Studium Reloaded #1

In diesem Blog soll es ja auch um mein Studium gehen. Bisher habe ich dazu nichts geschrieben, denn zwei Semester passierte da auch leider nicht viel. Das hat viele Gründe und einige von denen möchte ich heute hier mal zu ‚Papier‘ zu bringen. Schwangeren Studentinnen wird es in Deutschland wirklich nicht leicht gemacht. Aber ich muss auch leider zugeben, dass es nicht nur ab den äußeren Umständen lag. Ich Habe mir in den vergangenen zwei Jahren auch viel zu häufig selbst ein Bein gestellt. Trotz allem habe ich auch einige Professoren gefunden, die mich unterstützen und ermuntert haben. Darum heißt es jetzt: Ärmel hochkrempeln und weiter gehts!

 

Ich schreibe in vier Teilen über mein Studium:

# 1 .) Was bisher geschah: Anfänge, Kinderwunsch und Rückschläge

# 2.) Wende im Dilemma, Geburt und weitere Rückschläge

# 3.) So geht es weiter: Pläne für die Zukunft und was ich daraus gelernt habe!

 

Was bisher geschah…

2010 gab es eine Neuerung im Hochschulzugangsgesetz, mit denen ein Zugang ohne Abitur vereinfacht wurde.  Nach drei Jahren Fernlehrgang an der ILS stand ich kurz vor den Abiturprüfungen der Externenprüfung und hab mich dann dazu entschieden die Prüfungen nicht abzulegen, sondern mich mit meiner Berufsausbildung und meiner Berufserfahrung um einen Studienplatz zu bewerben. Ich habe mich für die unterschiedlichsten Fächer  an allen Unis im Umkreis beworben und habe auch ausschließlich Zusagen bekommen. Entschieden habe ich mich schlussendlich für Geowissenschaften in Bonn.                                                                                                                                                                    Ein Jahr später habe ich Biologie als Zweitstudium dazu genommen (dafür musste ich ebenfalls eine Zugangsprüfung ablegen).

Finanziert wurde das Ganze durch elternunabhängiges Bafög und einem Nebenjob in meinem alten Beruf. Dafür musste ich bereits laufende Versichungsverträge (Bauspar, Rente etc) auflösen, da Rücklagen nur zu einem bestimmten Betrag erlaubt sind.

Mit dem Studium hat alles soweit funktioniert und ich ziemlich glücklich. Im Februar 2013 habe ich dann noch einen HiWi Job in der Isotopengeochemie bekommen. Alles supi.                                                                                                                 Mit 27 war ich auch nicht die Älteste, wobei ein Großteil der Studenten mit Anfang 20 schon ziemlich anders ticken.

 

Dann Kinderwunsch…

Aus dem: ‚Kinder, schauen wir mal‘. Ist ein: ‚Warum eigentlich nicht?‘ zu einem ‚Eigentlich ist jeder Zeitpunkt schlecht…dann jetzt!‘, geworden.

Zu dem Zeitpunkt habe ich aber auch eine Zusage für ein Praktikum beim Alfred-Wegener-Institut in Bremerhaven bekommen: Meeres und Polarforschung. Mein absolutes Traumpraktikum. Kinderwunsch wurde um ein paar Monate verschoben. Einige Prüfungstermine wegen dem Praktikum auch.

Dann, nach zwei Monaten weg von zu Hause, dem absolut coolsten Angebot für eine Bachelorarbeit, Flugtickets nach Sizilien zu einer Vulkanexkursion und einer Verlängerung meines Vertrages an der Uni in der Tasche: der positive Schwangerschaftstest! örgggh…..Und ja, es gibt den falschen Zeitpunkt. Denn wer konnte denn wissen, dass das so schnell geht?!? Aber klar, wir hatten es schließlich drauf angelegt und uns somit gefreut wie die Schneekönige.

So war der Plan..haha

Der ultimative Masterplan war folgendermaßen: Uni und Arbeit weiter bis zum Mutterschutz. Dann ein Urlaubssemester und dann Teilzeit wieder einsteigen. So ein Kind kann dann ja auch mal mit zur Uni und an dem arbeitsfreien Tag meines Mannes kann ich dann einmal in der Woche arbeiten gehen um das Bafög aufzustocken. Achja, nach der Hälfte der Zeit würde er dann die Elternzeit übernehmen.

Kennt ihr das Zonk-Geräusch? Ich jetzt schon. Jedes mal, wenn etwas wieder nicht funktioniert hat, habe ich es in meinem Kopf gehört.

..und so die Realität!

Problem Nr. 1: Ich habe ein weiteres Vollzeitstudium begonnen und ein zweimonatiges Praktikum absolviert. Aus diesem Grund habe ich einige Prüfungen nicht abgelegt. Kann man ja nach holen, dachte ich mir.                                                                            Die geleisteten Credits aus dem zweiten Studiengang gelten leider NICHT für den Leistungsnachweis fürs Bafög-Amt. Auch nicht die Vorlage, dass man zum zweiten Prüfungstermin angemeldet ist und den Nachweis nachreicht. Auch der Antrag die Punkte nach meiner Schwangerschaft nach holen zu können wurde abgelehnt. Denn das ist Ermessenssache des jeweiligen Prüfungsamtes. Mein Prüfungsamt war nicht der Meinung, dass man das machen könnte.

