Mommy-War – 3 Blickwinkel auf ein Phänomen

Es wurde von @MamaOTR, @herzteddy und von @j_hauri zur Blogparade aufgerufen. Dieses Thema ist ja sehr vielfältig und ich habe selbst schon die unterschiedlichsten Erfahrungen zu diesem Thema gemacht.

Aber was ist eigentlich dieses ‚Mommy-War‘? Mir bleibt ja schon dieser Begriff im Hals stecken! Aber was kann man darunter verstehen?

Für mich definiert sich eine Mütter-Kriegerin folgendermaßen:

Ein Elternteil, bevorzugt Mütter, welche ihre Qualitäten als Mutter, ihr Kind und ihr gewähltes Lebensmodell für das einzig richtige hält und das auch permanent kommunizieren möchte– meist in Form von ungebetenen Tipps, Vorwürfen oder ‚also-wir-machen-das-ja-so‘-Phrasen.

 

Mommy-Wars – es gibt nicht nur GUT und BÖSE

Ich bin mir sicher: meine Sicht der Dinge wird nicht allen gefallen. Denn ich möchte euch zeigen, dass jeder ein wenig Mitschuld an dieser Problematik trägt, auch diejenigen, die sich als vermeintliche Opfer sehen.

Die Sicht der Opfers

Jede oder bestimmt fast jede Erstlingsmutter mit frischgeschlüpftem Nachwuchs ist erst einmal verunsichert. Mache ich alles richtig? Ist das Kind auch Normgerecht entwickelt? Schreit es zu viel? Pupst es zuviel? Bin ich an allem Schuld?

Ich für meinen Teil bin da ja etwas lockerer gewesen und habe mir die meisten dieser Fragen gar nicht gestellt. Vielleicht war ich zu müde? Für mich war klar: die kleine Raupe bekommt alles was sie braucht. Die Kinderärztin hatte nichts zu meckern und unsere Hebamme fühlte sich auch etwas gelangweilt. Ja, trotz Schrei-Kotz-Klammerbaby habe ich mir nicht den großen Kopf gemacht.

Ein wenig war ich bei meinen stundenlangen Spaziergängen und beim Einkaufen natürlich schon neidisch auf die ganzen lieben Babys, die sich vollkommen eskalationsfrei und schlafend durch die Gegend kutschieren ließen.

Dann kam der erste Tag des PEKIP-Kurses. Während alle anderen Minipummelchen sich lieb auf ihrer Decke räkelten und voll begeistert von den Liedern und den Spielsachen waren, hat die Raupe nur gebrüllt und gekotzt. Also mich voll und den Fußboden…super Einstand. Ein wenig mitleidig wurde ich da schon angeschaut. Und die Blicke wurden immer mitleidiger, als ich nach 4 Monaten immer noch keine Nacht durchschlafen konnte, Autofahren ein Krampf war, Dauerstillen angesagt war und ich wie ein Zombie wirkte.

Nicht-Durchschlafen, Stillen und vor allem das Tragen: immer wieder ein Grund für Familie und vor allem Fremde (ja, selbst mein neuer Chef hat dazu eine Meinung!) ihre Meinung zu diesem Thema mitzuteilen und dabei gleich noch ein paar Tipps abzuladen.

Oder Freunde, die immer wieder behaupten: unser Kind hat NIE so gebrüllt wie eure. NIEMALS.

Die Sicht des Täters

Wenn ich denn mal mit Menschen rede, dann bin ich da sehr offen. Vor allem mit den Müttern und Vätern, die ich nur oberflächlich kenne und uns eigentlich nur eines verbindet: wir haben Babys im gleichen Alter.

Und leider liegen meine Talente irgend woanders, aber nicht im Smalltalk.

So kommt es, dass ich die kleine Familie mit Kinderwagen und Hund auf der Straße treffe. Wir sind sozusagen Nachbarn und ihr Baby ist einen Tag jünger.

Ich winke auffällig quer über die Straße (bepackt mit Baby vorn, Rucksack hinten und einer Einkaufstasche in der Hand) und wetze über die Straße.

