denn einige Leute ziehen mehr, die anderen weniger. Die einen können sich in Details verlieren, die anderen müssen ihr Konto füllen.

Wenn eine Szene Implodiert

Jahrelang führte ich Grabenkämpfen um Authenzität. Und ja, ich kämpfte in der ersten Reihe, denn es entsprach meiner Ideologie es richtig zu machen. Dabei war es nur ein Hobby!

Was ich erst mit den Jahren differenzieren konnte: für mich war es ein Hobby. Andere mussten damit ihr täglich Brot verdienen.

Die Historiker, die Archäologen, die Gewandschneider, Schausteller etc. von allen Seiten hat sich ein Hobby professionalisiert. Das Internet hat geholfen, dass Wissen wie ein Lauffeuer zu verteilen.

Was die einen Menschen für wenig Geld beruflich machten, machten wir (und viele andere zu dieser Zeit auch, denn wir waren nur die Spitze eines Booms) am Anfang für Ruhm und Ehre!  Später für Reisekosten und Verpflegung und zum Schluss für eine Gage.


Aber wie A (uthentisch) ist man noch, wenn man sich dafür bezahlen lässt?

Seit einigen Jahren liegt dieses Hobby bei uns jetzt brach. Die Blase ist geplatzt und die Szene implodiert. Vieles an den Leuten, die ich auf den Märkten treffe, mag ich nicht mehr. Denn es geht vielen nur ums Geld und weniger um die echte Leidenschaft. Diese Menschen findet man aber widerum in Foren, in den Blogs und auf kleineres Treffen.

 

Was früher das Wort „Authentisch“ war, ist heute „Professionalisierung“

Für mich ist das Bloggen ein…..ja was eigentlich: Hobby, Nebengewerbe und Teil einer Businessidee. Oder so. Ich bringe die Menschen zusammen (Wubttika) und freue mich andere Blogger zu treffen und mich mit Ihnen auszutauschen. Über Ihren Blog, mehr aber interessiert mich aber der Mensch dahinter.

Für mich ist dieser Teil meines Lebens kein Politikum. Blogger sind Teil unserer Medienlandschaft und haben ganz automatisch eine politische und gesellschaftliche Relevanz (ja, da habe ich meine Meinung ein wenig geändert;-)).

Trotzdem sehe ich Vernetzung als etwas, was jeden von uns bereichern  und nicht als Zwang zur Gleichmacherei unter dem Label „Elternblogger“ entwickeln sollte. Genauso wenig sollte Vernetzung in reines betteln um Likes sein. Blogs und Accounts wachsen meist von ganz alleine, wenn man kommuniziert und Mehrwert bietet. Authentisch.

Darum kann ich jeden  verstehen, der sich durch penetrante Blogger belästigt fühlt, die nur auf die Zahlen hinter dem Account starren und das schnelle Geld im Internet machen wollen.
Jeder sollte aus dem Internet das aufnehmen, was er benötigt. Ich möchte Vielfalt sehen und Respekt!

Vielleicht ist die Lösung des Problems, sich von der Idee der bighappy Bloggerfamily zu trennen und die Metamorphose zu akzeptieren. Oder wir gestalten Sie einfach weiter so, wie wir es für richtig halten: respektvoll, vielfältig und nach geltendem Recht!


Dein Blog, deine Bühne!

Jeder von uns hat seine eigene Idee von seinem Blog und bringt sein individuelles Päckchen mit. Und bevor sich im Herzen der Druck der Klickzahlen und die bösen Gedanken breit machen, sollte man sich fragen: Warum eigentlich und zu welchem Preis?


 

Druck ist das, was du draus machst.

Ich beobachte die Entwicklung. Aber eigentlich möchte ich es so sehen, wie Silke Plagge es in ihrem Vortrag auf der #denkst und erst vergangene Woche bei uns auf der WUBTTIKA so schön formulierte: Wir sind alle Menschen am Lagerfeuer und wollen nur unsere Geschichten erzählen. Die Großen, die Kleinen, die Lauten und die Traurigen. (So mal frei wiedergegeben;-))

Darum mein Rat an euch: setzt euch ans Feuer und erzählt. Oder lauscht. Oder sucht euch ein Feuer, dass eurer Vorstellung entspricht.