Problem Nr. 2: Exkursion nach Italien? Konnte ich 6! Tage vorher noch absagen. Flüge stornieren und den Exkursionsplatz weitergeben. Geld zurück, aber keine 10 LP. Große Exkursion im Sommer wurde auf den Spätherbst verschoben: 10 LP weniger (denn im 7. Monat wollte ich dann doch nicht mehr in Steinbrüchen nach Dino-Knochen buddeln 🙂 )…und so ging das weiter: Laborpraktikas: schwanger nicht erlaubt. ..und so weiter und so weiter…in meinem Studium war ich sozusagen auf das Abstellgleis geraten. 

Problem 3.: Ohne Bafög und ohne HiWi-Job würde das alles schwer werden, aber zum Glück hatte ich ja noch meinen Job in meiner alten Firma. Honorarbasis. Der Vertrag würde zum 31.12 auslaufen.

Um es kurz zu machen: Honorarverträge darf man wohl nur zwei Jahre laufen lassen und muss dann einen Festvertrag anbieten. Schön zu wissen. Ich wusste das nicht. Meine Firma bot mir keinen Festvertrag an. Den würde ich bekommen, wenn ich nach der Elternzeit wieder arbeiten gehen komme.

Glück im Unglück: Da ich im Labor arbeite, hätte ich ein Berufsverbot erhalten müssen. Ich durfte dann ins Büro. Ansonsten wäre ich arbeitslos und ein Fall für das Sozialamt gewesen. Honorarkraft halt.

Problem Nr. 4: ist man studentisch krankenversichert, hat man keinen Anspruch auf Mutterschaftsgeld. Achja, und das Bundesversicherungamt, das für solche Fälle zuständig ist, zahlt nicht! bei Studenten, welche auf Honorarbasis gearbeitet haben. Die Frau bei der Versicherung kommentierte das mit den Worten:“ Ist doch nicht schlimm, oder?“. Ich bin dann mal heulend nach Hause gegangen.

So sah es aus: Ich war im 9. Monat schwanger und mein Bafög lief aus, ich hatte keine Möglichkeit in meinem Studium in meinen gewählten Schwerpunkten(oder überhaupt) Leistungspunkte zu erwerben , ich war mit Beginn des Mutterschutzes arbeitslos ohne Folgevertrag und hatte keinen Anspruch auf Mutterschaftsgeld. Und da man mit Bafög nur 400 € im Monat zuverdienen darf, das Bafög aber als „gezahlte Leistung“ nicht zum Einkommen dazuzählt (obwohl man ja einen nicht ungeringen Anteil zurückzahlen darf), würde ich nur den Mindestsatz an Elterngeld bekommen. Keine schöne Aussicht.

Ich war am Boden zerstört.

Wie sich doch alles noch gewendet hat, welche Lehren ich aus dem Ganzen zog und wie es mit meinem Studium weitergeht gibt es in den nächsten Teilen dieses Beitrages 🙂

Ahoi!

p.S.: WordPress hat mal wieder nur einen Teil des Beitrages online gestellt und den Rest im digitalen Orbit verschwinden lassen. Ich denke über einen Wechsel nach! Vorschläge?

0 Gedanken zu „Studium Reloaded #1“

  1. Es ist schon übel, was einem für Steine in den Weg gelegt werden. Alle reden davon, dass mehr Kinder geboren werden sollen, aber es wird einem das Leben doch sehr schwer gemacht.
    Liebe Grüße, Becky

    1. Hallo Becky,
      jede Regelung für sich hat ja auch bestimmt seine Berechtigung und sollte auch eingehalten werden. Aber häufig sind die Regelungen so starr, dass sogar „normale“ Studenten daran scheitern. Leider ist es im neuen Bachelorsystem so, dass es wirklich schwierig ist in der Regelstudienzeit zu bleiben und gleichzeitig mit dem wenigen Bafög sein Lebensunterhalt zu finanzieren. Aber das ist ein anderes Thema.

      Mir ist nur mal wieder klargeworden, wie schnell man doch „durchs Raster“ fallen kann und ziemlich schnell ohne was dasteht.

      Die allgemeine Situation macht es den Leuten wirklich nicht einfach sich früh für Kinder zu entscheiden…daran sollte die Politik mal denken.

      Danke für deinen Kommentar und eine schöne Woche

  2. Es gibt Situationen in denen man den allg. Geburtenrückgang durchaus verstehen kann…Durch gewisse Regelungen, Gesetze o.ä wird der Nachwuchs manchmal auch zum „finanziellen“ Stolperstein.
    Traurig und auch ärgerlich!

    WordPress Wechsel? Hm… Ich blogge seit 10 Jahren hier und habe alles an Alternativen durch, nix… ich bin immer wieder hier gelandet -lach-

    1. Groß bekommt man die Kinder zum Glück immer- das hat zumindest meine Oma immer gesagt und die muss es ja Wissen 🙂 Unsere Politik sollte statt „Anreize“ zu schaffen lieber einfach mal die Hürden beseitigen. Damit wären vielen FAmilien ja schon geholfen.

      Zum Blogsystem: ich denke ich bleibe auch erstmal hier. Hier kenne ich mich wenigstens halbwegs aus, bei jedem anderen System muss man sich erst wieder durchwurschteln 🙂 Lg

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.