Man fragt nach dem Befinden und ich antworte ehrlich:

‚Müde, die Kleine schläft halt immer noch nicht durch. Ihr seht aber auch fertig aus.‘ Dabei beuge ich mich über den Kinderwagen um die kleine Maus anzugrinsen und lasse eine :’na du Süße! Ojaja, du bist aber ganz schön eingepackt!‘ verlauten. Leicht verstörter Blick der Beiden.

(Es war wärmer als gedacht und Raupe im Bondolino hatte eh weniger an.)

Sie erzählen vom Urlaub und wir unterhalten uns über die Babykleider, die viel zu schnell zu klein werden.

Ich:‘ Ich hab ja auch schon alles in 68 in Kartons verpackt. Und die ganzen Kleidchen auch. Wenn sie auf dem Spielplatz krabbelt, ist das viel praktischer. Und, krabbelt die Süße auch bald los?‘

Große Augen bei ihr. Ein engerisches ‚Nein. Das dauert wohl noch.‘ Ich verabschiede mich fröhlich und gehe weiter.

Anderer Tag. Wir treffen uns im Drogeriemarkt. Sie kauft Babyreiswaffeln (die Kleinen, ich Milch).

Ich (total fasziniert, weil mein Baby sich GARANTIERT daran verschlucken würde):’boah, DAS kann die schon essen?!? Mein Baby kriegt das ja noch nicht hin. Krabbeln ja, aber festes Essen eher nicht.‘ Keine Reaktion ihrerseits. Ich verabschiede mich fröhlich. Und ich glaube, sie hat die Waffeln wieder weggepackt.

Noch ein letztes Beispiel. PEKIP-Kurs. Meine Fressraupe wollte früh mit Brei beginnen. Kinderärztin war dafür und sie hat es verschlungen und keine Probleme gehabt. Ich, ganz stolz, habe das so in der Runde erzählt. Das kam das Thema BLW auf. Ich bin da offen, habe aber meine (wohl sehr spezielle) Meinung zu. Eine Mutter wollte das gerne probieren und hat nach Literaturtipps gefragt. Meine (wohl sehr patzige) Antwort darauf war, wofür man denn dafür Literatur brauche und man sowieso damit nur eine Modeerscheinung finanziert (die Ratgeber meinte ich eigentlich, nicht BLW). Betretenes schweigen.

 

 

Freie Meinung vs. ‚Bitte keine Kritik‘

 

Von der dritten, allgemeinen Seite aus betrachtet ist das Thema sehr schwierig zu fassen, denn es beinhaltet eine wichtige Frage: müssen wir als Menschen alles kommentarlos lassen, nur weil das Gegenüber meine Meinung als Kritik auffassen würde?

Wenn es wirklich so wäre, dann dürfte ich wohl kaum mehr ein Wort sagen, denn meiner Meinung nach ist man in einem Gespräch nicht verpflichtet jedes vermeintliche Minenfeld umgehen zu müssen. Die Konsequenz darauf wäre, dass Kontakte, egal ob bei entfernteren oder bei engeren Bekannten, nur noch auf der Oberfläche dümpeln werden. Nein, danke!

Sollte es sie wirklich geben, die Mommy-Wars mit ihren Cupcake backenden, perfekt geschminkten Kriegerinnen, was können wir dagegen tun?

 

 

Selbstbewusstsein entwickeln und lockerer werden

 

Uns allen ist doch das wichtigste und nächste unsere Familie. Kritik, welche die Entscheidungen des tägliche Lebens betreffen, fassen wir als persönliche Kritik auf. Die Gedankenspirale macht uns selbst zum Opfer und im schlimmsten Fall zweifeln wir an uns selbst. Und das ist der Fehler.

Selbstzweifel!

Falls ihr ein Opfer dieses Kriegerinnen seid, dann rechtfertigt euch nicht! Nein, niemand muss sich für seine Entscheidungen rechtfertigen. Egal was.

Aber eine Überlegung ist es immer wert: ist es einfach nur ein Gespräch und man reagiert über weil man selbst an seiner Entscheidung zweifelt? Falls ich doch mal einen Tipp bekomme, kann ich ihn vielleicht zu meinem Vorteil nutzen? Ist die Kritik vielleicht angebracht?

 

 

Und mein Schlusssatz…..

