Ich mache Urlaub! Social Media adé!

Die ersten zwei Monate des Jahres sind schon fast wieder rum und die Zeit rast nur so davon. Zu den wirklich wichtigen Dingen bin ich leider noch nicht gekommen: die Steuererklärung ist immer noch nicht weg, die Hochzeitsplanung kommt nur langsam voran und irgendwie hat sich seit Jahresbeginn hier noch kein Alltag eingestellt.

Es ist zum Mäusemelken und irgendwie wächst die To-Do- Liste schneller, als das ich mal erledigte Aufgaben abstreichen kann.

Aus diesem Grund mach ich nun einen Monat Urlaub – aus dem Social Media Gewimmel!

 

Weniger Input mehr Output!

Ich liebe Twitter, Facebook und Co. aber seit einigen Wochen strengt es mich mehr an, als das es mir Freude macht. Die Gründe sind dafür sehr unterschiedlich. Anfang des Monats habe ich bereits Accounts aussortiert und folge nun nur noch einer übersichtlichen Anzahl von Leuten. Das hat schon geholfen.

Ich könnte auch einfach meine Zeit am Smartphone reduzieren, aber darum geht es mir nicht. Ich gewinne nicht mehr Zeit, weil ich nun beim Kaffee nicht mehr durch die Timeline scrolle, wohl aber durch die Tatsache, dass ich einfach weniger Input habe. Weniger Themen mit denen ich mich beschäftigen könnte, weniger Meinung, die ich mir bilden möchte und weniger Texte die ich schreiben will. Ich habe bereits soviele Texte und Themen die endlich den Schreibflow benötigen! Die müssen erst alle raus, dann komme ich wieder 🙂

Ich wünsche euch einen schönen März und hoffe, dass wir uns bald wieder lesen und wer etwas wichtiges auf dem Herzen hat, kann mir gerne eine Email oder einen Kommentar schreiben.

 

„Damit ihr euch der Lage bewusst werdet!“ Ein Text über Symbolbilder, den Umgang mit Medien und der Kompetenz von sehen-können und sehen-wollen.

Triggerentwarnung: In diesem Beitrag werden keine Bilder gezeigt. Aber der Text ist lang!

Vor ungefähr einer Woche habe mich mit meiner morgendlichen Portion Kaffee durch die Twitter/Facebook/Nachrichten-Welt gescrollt. Bei einem Bild auf Facebook bin ich hängengeblieben. Kann das wirklich sein? DIESE Person postet Bilder ertrunkener Kinder bei Facebook??? Ich war geschockt und irritiert, denke ich doch als erstes immer an ein gefaktes Bild. Nein, diese Bilder waren echt! Bilder von toten Kindern am Strand. Zum Frühstück. Bäm!

Die Reaktionen unter dem Artikel waren seltsam inhomogen. Befürworter und Gegner vom Teilen und Verbreiten dieser Bilder gaben sich einen verbissenen Schlagabtausch.

Die häufigsten Argumente dafür: mit solchen Bildern rüttelt man auch die auf, die es bisher nicht verstanden haben.

Die Argumente dagegen: so was ist pietätlos und bringt nichts.

Mein eigener Gedanke war nur: Ich will das nicht sehen! Es gehört nicht hierher.

 

Ja oder Nein? Und die 1001 Meinungen dazwischen…

Ich habe meine Meinung dazu, warum ich diese Bilder nicht sehen möchte. Dazu gibt es dann aber noch einen anderen Beitrag. Am Donnerstag (3.9.15) wurde dann vermehrt das Bild des toten Kindes aus Bodrum geteilt. Nicht in meiner Timeline, aber es war ein Dauerthema. Und ein Diskussionsthema. Und während ich versuchte mich zu positionieren, habe ich gemerkt, dass es einige gibt, die das Thema  kategorisch ablehnen. Ohne eine weitere eine Begründung anzuführen/anführen zu können oder wollen. Andere haben eine feste Meinung und untermauern sie mit Fakten und Argumenten. Keine Position deckt sich 100%. Selbst im Lager derjenigen, die diese Bilder ablehnen, sind die Begründungen sehr divers.

Grund für mich, meine eigene Argumentation zu überdenken und auch die Meinungen derer zu durchdenken, die mir auf den ersten Blick missfallen.

