Das (un)planbare Leben

Eigentlich hätte ich es wissen müssen, aber irgendwie lerne ich es wohl nie. Bei mir verläuft eigentlich nie etwas nach Plan, selbst, wenn es so haarklein ins Detail vorbereitet wurde. Nun denn, nachdem mich das Warten auf die Antwort des BAFÖG-Amtes wochenlang gelähmt hat und ich mir nach der Absage den Frust abgeschüttelt habe, kann es nun weitergehen. Ich bin bereit. Für einen neuen Plan! Oder auch keinen.

Seit, ach, eigentlich schon immer, stehe ich mir mit folgenden Eigenschaften selbst im Weg: ich interessiere mich für vieles, ich bin absolut begeisterungsfähig, ich will alles/ganz, ich habe ein Problem, Dinge loszulassen.

50% dieser Eigenschaften sind super, die restlichen eher nicht. Zusammen führen Sie dazu, dass ich angefangene Dinge liegenlasse (aber nicht aufgeben will!!) oder soviele Dinge gleichzeitig mache, dass das System zusammenbricht. Der Tag hat schließlich nur 24 Stunden und ich bin irgendwann auch leer. Letzteres habe ich zumindest in den vergangenen zwei Jahren verinnerlicht.

 

 

 

Der Plan ist tot! Es lebe der Plan!

Dieses Jahr werde ich 30. An sich nichts schlimmes. Tatsächlich habe ich mich in den vergangenen Wochen in der Hochphase von Wut, Frust und Enttäuschung gefragt: und nun? Was ist aus den 1001 Träumen geworden? Soll es das jetzt gewesen sein? 

Ich habe mich dann ins Bett gekrümelt, dem Mann mein Leid geklagt und gemeinsam haben wir gegrübelt, analysiert, geplant und phantasiert.

Herausgekommen ist ein neuer Plan. Der gar nicht so neu ist. Nur anders.

 

 

Zufrieden sein mit den Dingen, die man hat

Ich bin dankbar und zufrieden mit den Dingen die ich habe. Ich habe eine Berufsausbildung und einen Job. An dem ist nicht alles gut, aber auch nicht alles schlecht. Eigentlich ist er sogar überwiegend toll! Ich habe einen tollen Mann, ein noch tolleres Kind. Familie (eine irgendwie tolle ;-)) und Freunde! Wir haben ein Dach über dem Kopf.
Ich bin gesund und auch nicht vollständig talentfrei. Auch das ist…..toll 😉

Und damit habe ich schon viel, viel mehr, als die meisten anderen Menschen auf dieser Welt. Dafür bin ich auch tagtäglich sehr dankbar! Aber….

 

Und dann kommt das Leben!

Vor einigen Wochen habe ich mich mit einer guten Freundin auf 1-3 Cocktails getroffen. Wir haben uns gegenseitig unser Leid von der Arbeit geklagt und überlegt: wollten wir nicht eigentlich was ganz anderes? Haben wir nicht irgendwas lebenserfüllenses machen wollen, nichts weniger als die Welt retten?
Welt retten, Künstler werden, Dinge erforschen, jeden Tag glücklich sein! Was ist bloß passiert?
Da waren diese Pläne und Träume. Und dann kam das Leben!“ So recht hat sie!

 

Gerade kann ja jeder!

Es fällt mir schwer mich zurückzulehnen und einfach nur den IST-Zustand zu genießen. Ich will immer weiter…nur führt mich mein Weg nie nach oben, sondern Zickzack, in Schleifen, zu neuen Orten, zu fremden Menschen, zu Unbekanntem.

Und so bin ich auch (irgendwie) Künstler und Entdecker. Und ich kann vielleicht nicht die Welt retten, aber die vielleicht ein klitzekleines bisschen besser machen.

 

Was kommt, was bleibt?