 

Ja, es gibt sie wohl, diese nervigen Übermütter (oder Menschen, die es definitiv besser wissen 😉 )mit ihren Superratschlägen, den ultimativen Tipps und den perfekten Kindern. Mir ist persönlich noch keine begegnet, denn bei näherem Hinsehen ist es doch nur mehr Schein als sein.

Und wenn ja: meine Güte. Ich freue mich für jede Mutter, die ohne Gebrüll Autofahren kann und sich nicht jede Nacht um die Ohren schlagen muss!

 

In diesem Sinne: diskutiert über eure Ansichten und lasst Raum für Kommunikation.

Und bei den Supermütternkriegerinnen gilt einfach: nett lächeln, winken und sich seinen Teil denken!

 

0 Gedanken zu „Mommy-War – 3 Blickwinkel auf ein Phänomen“

  1. Interessanter Beitrag! Da ich ja bekanntermaßen Amateur-Mutti bin, bin ich auch gegen Mommy-Wars. Aber die Frage ist tatsächlich: Wo beginnt der Krieg? Wenn ich von den perfekten Übermuttis genervt bin und mich auch manchmal leicht über sie amüsiere, dann bin ich doch schon mittendrin im War. Wie immer gilt: leben und leben lassen. Aber sicher: Sobald man sich zu etwas äußert, könnte dies als Kritik aufgefasst werden. Und wie immer gilt: der Ton macht die Musik. Ich sympathisiere mit Pink-stinks, eine Freundin von mir hat ihre Kinder so ziemlich komplett rosa gehalten. Allerdings in geschmackvollen Kleidungsstücken. Sie hat mir in der ersten Babyzeit sehr zur Seite gestanden und mir auch ganz viele Klamotten geliehen, obwohl sie von meiner Rosa-Abneigung weiß. Aber wenn sich ein Baby dreimal am Tag zukackert, was interessiert mich da noch eine Body-Farbe;)? Wir haben unsere unterschiedlichen Geschmäcker einfach mit Humor genommen. Wenn ich sie mit Piepsi besucht habe, habe ich meiner Tochter dann auch ganz gerne mal einen ihrer rosa Ringelteilchen angezogen und gesagt: „Guck mal, extra für dich.“ Und wir haben darüber gelacht. Ansonsten versuche ich einfach oft, auf einiges zu pfeifen. Als ich zum Beispiel beim Babyschwimmen mit Piepsi im Maxi Cosi abgehetzt ankomme und eine Mutti ihre Tochter aus dem Croozer packt und mir mitteilt: „Also wir finden Autofahren ja doof.“ Tja, Recht hat sie, ich bin nun mal ein Umweltferkel. Einmal innerlich die Augen verdreht und weiter geht’s.

    1. „Wir finden Autofahren doof!“ Was will man auch dazu sagen? Wenn ich mir nicht sicher bin, mache ich es genauso: mir meinen Teil denken und es dann vergessen. Und vielleicht ist das ja auch eine versteckte Kritik an das Baby gewesen, weil sie auch viel, viel lieber mit dem Auto gefahren wäre 😉

      Und natürlich darf meine Mutter meine Raupe in rosa kleiden und ihr einen rosanen Ponyluftballon schenken. Ich nehme das dann mit Humor.

      Wenn mein Kind (durch die von dir besagte Kackproblematik) die letzten, verbliebenen sauberen Sachen anhat, dann sieht sie auch mal aus wie Pippi Lotta, die sich im Dunkeln angezogen hat. Inklusive zwei verschiedener Socken 😉
      Das muss man dann so hinnehmen und die entsetzten Blicke der Mitmütter ignorieren.

      Leben und leben lassen.Ich mach das ja schließlich auch zum ersten Mal hier. Ab wann ist man denn Profi-Mutter? Verurteilen oder beurteilen kann man Leute schnell, aber die Hintergründe kennt man ja seltenst.

      Danke für deinen schönen Kommentar (p.S.: ich habe jetzt hier aktualisiert und ändere bei Hoster noch ein paar Einstellungen. Danach sollte das Kommentarfunktion funktionieren!)