 

Das Thema Flüchtlinge ist Teil unseres Alltags. Wie gehen wir damit um?

Das Flüchtlingsdrama von 2015. Wird es irgendwie in die Geschichtsbücher eingehen oder stehen wir gerade erst am Anfang einer Entwicklung, deren Ende wir nicht absehen können?

Das Flüchtlingsdrama, welches ein Drama für die Menschen ist, die aus ihrem Land flüchten müssen, ist für mich als Europäerin eine Art Wendepunkt. Es ist, als ob die Mauern gebrochen sind und Europa nun ein Teil der Welt ist. Nicht mehr abgeschottet – in Frieden und mit Wirtschaftswachstum. Wir werden mit der Realität konfrontiert, die in anderen Teilen der Erde schon lange eine furchtbare Lebenswirklichkeit ist. Jetzt steht der Krieg und die Armut vor unserer Haustüre und wir reagieren noch ein wenig wie ein aufgescheuchter Hühnerhaufen.

Von der Politik her gab es keine Impulse, um uns darauf vorzubereiten. Oder wollten wir als Bürger die Entwicklung gar nicht sehen?

Ich stelle diese Fragen, weil wir es doch hätten besser wissen müssen. Die Politik will diese Entwicklung wohl mit der Taktik ‚Augen zu! Wenn ich euch nicht sehe, seht ihr uns nicht“, bewältigen. Nun gut, das funktioniert ja auch nicht gut. Auch bzw. gerade im Bereich des wachsenden (Rechts)-Extremismus nicht.

Wir sind als Erwachsene, mit der Präsenz von Fernsehen und Nachrichten aufgewachsen. Haben ständig jegliche Nachricht auf dem Bildschirm, im Ohr oder im Blick. Niemand kann sagen, dass die Entwicklungen in Sachen Klima, Wirtschaft oder die Entwicklungen des verschiedenen Krisenherde nicht thematisiert wurden.

Bisher war das alles sehr weit weg. Gestorben wurde woanders.

Worauf möchte ich hinaus? Zum einen scheint es nicht gelungen zu sein, dass wir trotz medialer Dauerbeschallung die Dringlichkeit dieser Nachrichten in Konsequenzen für unsere Lebenswirklichkeit übersetzt haben.

Und zum anderen scheinen bereits Abstumpfungserscheinungen eingetreten zu sein.

Brauchen wir vielleicht doch diese Bilder von toten Menschen? Müssen wir uns Aufrütteln (lassen), so wie es manche Teiler solcher Bilder behaupten?

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Das ist eine Meinung von tausenden

 

Eine neue Form der Medienkompetenz muss her

Diese Fragen werde ich nicht beantworten können, aber ich bin mir sicher, dass wir neben den politischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Aufgaben die zu stemmen sind, die digitale Entwicklung nicht aus den Augen verlieren dürfen. Die Realität wird digital und umgekehrt. Die meisten Menschen sind vernetzt. Unser Leben ist real-digital. Es kommt mir manchmal so vor, als ob wir eine Art Leben auf mehreren Ebenen führen.

Die digitale Informationsflut die wir als Weltbevölkerung erschaffen ist ungefiltert und zeigt das wahre Leben. Hier fotografiert einer sein reales Mittagsessen, auf der anderen Seite des Mittelmeeres sein zerbombtes Haus. Beides ist real. Die Frage ist, ob und wie wir damit umgehen können und sollten.

Einen Teil dieser Aufgaben haben bisher Journalisten übernommen. Sie haben gefiltert, selektiert, aufbereitet und recherchiert. Den Wahrheitsgehalt einer Nachricht oder eines Bildes geprüft. Auch in diesem Bereich sind die Grenzen gefallen. Digitale Freiheit kennt keinen Pressekodex. Die Grenzen von Bilder und Informationen, die wir sehen/lesen wollen oder nicht, müssen wir nun selbst ziehen. Jeder von uns muss sich vom passiven zum aktiven Nutzer entwickeln. 

Eine neue Form der Medienkompetenz ist auch ein Teil der Entwicklungen, die sich in dieser Epoche vollziehen.

 

 

Symbolbilder früher und heute.

Symbolbilder zu zeigen und die Welt aufzurütteln ist kein Phänomen der heutigen digitalen Zeit.

