Abgeschlossen

#Studium #einfachLeben Alle, die mir auf Twitter folgen, haben das „Drama“ miterlebt. Obwohl ich in der Zeit einiges niedergeschrieb, habe ich mich nicht getraut es zu veröffentlichen. Denn irgendwie war alles im Umbruch (und ist es noch, und ist es ja eigentlich immer) und bis ich irgendwie alles wieder im Griff haben würde, wollte ich den Blog nicht als Plattform nutzen.

Nun habe ich seit einer Woche eine neue Arbeitsstelle und bin zumindest für die kommenden Wochen in einem Arbeitsverhältnis. Nicht meine Wunschstelle, aber okaye Bedingungen. Das Team ist sehr nett und die Arbeit interessant. Das macht den faulen Kompromiss erträglich.

Ich veröffentliche jetzt nach und nach die Texte, die in meinen privaten Notizen schlummern. Ich veröffentliche sie mit dem Originaldatum, verweise aber auch nachträglich in den Texten auf die entsprechenden Folgetexte.


Abgeschlossen (20.12.2017)

 

Es ist Mittwoch, vier Tage vor Weihnachten. Es ist gerade mal 9.30h und so dunkel, dass man nicht mehr weiß, ob es schon wieder dunkel oder immer noch nicht hell wurde.

Es regnet, während ich auf das Poppelsdorfer Schloß zu gehe. Meine Haare kräuseln sich im Nieselregen und mich überfällt das Gefühl, welches ich bei dem Weg zum Schloss und zur Nussallee immer bekomme: Vorfreude, Dankbarkeit, Neugierde. Ich mag diesen Ort, ich mag diese Fächer und ich liebe es zu lernen.
Und doch mischt sich ein neues Gefühl darunter, etwas, das mich seit einigen Wochen in meinen Träumen begleitet: Abschied. Ein Ende. Und Nein, es ist nicht der bevorstehende Bachelorabschluss.

 

10 Monate Wiederbelebung – aber das Herz will nicht schlagen.

 

Vor knapp einem Jahr habe ich meinem Chef die Kündigung ausgesprochen. Ich konnte und wollte nicht mehr. Ich brauchte eine Exitstrategie.              Man hat mich gebeten zu bleiben. Bis August, bei reduzierter Stundenzahl ab April. Ich willigte ein und war doch nicht zufrieden.

Der Druck auf der Arbeit stieg, ein Kollege verschwand und ich fand weder Anschluss ans Studium, noch an die Studenten. Mir fehlte auch schlicht und einfach die Kraft* und so verbrachte ich viele Tage, die ich an der Uni sein sollte zu Hause niedergeschlagen im Bett.

Im August dann das Ende der Beschäftigung und die paläontologische Exkursion in die Eifel. Auch hier wollte mein Herz nicht recht schlagen. Zwar lernte ich einige Studenten und Studentinnen kennen, aber der Kontakt war lose und wenig unterstützend. Mit meiner Partnerin quälte ich mich durch das Protokoll und dabei blieb die meiste Arbeit an mir hängen.
An einem einzigen Tag machte mein Herz ein paar Sprünge. Am Labortag *dudumm*

Und so verging der September und der Oktober brachte den Semesterstart. Ich war euphorisch und dann wurden meine Kurse so verlegt, dass ich genau 1 von 5 komplett besuchen konnte. Ich versuchte andere Studentinnen zu finden, die mich mit Lehrstoff versorgten, Dozenten zu bitten, andere Möglichkeiten zu finden, sodass ich auch an den Vorlesungen Teil nehmen könnte. Leider erfolglos.

Und so fühle ich mich nur von diesen wunderbaren alten Gebäuden aufgenommen. Der Rest des Studiums rinnt mir durch die Finger.              Herzblut versickert im alten Gemäuer.

Mein Gefühl sagt mir schon seit einigen Wochen: es Zeit ist abzuschliessen. Und ich habe angefangen, mich wieder auf Stellen in meinem Bereich zu bewerben. Von 13 Bewerbungen habe ich bisher nur ein positives Feedback erhalten. Dafür aber von der Traumstelle**. Bitte drücken Sie mir doch die Daumen.

 

Die letzten Atemzüge

Mein Herz sagt geh, der Kopf sagt:“Aber das ganze Geld, die Zeit, die ganzen Leute, die dich unterstützt haben…….willst du das alles wegwerfen.????“

Und die Seele sitzt bereits mir einem Cocktail in der Hängematte in der Sonne und schreibt eine Abschiedspostkarte ins kalte, nasse Bonn.

Mir fällt es schwer Dinge loszulassen, sie nicht fertig sind. Aber was nützt es, wenn der Patient bereits tot ist? Nur noch die Organspende.

9 Monate habe ich versucht dieses Herz wiederzubeleben. Vielleicht bin ich zu faul, zu bequem, zu unmotiviert. Vielleicht ist es einfach nur eine Erfahrung, das es das eben nicht ist. Nicht unter diesen Umständen. Und ich möchte ehrlich sein: ich bin zu müde, um immer weiter gegen die Umstände an zu kämpfen.

Ich schreibe diesen Text vor dem Hörsaal. Gleich habe ich ein Seminar, bei dem ich im Januar noch einen Vortrag und eine Klausur schreiben muss. Und ich Frage mich: was mache ich eigentlich hier? Ich könnte zu Hause sein, die Wohnung für Weihnachten putzen. Oder,oder,oder……

Ich nehme Abschied und vielleicht ist dieser Tag der letzte hier als aktive Studentin in diesem Schloss.***

Und das Herz kann nun für etwas anderes schlagen.


Nachtrag vom 21.12.2017: natürlich ist diese Entscheidung nicht nur auf Gefühle begründet. Ich bin zeitlich einfach extrem eingeschränkt. Die wechselnden Zeiten von Kursen in diesem unkoordinierte Fachbereich…dafür fehlt mir die Flexibilität darauf einzugehen. Die übrige Zeit reicht nicht zum Arbeiten. Ohne Nebenjob reicht aber auch das Geld nicht aus.
Ich will nicht mehr in dieser finanziellen Abhängigkeit leben müssen (okay, dass waren jetzt 5 Monate- 5 Monate zu viel!)
Überhaupt Geld…. seit dem Studienstart 2011 schrumpfen alle Ersparnisse. Ich bin auf Null und wenn ich das weiterdenke, werden befristete, niedrigbezahlte Jobs in der Wissenschaft uns da auch nicht wieder rausziehen.
Dieses lernen nur für Noten und die entsprechende Motivation der Studenten ist einfach nicht das, was ich möchte.
An jedem Unitag 4 bis 6 Stunden pendeln müssen….you know. Es ist alles zuviel/zuwenig.

Es kostet mehr Kraft, als es mir jemals wiedergeben könnte.

 

*(07.04.2018: vor einigen Tagen sprach ich mit dem Mann darüber. So wie das alles jetzt gelaufen ist. Und das ich diese Pause brauchte. Das Studium war ein guter Plan, aber es war der falsche Zeitpunkt)

** ich wurde zum ersten und zum zweiten Vorstellungsgespräch geladen. Danach kam 8 Wochen kein Feedback mehr. Nach 10 Wochen eine Standardabsage. Zwei Tage später wurde die Stelle erneut ausgeschrieben.

*** war es tatsächlich. Ich musste nur noch einmal zur Bibliothek einige Bücher wegbringen und noch ein weiteres Mal hin, um mich für mein Arbeitslosengeld zu exmatrikulieren.