      Lg, Miriam

  2. Toll geschrieben! Super ehrlich. Ich denke, dass sich viele gar nicht darüber bewusst sind, im sogenannten MummyWar sowohl Opfer als auch Täter zu sein.
    Ich hab mich auch dabei ertappt und versuche mittlerweile neutral zu bleiben. Oft ist es aber ein fieser Kreislauf auf Grund von Vorurteilen und Unwissenheit, der dieses „Bekriegen“ begünstigt. Bei uns war es die Themen Stillen und Tragen. Die ersten vier Monate fast Dauerstillen, Schlafen ohne Tragen/Bewegen undenkbar. Wir haben das so kommuniziert und ich musste mir ständig anhören, dass unser kleiner Mann mit Flasche doch längst durchschlafen würde und wir ihn durch die Tragerei nur verwöhnen wurden… Ich empfand das als persönlichen Angriff. Fast ein Jahr später sehe ich das lockerer und denke, dass unser Sohn so ein zufriedenes, freundliches Kerlchen ist, weil ich/wir das so gemacht, und uns nicht irritieren lassen haben. Ich erwische mich daher oft dabei, Stillen und Tragen zu verteidigen…
    Ich bin froh drum, dass wir es trotz, oder grade wegen Studium so hinbekommen haben, bin aber auch bemüht, andere Wege der anderen Mütter anzunehmen. Es heißt ja immer schön: „Kinder sind eben verschieden.“ -Mütter auch! Ich kenne persönlich nur eine einzige Übermutti, und habe mich bewusst distanziert (habe mit ihr ähnliche Erfahrungen wie Du im PEKIP bei der Babymassage gemacht).

    1. Liebe Eva, danke für deine Meinung.Wir sind alle so verschieden und versuchen doch nur das Beste zu geben. Leider verunsichern gerade die Kommentare, wenn man eh gerade zweifelt..oder es nicht so läuft wieder soll.

      Ihr habt tolle Strategien gefunden und das ist doch das wesentliche. Ich warte ja noch darauf, dass es mit dem Schlafen und der Anhänglichkeit besser wird!

      Liebe Grüße,
      Miriam

  3. Super Artikel und ein wertvoller Beitrag zu Parade!!
    Leider ist es nicht immer so einfach wenn man wirklich mal einer Supermuddi begegnet und diese trotz klarer Ansage: „Ich möchte das bitte selber entscheiden“ sich immer einmischt. Einzige Möglichkeit ist es dann, sich aus dem Weg zu gehen – hilft ja nix. Mit manchen Menschen klappt es mit anderen nicht – so ist das Leben.

    Und ja, der Ansatz mit den eigenen Zweifeln, den kann ich unterschreiben – aber man wird ja auch nicht als Mutter geboren sondern wächst mit seinem Kind und seinen Aufgaben – auch wenn ich die Lockerheit oft bewundert habe – positiv bewundert!!

    Liebste Grüße und ein Hoch auf mehr gegenseitige Akzeptanz!!

    JesSi

    1. Liebe Jessi,

      danke für deinen Kommentar. Wie Frau Rabe ja so schön sagte: wir sind ja noch Amateurmamis 🙂 Da hat wohl keiner die Weisheit mit Löffeln gefressen. Darum kann ich mir bei den Superübermuttis auch nur ein Lächeln abringen. Denn die machen das auch zum ersten Mal. Und selbst als Vierfachmutter weiß Frau X immer noch nicht, wie gerade mein Kind tickt!

      Schwerer finde ich den Umgang mit den ‚Tipps‘ der Familie. Ich lasse dann gerne mal die Supertipps an der Raupe testen: in den meisten Fällen geben sie dann verzweifelt nach wenigen Minuten auf 😉 Gerade beim Thema Schlafen sind die Tipps aber unerschöpflich. Im Allgemeinen habe ich mir da wirklich angewöhnt entweder mich mit ’nett Lächeln und Jaja-sagen‘ aus der Affäre zu ziehen oder ganz klar ‚mein Kind, meine Regeln‘ zu kontern.

      Wir brauchen: mehr Akzeptanz. Aber nicht nur gegenseitig, sondern vor allem unseren Kindern gegenüber. Denn Kinder sind keine Maße und keine Tabellen. Und die Qualität von Superkind und Supermutti wird auch nicht in absolvierten Schlafstunden gemessen.