Im Stream der Belanglosigkeiten

Oder: mir Muddicontent und die Themen Feminismus, Vereinbarkeit und der Begriff ‚Trolle‘ zum Hals raus hängen.

Ich blogge nun wieder seit genau sechs Monaten regelmäßig. Aus meiner Situation heraus habe ich mir eine Filterbubble zusammengestellt, welche mich zum einen inspiriert und mich in meiner Situation unterstützt, mir häufig ein ‚oh,ja! Hier genauso!‘ entlockt (zusammen mit kräftigem nicken), aber auch Blogs enthält, mit Meinungen und Themen, die mich absolut nicht ansprechen. Diese lese ich schon länger nicht mehr, aber im groben gehören sie noch dazu. Meistens sind die Damen hinter den Projekten sehr interessant. Oder ich habe mich noch nicht getraut zu entfolgen.

Zuhause und im Stream gefangen

Nun war es so, dass ich zu Hause saß und gezwungen war zu warten, zu halten (oder eher auszuhalten) und dann erschöpft zu sein. Das habe ich gerne für meine Tochter gemacht und für mich gab es da auch keinen anderen Weg. Das Manko: mein Aktionsradius war gering! So gering, dass ich nur mein Smartphone hatte, während ich das nuckelnde bzw schlafende (oder hoffentlich bald schlafende) Kind begleitete. Stundenlang Zeit für Twitter, für Facebook, für Blogs und um Link für Link das Internet zu durchforsten.

Großzügig war ich bei der Zusammenstellung meiner Filterbubble. Und ich mit einem Tunnelblick ausgestattet. Jetzt hab ich den Salat.

Nun ist die Zeit, dass sich die Belastung legt. Die Monate der Hysterie sind vorbei und mein Blick klärt sich wieder auf. Ich kann jetzt wieder ein wenig weiter über meinen Tellerrand sehen mir graut es ein wenig davor, was sich mir da präsentiert.

Der Feminismus ist tot! Es lebe der Feminismus!

Wo fange ich da an? Am besten bei den beiden Themen, welche bis zum Erbrechen von jedem durchgenudelt werden: Feminismus und Vereinbarkeit. Beides Themen, die eigentlich wichtig wären, nur leider, leider transportieren 95% der Beiträge nur eines: wir, die armen Frauen werden unterdrückt und überhaupt sei ja Vereinbarkeit eine Lüge. Da gibt es einen wunderbaren Text von Henrike (Nieselpriem). Sie schreibt: es nervt! Und sie hat recht! Das drüber reden/schreiben nervt, denn die Themen befinden sich in einer Endlosschleife.

Was mich daran stört?

Man bekommt überwiegend Texte zu lesen, was nicht geht und wer dafür verantwortlich ist, aber kaum welche in denen beschrieben wird, was die Frauen getan haben um diesen Umstand zu ändern. Schuld sind die anderen: die Politik und die Gesellschaft. Oder die anderen Frauen, die zeigen das es geht. Dassind dann die Antifeministinnen.

Wenn das der moderne Feminismus ist, dann möchte ich da lieber nicht mitmachen.

Ich möchte jetzt die Themen nicht schlecht machen, denn sie sind wichtig! Und es ist wichtig, dass man sie kommuniziert. Da besteht keine Frage. Mehr Taten als Jammern – das wäre mal was.

Man schreibt, was man gerne wäre

Wenn man sich mal so durch die Blogosphäre klickt und den einen oder anderen mal näher verfolgt, da fallen mir doch so ein paar Unstimmigkeiten auf.

Und das ist was an der kuschligen Bubble kratzt. Das wird transportiert:’wir haben uns gern und respektieren uns und überhaupt. Wir sind ja gegen jegliche Art von Getrolle.‘ Pah, das ich nicht lache. Morgens noch werdende Fahnen gegen verbale Gewalt im Internet geschwenkt und bereits Abends werden in der virtuellen Öffentlichkeit die Reißzähne ausgepackt. So ein Verhalten konnte ich nun mehrmals beobachten…

Wir, die modernen unabhängigen Mütter – unterwerfen uns dem Konsum und der Statistik

Blogpost um Blogpost schreiben die Damen von mehr Gleichberechtigung, Rechte für Mütter, Anerkennung und Vereinbarkeit. Und im nächsten Moment wird der Blogcontent danach ausgerichtet, was die meisten Klickzahlen verspricht. Beauty, Mode und die aktuellen Trendthemen und Aufreger. Egal, ob man eigentlich keine Lust auf das Gewinnspiel hat. Her damit! Auch wenn man eigentlich eine andere Meinung hätte: lieber mal der Mainstreammeinung folgen, denn Ehrlichkeit könnte ja Follower kosten.