Ich finde es in Zeiten wie diesen schwierig, über die Zukunft zu grübeln. Wir leben ein Luxusleben und immer mehr empfinde ich das als Luxusprobleme, mit denen wir unsere Zeit vertrödeln. Wie auch hier beschrieben, ist es sehr schwer einen Weg zu finden zwischen den eigenen Bedürfnissen und der gesellschaftlichen Verantwortung. Zwischen Zukunftsverpflichtungen und ICH-LEBE-JETZT. Denn bei all den Verlockungen der Möglichkeiten möchte ich eines nicht: eine Arbeitssituation, bei der ich von Praktikum zu Praktikum geschickt werden oder nur einen Zeitvertrag nach dem anderen bekomme. Am Ende ist die Suche nach dem WOHIN, nicht nur eine Frage von: was will ich?, sondern eine der finanziellen Möglichkeiten. Und auch der Frage nach: wie viel Familienzeit und #metime möchte ich opfern für einen Traum? Und: könnte man nicht die ein oder andere Stunde opfern, um anderen zu Helfen, statt nur für sich und die (wenn es sie überhaupt gibt) nächste Karrierestufe zu arbeiten?

 

Vereinbarung ist überall. Immer!

Ich versuche nun also wieder zu Vereinbaren. Neu zu Vereinbaren.                                         Den Alltag, der endlich eingekehrt ist, mit all seinen Routinen, mit der Hilfe für Andere, mit Ehrenämtern und Familie.

 

Wunsch und Realität und eine große Portion Zufall!

2016 wird geheiratet, eine große Prüfung abgelegt, fernstudiert und angepackt. Die Pläne werden kleiner. Dafür sind die Ergebnisse nicht weniger wichtig. Und vielleicht kommt ja alles anders. Oder auch nicht.

Ich lasse mich überraschen.

 

 

2 Gedanken zu „Das (un)planbare Leben“

  1. Oh das kommt mir alles sehr bekannt vor. Ich begann vor Jahren eine Ausbildung im Fernstudium und dachte, die bekomm ich dann auch weiterhin locker mit kleinem Kind von zu Hause aus hin, schließlich würde ich ja 3 Jahre lang nicht in meinem normalen Job arbeiten. Heute kann ich mir schon gar nicht mehr so richtig vorstellen, die Ausbildung überhaupt weiter zu machen.

    Ich akzeptiere das Leben aber auch so, wie es kommt. Ich habe im Laufe der Zeit gelernt, mir zu sagen, dass schon alles irgendwie passen wird. Ich hatte vor Jahren 2 Nebenjobs – beide waren plötzlich da, als ich sie brauchte. Auch jetzt, als ich nach 6 Jahren Elternzeit Bammel vor den Bewerbungen hatte, kam plötzlich eine SMS, ob ich mich nicht persönlich bei XY bewerben möchte. Es hat zwar nicht geklappt, aber das ist egal. Der erste Schritt ist getan, auch wenn er nicht auf direktem Weg zum Ziel führte. Dafür konnte ich einen Tag wieder arbeiten, verlor meine Scheu und suche nun um so mehr nach neuer Arbeit.

    All die Dinge, die uns im Zick-Zack zu einem (vielleicht) geplanten Ziel führen, sind für irgend etwas gut. Vielleicht wollen sie uns nur neue und bessere Möglichkeiten aufzeigen, vielleicht bringen sie uns aber auch zu einer Stufe, die wir vorher noch lernen müssen, bevor wir unser eigentliches Ziel erreichen können. Keiner weiß es, aber solche Gedanken machen es (mir) irgendwie leichter 😀 Nur an dem nicht alles gleichzeitig tun muss ich noch arbeiten ^^

  2. In einer Woche beginnt mein nebenberufliches Masterstudium. Ich freue mich auf eine neue Chance und auf viel Wissen. Ich verzettle mich nicht, ich will den Abschluss. Dieses Mal studiere ich etwas das mir wirklich Spaß macht und mein erster Studienabschluss ist die Eintrittskarte. Es fühlt sich so gut an und ist auch irgendwie eine Harmonisierung des Lebenslaufs.
    Vielleicht kennst du den Spruch: Richtig ist, was sich im Lebenslauf gut liest.
    Oder auch nicht. Aber der Spruch beschreibt die Lebenswirklichkeit der Berufstätigen.

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