      Das ist eigentlich das, was ich mit: mehr Selbstbewusstsein und Offenheit meine. Wenn nämlich die Grenzen von ‚Wir müssen‘, Perfektionismus und Normen am Kind (und am Elternsein) fallen, dann können wir auch offener miteinander reden, ohne hinter jedem Satz einen Angriff zu vermuten.

      Liebe Grüße,

      Miriam

  4. Ein sehr interessanter Beitrag, der in mir jedoch unangenehme Gefühle auslöst.
    Zunächst: Ich finde es gut, dass Du beide Seiten (also „Opfer“ und „Täter“) betrachtest. Denn natürlich sind wir alle irgendwie auch „Täter“, wenn wir anderen Eltern unsere Sicht der Dinge nahebringen (ich will es mal so formulieren). Vieles davon ist in der Regel gut gemeint, aber manchmal ist das Gegenteil von „gut“ eben „gut gemeint“.
    Womit wir beim Thema wären: Du beschreibst ein paar Szenen von Begegnungen mit anderen Müttern. Was ich daran wirklich schwierig finde, ist Dein verstecktes Urteil „… ganz schön dick eingepackt“, „wofür man dafür Literatur brauche“. Meiner Meinung nach steht es niemandem zu, das Verhalten anderer derart zu bewerten, wenn es nicht gerade um das Kindswohl geht (ist ein Mensch in Gefahr, sollte man sich immer einmischen). Wenn die Mutter ihr Kind wärmer anzieht, geht Dich das, mit Verlaub, nichts an. Und wenn die andere Mutter nach Literatur fragt, ist das nun mal ihre Art des Herangehens. Wenn Du keine Tipps hast, auch okay, aber Du musst Ihren Weg deswegen nicht abwerten. Genau das hast Du nach meinem Empfinden aber getan.
    Im dritten Abschnitt fragst Du, ob man alles kommentarlos lassen müsse, ob man immer vermeiden müsse, in irgendeinen Fettnapf zu treten. Ich antworte mal mit einer Gegenfrage: Wer sagt eigentlich, dass man als Mutter alles kommentieren und dem Gegenüber um die Ohren hauen muss? Wer zwingt Dich, in jedes Fettnäpfchen zu treten?
    Mein Vorschlag heißt: Achtsamkeit. Achtsamer Umgang miteinander. Eine enge Freundin wird Dich kennen, Deine direkte Art schätzen und wissen, wie Du es meinst (die erste Kommentatorin beschreibt das schön). Doch Du bist nicht jederfrau Freundin, also können andere nicht wissen, wie Du es meinst. Wie wäre es mit ein wenig Empathie? Jeder Mensch ist nun mal anders, die einen können so eine (nass)forsche Art ab, andere nicht. Das spricht dann aber nicht gegen sie, sondern ist einfach mal so zu akzeptieren. Jeder verdient Respekt und eine grundsätzliche Wertschätzung. Indem Du formulierst: „Jetzt entwickel‘ mal ein bisschen Selbstbewusstsein.“ lässt Du genau das vermissen. Du kannst Selbstbewusstsein nicht einfach voraussetzen, und ich finde es nicht okay, die Muttis, die aus irgendwelchen Gründen, die Du nicht kennst (!), verunsichert sind, auch noch so vor den Kopf zu stoßen. Deren Rückzug ist dann eben ihr Weg, damit umzugehen bzw. sich abzugrenzen.
    Ich gebe gerne zu, dass mir das vor einigen Jahren auch nicht immer so gelungen ist. Ich habe meine Art, mit meinem Kind umzugehen (denn das traf wirklich nur bei K1 zu), immer gemeint verteidigen zu müssen – was für ein Unsinn! Heute sage ich jedem, der mir mit irgendwelchen Ratschlägen kommen will: „Dankeschön. Wir machen es, wie wir uns alle damit wohlfühlen.“
    Wenn ich Eltern mit jüngeren Kindern treffe, frage ich interessiert nach dem Befinden, dann sprudelt es meist schon aus den Eltern heraus, und ich nicke einfach. Freundlich. Ohne Kommentar. Und lache das Kind an. Irgend so was. Und wenn von Problemen die Rede ist, höre ich einfach mal genau zu und entscheide situativ, wie ich reagiere. Manchmal reicht es, einfach nur zuzuhören und Verständnis zu haben. Wäre das, mal so grundsätzlich betrachtet, nicht auch eine Option?