Hilfsorganisationen aller Couleur bedienen sich dieser Bildsprache schon seit ihrer Entstehung. Ebenso gab es in jedem Krieg und in jeder Epoche „Symbolbilder“.

Bilder mit Kindern tauchen dabei bevorzugt immer wieder auf. Kinder sind die schwächsten und hilfsbedürftigsten in unserer Gesellschaft. Und unsere Zukunft. Ein leidendes Kind bewegt die Menschen. Man könnte auch sagen, sie werden stärker instrumentalisiert.

Wer kennt sie nicht, die Bilder von hungernden, afrikanischen Kindern, die fast jedes Spendenplakat „zieren“? Ganz berühmt ist das Bild des vietnamesischen Mädchens Kim Phuc. Sie floh nackt vor einer Napalm-Wolke und wurde damit zum Symbol eines furchtbaren, gescheiterten Krieges.

Ein Symbolbild, über das sich bislang noch die Experten streiten ist das „Begräbnis von Gaza“ von Paul Hansen. Realität und Fälschung liegen sehr nah beieinander. UNd der Zweck heiligt noch lange nicht alle Mittel – meiner Meinung nach.

Symbolbilder machen Stimmung und Polarisieren. In jede Richtung ist das möglich.

Gemessen an dem Hintergrund, dass jeder Zugang zu Kamera, Bildbearbeitungsprogrammen und dem Internet hat, ist die oben genannte Problematik noch schwieriger zu erfassen und für den einzelnen zu beurteilen.

Das Bild des kleinen Jungens wird wohl ein solches Symbolbild werden. Das Bild wurde stark verbreitet, die meisten bekannten Medien haben es abgedruckt oder zur Prime-Time gezeigt. Das Kind aus Bodrum ist der Schlüssel zum Sommer 2015. Ob wir wollen oder nicht. Allein unsere Diskussionen zeigen das.

Aber es soll um das Grundsätzliche gehen:

Darf man solche Bilder zeigen? Eure Meinung!

Die Süddeutsche Zeitung hat gestern einen sehr klugen und differenzierten Text veröffentlicht, in dem eigentlich die meisten meiner Gedanken und Gefühle zu diesem Thema beschrieben wurden.

„Das Bild zeigen oder nicht?

An dieser Stelle in eigener Sache: Wir haben weder das Lkw-Foto nachgedruckt, noch haben wir es uns nun mit den Fotos des Kindes aus Bodrum leicht gemacht. Zeigen oder nicht? Ist es tatsächlich so, dass Menschen dem Tod erst ins Auge sehen müssen, um das tödliche Potenzial politischer Entscheidungen zu verstehen? Reichen nicht Worte wie zu Beginn dieses Artikels, um begreifbar zu machen, was vor jenem Strand passiert ist, was an vielen Orten gerade vielen Menschen passiert? Vulgär formuliert: Muss man Ihnen als Leserin oder Leser das Bild eines toten Kindes zum Frühstück zumuten, damit unmenschliche Aspekte der Asylpolitik in Ihren persönlichen Diskurs rücken?

Redaktionen, die gerne diskutieren, wie unsere, finden verschiedene Antworten auf solche Fragen. Es gibt wohl keine eindeutig richtige, aber viele falsche, vielleicht so viele Antworten, wie es Leser gibt — je nachdem, unter welchen Umständen Sie als Leserin oder Leser sich mit solchen Bildern konfrontieren möchten und Sie, im Verständnis der genannten Zeitungen, die Fotos wirklich „brauchen“, um das Problem zu verstehen. Sie können sich Ihre richtige Antwort nun selbst geben. Die Bilder aus Bodrum sind allerorten im Internet zu finden.“ Quelle: www.sueddeutsche.de

Ich finde es interessant zu sehen, dass die Redaktion einer renommierten Zeitung an den gleichen Fragen hängenbleibt wie wir. Dies zeigt die Komplexität des Themas.


Ich habe euch gestern bei Facebook und Twitter gefragt, was eure Meinung ist.         500 Zeichen sollte jede/r hier bekommen. (bei einigen ist es ein wenig mehr geworden, ich bitte das zu entschuldigen!)

Sollten die Bilder von toten Geflüchteten gezeigt und geteilt werden? Ja/Nein?