Vielleicht hatte H.Fuhljahn ja doch ein klein wenig recht: Feminismus endet, wenn es nur noch um Selbstdarstellung und Fishing for compliments geht.

 

Toleranz und Freundlichkeit bleibt ein Fall für die Matrix

Beim Thema Mommywars ist man sich einig (bis auf ein paar Ausnahmen) und allgemein ist Höflichkeit ein hohes Gut. Manchmal. In der Blogparade oder in der eigenen Filterbubble. Aber der Wechsel von ‚jetzt müssen wir mal Toleranz vorleben‘ (Mommywars) und dann über die Mütter herziehen die im Sandkasten helicoptern, Elternabende verlängern oder nicht direkt in Bahn, Bus und Restaurant vor einem auf die Knie fallen, vollzieht sich manchmal rasend schnell. Schließlich ist man MUTTER und hat KINDER! Plötzlich ist man sich selbst der nächste. Da wird geschnauzt, geschimpft, innerlich getrollt und nachher alles schön als Blogpost verfasst. Das wird man ja schließlich noch sagen dürfen. Und die eigene Bubble applaudiert. Böse und doof sind ja nur die anderen.

 

Schöne neue Internetwelt

Ich bin satt. Übersättigt an Themen. Ich mag gerade keine Bilder mehr sehen von Bentoboxen (und keine Posts lesen, in denen darüber diskutiert wird, ob das super oder Schwachsinn ist), keine Artikel lesen mit den Themen: darf ich als Mutti müde/traurig/ erschöpft/ sauer sein (denn ich frag mich , ob jemals jemand fragen würde: darf ich ein Mensch sein und mich menschlich verhalten) und ich mag nichts mehr über das Thema: wie verdiene ich Geld mit dem Blog sehen.

Mein Aufnahmevermögen ist übersättigt von: ich veröffentliche Geburtsberichte, meine Schwangerschaft und jeden Pups, aber wehe mich fragt einer nach Schlaf des Kindes, meine Zukunftsplanung (Vereinbarkeit ) oder gibt sonst einen Pieps in Sachen Kindererziehung von sich. Da wird Mama gleich zum Tier und reagiert empört! Wie kann dein Gegenüber im RL es auch wagen ein Gespräch mit dir über Muttithemen zu führen! Schliesslich bin ich emanzipiert und muss mir das nicht bieten lassen!

Ich mag es grad nicht mehr. Die Bilder und Berichte von Belanglosigkeiten, die lauthals in Wort und Bild nach Aufmerksamkeit schreien.

Ehrliche, emanzipierte Parallelwelt. Was bleibt ist Internet Fame – bis das nächste Instagram Bild kommt.

Und nun?

Meine Filterbubble ist voll von wunderbaren Menschen mit und ohne Familien, gefüllt mit ihrem Alltag und besonderen Erlebnissen. Aus ihrem ganz realen Leben. Ich lese euch gerne und freue mich, dass wir unsere Leben miteinander teilen, ohne uns zu kennen. Das ist wunderbar und ein weiterer wichtiger Teil des Soziallebens, meines Soziallebens.

Ich bin der Meinung, dass das Internet und die Möglichkeiten uns auszutauschen und zu vernetzen großartig sind. Schreibt und postet weiter, denn es ist wirklich wichtig.

 

Ich werde nicht abschalten und auch nicht aufhören zu bloggen. Vielleicht anders und vielleicht werden auch meine Kriterien als Follower strenger. Was ich nicht mehr sehen möchte ist diese Schönfärberei, der Content nur um des Contents wegen. Wenn ihr zu einem Thema bloggt, dann seid authentisch. Bitte. Fähnchen im Winde gibt es genug.

 

In diesem Sinne:Ahoi!

p.S: ich finde übrigens den Text von Frau Fuhljahn ansonsten furchtbar (hier bei Brigitte Stimmen). Aber das ist ein anderes Thema.