    1. Ein ganz langer Kommentar und ich danke dir schonmal dafür, dass du dir die Mühe gemacht hast! Wie ich gesehen habe, hast du auch noch dazu gepostet. Ich verlinke den Beitrag einfach mal am Ende meiner Antwort!

      Ich denke, ich muss mal erklären, wie es zu den ‚Täter‘ Situationen gekommen ist: das sind alles Momente, die ich erst jetzt im Nachhinein für den Artikel noch mal aus meinem Gedächtnis hervorgekramt habe. Ob und in welchem Maße die Personen sich wirklich angegriffen gefühlt haben, kann ich gar nicht sagen. Die Reaktion der Frauen kam mir im Nachhinein nur ein wenig komisch vor.

      Natürlich geht es mich nichts an, ob die Frau ihr Kind dick anzieht. Und, das interessante ist ja eigentlich (und darum habe ich es als Beispiel genannt): meine Aussage enthält überhaupt gar keine wertende Komponente! Und weder mein Tonfall noch der Kontext lässt (oder ließ) auf eine Wertung schließen. Natürlich hätte man auf eine Aussage ohne Mehrwert verzichten können (gleiches Beispiel von Mutter Rabe:“Wir mögen ja kein Autofahren.“). Aber warum? Ich fand die kleine Maus einfach zu niedlich in ihrer Jacke!

      Und ja, ich finde Ratgeberliteratur in den meisten Fällen überflüssig! Das ist natürlich ein ganz anderes Thema und ja, da habe ich mich im Ton vergriffen und auch hier hatte mein Satz kein Mehrwert für die Allgemeinheit. Im übrigen habe ich mich mit besagter Frau noch mehrmals ziemlich nett unterhalten. Sie hat auch ein gutes Buch von ihrer Freundin empfohlen bekommen. Sie war also nicht untröstlich.

      Ob das jetzt bereits respektlos war? Ob man immer nur Kommentare mit ‚gut’em Inhalt kommunizieren kann, wage ich zu bezweifeln. Und manchmal ist ‚gut gemeint‘ für die Person auch ‚gut‘, denn von ihrer (deiner, meiner) Seite ist das ja der ‚richtige‘ Ansatz. Auch diesen Punkt zu beachten, sehe ich als Toleranz – das über den Tellerrand schauen.

      Was mich zwingt in jedes Fettnäpfchen zu treten? Keiner! Aber ganz ehrlich: was bleiben dann für Themen? Wenn ich mich mit Menschen nicht über persönliches und ihre Meinung (und Meinung hat immer mit Wertung zu tun) austauschen kann. Dann lasse ich es! Small Talk ist nicht mein Ding und ist Zeitverschwendung. Das heißt ja nicht, dass ich durch die Gegend laufe und wild Menschen beschimpfe und nur auf ihre Schwächen anspreche. Und mal nichts zu sagen ist natürlich eine Option für mich. Bevor ich Menschen GANZ BEWUSST vor den Kopf stoße, sage ich lieber nichts. Und das sehr häufig.

      Und weiterhin plädiere ich für mehr Selbstbewusstsein. Leider ist das jetzt hier in meinem Kommentar ein wenig untergegangen, worum es eigentlich geht und was ich vermitteln will ist: Selbstbewusstsein und Offenheit. Wenn nämlich die Grenzen von ‘Wir müssen’, Perfektionismus und Normen am Kind (und am Elternsein) fallen, dann können wir auch offener miteinander reden, ohne hinter jedem Satz einen Angriff zu vermuten.Denn nur so schafft man nicht nur eine Kommunikation mit Mehrwert, sondern auch mehr Lebensqualität für alle.

      Ich kann natürlich Selbstbewusstsein nicht voraussetzen, wünsche sie mir aber!

      In diesem Sinne,

      liebe Grüße!

      Hier ist noch der Link von deinem Beitrag: http://mrscgn.wordpress.com/2014/09/29/mamis-unter-sich-mehr-feiern-statt-zu-streiten/

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