Hier sind eure Stimmen.

Von mir ein klares NEIN! Warum? Erstens finde ich es würdelos und respektlos den ohnehin schon unwürdig gestorbenen Kindern (Menschen) gegenüber. Zweitens hilft es einfach nicht. Die, die ohnehin schon vom Leid berührt sind, werden evtl. so überfordert, dass sie emotional abschalten MÜSSEN, als Schutz für die eigene Seele. Wie schlimm die Bilder für bereits traumatisierte sind, kann man sich denken. Und die, die sich von den Erzählungen der Menschen nicht haben berühren lassen, die werden auch mit solchen Bildern nicht politisch oder helfend aktiv.

Julia aus der guten Kinderstube

Seit Tagen geistern Bilder toter Flüchtlingskinder durch die sozialen Medien. Will ich das sehen? Nein. Geht es darum? Nein. Ob ich das „sehen will“, finde ich recht unerheblich. Fakt ist, aber: Ein toter Mensch hat auch das Recht auf Wahrung seiner Persönlichkeitsrechte. Ein totes Kind darf nicht dafür instrumentalisiert werden, dass andere Menschen ihre Betroffenheit zeigen. Ich finde es schlimm, wenn ein unbekannter Mensch schutzlos im Tod für jeden sichtbar ist. Dass Privatpersonen Bilder teilen ist schon befremdlich, warum die Medien das Gleiche tun, verstehe ich noch weniger. Die Betroffenheit zeigt sich anderswo. Bilder von Menschen, die man nicht mehr fragen kann, dafür zu verwenden ist der falsche Weg.

Bettie von FrühesVogerl

Wäre ich eine Angehörige der Toten, es würde mir das letzte Stück Würde nehmen, ihre Leichen, fotografiert fern von mir, immer wieder sehen zu müssen. Als Flüchtling könnte ich nichts tun, um sie zu bestatten. Ich würde mit den Bildern alleine sein in völliger Ohnmacht. Und wofür? Damit ignorante Menschen verstehen, was Krieg bedeutet? Wie diese Bilder die Wahrheit sind?

NEIN!

Die Visagen der Schlepper würden mich interessieren. Die Waffenhändler! Die Gesichter der Menschen, die vor Gericht gehören!

Sicher möchte auch keine Frau das Gesucht ihres Kriegs-Vergewaltigers sehen müssen. Wobei ich mir vorstellen kann, dass ein begleitender Text mit dem Hinweis „in Arrest“ das Ganze weniger entsetzlich machen würde.

Die Opfer brauchen unsere Stimmen um in Frieden leben zu können! Aber wir brauchen nicht derartig intime Bilder menschlicher Grausamkeit um Handeln zu wollen.

Liefs,

Minusch

Ich bin Journalistin. Ich kenne viele schlimme Bilder. Sie kommen ungefiltert in den Redaktionen an und müssen ausgewählt werden. Nach dem großen Beben in China habe ich ungefilterte dpa-Fotos aus der Datenbank gesichtet.Bilder von toten Kinder unter Geröll. Eine ganze Schulklasse. Es war furchtbar, aber damals eben leider mein Job. Ich habe die Bilder gezielt nicht ausgewählt. Unsere Maxime: keine Bilder von Leichen. Aber: Was ist zumutbar,um auf Leiden hinzuweisen? Was hat mit Pietät zu tun? Ich bin nach wie vor dagegen, solche

Fotos zu veröffentlichen. Auch privat. Bei FB. Bei Twitter. Man muss den Leuten eine Wahl geben. Und: es gibt auch Fotos ohne Leichen, die eindrucksvoll eine Situation und ein Schicksal darstellen. Viele Grüße! (Kristina)

„Ich empfinde das Teilen dieser Bilder, vor allem des speziellen Bildes des toten Jungen als pietät- und würdelos; es erreicht emotional ohnehin nur die, die empathisch und/oder hilfsbereit auf die Situation der Vertriebenen reagieren. Alle anderen Individuen stachelt das vermutlich leider nur an.

Es geht mir nicht darum, die Augen zu verschließen. Aber ein totes Kind brauche ich nicht, um das Leid zu erfassen. In mir ist viel Kummer und Wut über die aktuelle Situation und meine Gedanken sind bei den Eltern, die ihre Kinder verlieren bzw. bei den Familien, die einander verlieren.                                     Mögen sie diese Bilder nie sehen. Tina (Tante Emma // @_Gemischtwaren

Vorneweg: Ich bin selber in der Flüchtlingshilfe aktiv, und bekomme viele verschiedene Schicksale mit. Und auch ich finde jeden einzelnen Tod eines Flüchtlings, ob nun auf hoher See, im LKW oder sonst wo, schrecklich und absolut überflüssig. 
Aber noch überflüssiger ist es, dass aktuell zB das Foto des kleinen toten Jungen, der an der türkischen Küste gefunden wurde, von Hinz und Kunz auf Facebook, Twitter, Instagram und Co geteilt wird! 
Für mich ist das eine ekelhafte Instrumentalisierung und Entwürdigung, die aktuell stattfindet, die mit Anteilnahme oder auch „Informieren über die Flüchtlingssituation“ herzlich wenig zu tun hat. Dass die Flucht, grade über das Meer, mehr als lebensgefährlich ist, sollte jedem Menschen mit halbwegs klarem Verstand bewusst sein – und dass jener Fluchtversuch leider auch oft tödlich endet, ebenso. 

Aber, um mal ein konkretes Beispiel zu nennen: Würde man die Fotos toter Autofahrer, die kurz zuvor bei einem Verkehrsunfall ums Leben gekommen sind, in sozialen Netzwerken teilen, nur um auf die Gefahren von zB Alkohol am Steuer, Drängeln oder Fahren mit überhöhter Geschwindigkeit aufmerksam zu machen? Nein! Und warum nicht? Weil es unnötig, und vor allem aber völlig respektlos ist.

Unnötig, da es die Menschen, die man damit eigentlich „ansprechen“ will, eh nicht erreicht. Denn diese kennen ihre Einstellung eh zu gut, und werden diese aufgrund eines Bildes sicherlich ändern. 
Und respektlos, da die Würde eines Menschen auch nach dessen Ableben geachtet werden sollte – und dies ist meiner Meinung nach eben nicht gegeben, wenn das Foto einfach, und zT auch aus Sensationsgier, wie wild geteilt wird. 

Helfen tut man den Flüchtlingen selbst damit zumindest nicht, wenn man einfach nur stumpf ein Foto teilt – helfen tut man, wenn man zB Dinge spendet, Ausflüge mit organisiert, oder die Flüchtlinge einfach mal herzlich Willkommen heißt. Helfen kann man auch, indem man auf die Straße geht, und der Regierung zeigt, dass es absolute Scheiße ist, dass sie Waffen in zT genau jene Kriegsgebiete liefern, aus denen die Menschen fliehen, und somit indirekt auch dafür sorgt, dass Menschen unter Einsatz ihres Lebens flüchten müssen.

Und – von alledem einmal ganz abgesehen – ist es auch eine Zumutung für psychisch labile Personen (dazu kann man zB durchaus auch Schwangere zählen, Horrormone und so), dass einfach so, ohne Vorwarnung, plötzlich Bilder von toten Menschen (es müssen nicht mal Flüchtlinge sein), in die Timeline oder die Chronik gespült werden. Selbst für psychisch stabile Personen ist der Anblick eines Toten – sei es in real, oder auf einem Foto – oft nicht mal eben so zu verkraften. 
Von daher sollte es meiner Meinung nach verboten sein, diese Fotos in sozialen Netzwerken ohne Warnung oä zu teilen! Von der Veröffentlichung in Printmedien mal ganz abgesehen…

ich habe zu der Verbreitung der schrecklichen Bilder kaum Worte. Ich finde das Vorgehen abstoßend, menschenverachtend und pietätlos. Wie kann man nur glauben, dass diese Bilder die Menschheit aufrütteln und die Flüchtlingspolitik ändern? Und das alles auf dem Rücken unschuldiger Kinder, die nicht mehr gefragt werden können! Es macht mich wirklich sprachlos, wie respektlos die Bilder verbreitet werden. Das alles unter dem Deckmantel der Menschlichkeit, denn viele Kommentare werden mit ’so ist nun mal das Leben, schaut nicht weg‘ begründet. Ich schaue auch nicht weg! Ich will nur diese Bilder nicht sehen müssen. Ich will selbst entscheiden können, ob ich mir die Bilder anschaue und nicht ständig auf meiner Timeline in Facebook darüber stolpern. Ich will nicht an einer Gemeinschaft teilhaben, die die Würde des Menschen mit Füßen tritt und auch noch glaubt, dadurch Gutes zu bewirken!

Für mich steht fest: Alle, die diese Bilder teilen, haben genauso wenig Achtung vor Flüchtlingen wie diejenigen die ‚rechtslastige‘ Kommentare von sich geben. Denn in beiden Fällen wird der Mensch gedemütigt und verachtet. Wenn ich mir vorstelle, dass diese Bilder die Familien der Kinder erreichen wird mir schlecht! Ich möchte meine Kinder so nicht auf Facebook sehen müssen!

Viele Grüße, @Sailorgrumpymum von Twitter

ich habe zu der Verbreitung der schrecklichen Bilder kaum Worte. Ich finde das Vorgehen abstoßend, menschenverachtend und pietätlos. Wie kann man nur glauben, dass diese Bilder die Menschheit aufrütteln und die Flüchtlingspolitik ändern? Und das alles auf dem Rücken unschuldiger Kinder, die nicht mehr gefragt werden können! Es macht mich wirklich sprachlos, wie respektlos die Bilder verbreitet werden. Das alles unter dem Deckmantel der Menschlichkeit, denn viele Kommentare werden mit ’so ist nun mal das Leben, schaut nicht weg‘ begründet. Ich schaue auch nicht weg! Ich will nur diese Bilder nicht sehen müssen. Ich will selbst entscheiden können, ob ich mir die Bilder anschaue und nicht ständig auf meiner Timeline in Facebook darüber stolpern. Ich will nicht an einer Gemeinschaft teilhaben, die die Würde des Menschen mit Füßen tritt und auch noch glaubt, dadurch Gutes zu bewirken!

Für mich steht fest: Alle, die diese Bilder teilen, haben genauso wenig Achtung vor Flüchtlingen wie diejenigen die ‚rechtslastige‘ Kommentare von sich geben. Denn in beiden Fällen wird der Mensch gedemütigt und verachtet. Wenn ich mir vorstelle, dass diese Bilder die Familien der Kinder erreichen wird mir schlecht! Ich möchte meine Kinder so nicht auf Facebook sehen müssen!

Viele Grüße,
Julia (schimpfmalmama)

Claudia Stiegler nein, ich finde nicht dass Bilder von toten Flüchtlingen und vor allem von toten Kindern und generell nicht von toten menschen gepostet werden soll. ich denke jeder weiss was gerade passiert und jeder kann sich sicherlich vorstellen wie viele dinge aussehen und ablaufen. ich hatte gestern so ein Bild gesehen und das hat mich total aus der bahn geworfen. konnte die ganze nacht nicht schlafen und habe viel geweint. es ist schrecklich was passiert aber ich an der Situation nichts ändern. ich bin nicht Gott und leider nicht in einer Position wo ich tatsächlich etwas bewirken kann und somit kann ich nichts weiter tun als spenden und eine helfende Hand reichen aber mehr geht – auch wenn ich gerne sofort das ganze Drama beenden würde. aber ich möchte nicht mit solchen Bildern konfrontiert werden und ich sehe keinen sinn darin solche Bilder zu verbreiten. das hat genau den gleichen Charme wie gaffen bei einem Unfall oder ähnliches und wenn ich hier bei fb weiterhin damit konfrontiert werde, werde ich fb wohl für längere zeit verlassen müssen. bin nicht stark genug für solche Bilder

Das Bild rüttelt mich nicht wach. Auf das Bild reagiere ich nicht als politisch denkender Mensch. Ich reagiere als Mutter. Obwohl ich kaum hinschauen konnte. In mir wuchs der Wunsch, ja das Verlangen, diesen kleinen Jungen aufzuheben und in den Arm zu nehmen, trösten. Ich finde, das Bild zu teilen, und sei es mit den besten Absichten, widerspricht der Würde der toten Menschen, weil es ihre Körper instrumentalisiert. Könnten solche Fotos ein Umdenken bewirken, würde die Gesellschaft längst anders denken, längst anders handeln. Wir hätten eine andere Politk! Diese Fotos mit im Mittelmeer ertrunkenen Flüchtlingen gibt es seit Monaten! Erst seit Tagen werden sie zunehmend in Social Media geteilt. Natürlich mit der besten Absicht, das Bild möge aufrütteln, möge zum Umdenken bringen. Als politisch denkender Mensch wird mir beim Anblick dieser Bilder umso mehr bewußt, dass wir offene, freie und sichere Fluchtwege brauchen. Und zwar schnell. Aber andere, die Angst haben, die Flüchtlinge würden ihnen etwas wegnehmen? Bringen sie diese Fotos auch zum Handeln, zum Helfen? Mama Notes

 

Fotos von Leichen auf Social-Media-Kanälen sind vor allem würde- und respektlos. Das steht außer Frage. Ich möchte schreiben, wie ich mich als Mutter dabei fühle und wie ich mich verhalte, wenn ich Fotos von toten Kinderkörpern auf Online-Kanälen sehe:

Tränen schießen mir in die Augen. Mein Herz bricht. Ich werde regungslos – fast ohnmächtig, sitze nur da und versuche die Bilder wieder aus meinem Kopf zu bekommen. Ich schließe die Augen, die Bilder erscheinen mir immer wieder und ich versuche sie mit Gewalt zu verdrängen. Ich sollte froh sein, dass meine Kinder es gut haben. Schäme mich aber, dass wir es ein besseres Leben haben.

Was bringt diese Art von Fotos? Aufklärung? Nein, nicht für mich. Denn in dieser Zeit, in der ich mit den Gedanken und Bildern kämpfe, könnte ich Sinnvolleres machen – für die Geflüchteten. Nicht nur kopflos durchs Haus rennen und alle Kleiderschränke durchwühlen, ob sich wohl doch noch ein Winterpullover in ihm versteckt.
Liebe Grüße,
Ute


Weitere  Texte und Diskussionen findet ihr auf :

Kathrin von Nestling Von Liebe und Respekt (und dem Mit Fehler zu begehen)

Eine Diskussion bei Fb auf der Seite von MeSuperMom Jette

Da seit einigen Tagen vermehrt Fotos von toten Kindern und Erwachsenen geteilt werden, die an die Strände gespült…

Posted by ME Super Mom on Donnerstag, 3. September 2015

Papaleaks Ich will das nicht sehen!

Mama Notes Wie wichtig ist unser Schmerz? – Über das Zeigen des Fotos des toten Kindes

Nicht vergessen möchte ich die rigorosen „Nein“-Stimmen, die für ihre Entscheidung keine Begründung brauchen. Danke euch für eure Meinung und den Austausch 🙂


Ein kleines Fazit: Im Text oben habe ich geschrieben, dass die digitale Freitheit keinen Pressekodex kennt. Nach den vielen Beiträgen glaube ich aber, dass ein Mensch mit Empathie und gesundem Menschenverstand diese Regeln automatisch befolgen würde.

Ich danke euch alle für eure Resonanz, für eure offenen Herzen und den Mut mit offenen Augen in diese Zeit zu gehen.

 

Das Selbstbild eines Bloggers

Heute ist es soweit: mein kleiner Blog wird 1 Jahr! Die beste Gelegenheit um sich die Zeit für eine kleinen Blick auf mein Bloggerumfeld schweifen zu lassen und ein paar Fragen zur Identität der Blogger ins den virtuellen Orbit zu schicken.

Dieser Beitrag ist auch an niemanden persönlich gerichtet, sondern soll mein Gefühl beschreiben, welches mir meine ‚Bloggerszene‘ in den vergangenen Wochen und Monaten bereitet hat.

Ich war schon immer ein Internetmensch. Mit 14, 15 war ich in den Chatrooms und in Foren unterwegs. Und auch da habe ich nicht nur sehr viel Zeit verbracht, sondern auch echte Freundschaften geschlossen. Die kleine Gruppe die sich da gebildet hat, hat drei Jahre überdauert, bis wir uns aus den Augen verloren haben. Mit den Leuten ist auch der kleine virtuelle Irish Pub eingeschlafen. Sehr schade eigentlich. Zum Glück darf ich mittlerweile echtes Guinness trinken.

Viele Jahre später habe ich dann mit dem Fernabitur begonnen. Darüber gebloggt und aktiv im Forum geschrieben. Es hat sich eine kleine RL-Lerngruppe gebildet und wir haben uns durch die Jahre getragen und uns auch so getroffen und unsere Freizeit miteinander verbracht. Und auch meine Mutter hat durch ein Hobbyforum Freundschaften zu Gleichgesinnten gefunden. Die Treffen sind klar hobbybezogen, aber es haben sich auch bereits langjährige Freundschaften entwickelt.

Was ich damit sagen möchte? Dieses Internet ist eine super Sache. Es bringt Leute zusammen, die die gleichen Interessen haben oder zufällig auf der gleichen Wellenlänge surfen.

Selbstbild eines Bloggers

In diesen ganzen Jahren Internet ist mir einiges schon begegnet. Leute die sich besonders wichtig nehmen und die für sich eine ganz klare Definition benötigen.

Jetzt bin ich ja auch so ein Blogger. Oder so. Oder ich teile einfach über das Medium Internet, mit Hilfe eines Blogsystems Wissen, Erfahrungen und Geschichten. Ich blogge.

Das Bloggen ist eine Tätigkeit und hat den Vorteil, dass es über die oben genannten Hilfsmittel -allen voran das Internet natürlich- viele Menschen erreichen und vernetzen kann. Das ist auch gut, denn für jeden gibt es ja bekanntlich genug und die richtigen Leser.

Es hinterlässt bei mir ein ungutes Gefühl, dieses definieren als Jemand, was aber eigentlich eine Tätigkeit beschreibt.

Es ist einfach das Gefühl, dass da was nicht zusammen passt: Die Definition von Blogger als etwas Besonderes, als jemanden Besonderes. Ist dabei nicht eigentlich so, dass Mensch dahinter steht – als einzigartige Person, die die Tasten drückt und die etwas tolles/wichtiges/interessantes verbloggt und dabei das Medium Internet als Multiplikator benutzt?

Der Blogger kann nichts. Ist aber alles!

Es gibt Millionen, wenn nicht gar Milliarden von Blogs. Einige werden nach kurzer Zeit der Euphorie aus verschiedenen Gründen wieder offline genommen. Wer aber dabei bleibt kann, wenn er sich gut vernetzt, eine stetig ansteigende Leserschaft an sich binden. Ganz unverbindlich schreiben sie ihre Texte an die unbekannte Leserschaft. Der Blog lebt von einem Menschen, der seine Geschichten (Geschichten stehen jetzt hier stellvertretend für alles Geschriebene) veröffentlicht.

2014 gab es bei Tumblr 182,5 Mio. Blogs – und dann kommen die anderen Plattformen noch dazu!

Was ich damit sagen will: Was ihr (und ich natürlich auch!) da macht ist nichts besonderes! Jeder der einen Internetzugang hat und die Grundkenntnisse der geschriebenen Sprache beherrscht, kann einen Blog schreiben. Und das ist auch gut so: Meinungsfreiheit und Vielfalt und so.

Mir fiel das als erstes Beispiel nur die Beschreibung der Fähigkeit Geschicklichkeit Stufe 1 (aus dem alten Vampire-Regelwerk) ein: du kannst gehen und Kaugummi kauen gleichzeitig! *hier ironisches klatschen einfügen *

Wie ich aus einem Vampir mit Knoten in den Beinen keinen erfolgreichen Jäger machen kann, so schreibt man nur mit der Fähigkeit eine Tastatur zu bedienen keinen Top-Blog oder wird zu einem Pulitzer-Anwärter.

Warum ist es also gerade in der Elternblogger-Szene so verbreitet sich so stark hervortun zu wollen, sich dieses Label ‚Blogger‘ auf die Stirn tackern und diese Tätigkeit als Selbstzweck zu stilisieren?

Ich bin kein Blogger! Sondern ein Mensch der Sachen ins Internet schreibt!

Mit diesem Trugschluss, dass man mit der Bedienung eine Blogsystems nicht nur seine Berufung, sondern auch seinen neuen Beruf gefunden hat und nun zur schreibenden Zunft gehören möchte, werden die frischgedruckten Visitenkarten, die About-Seiten auf dem und die Biographie auf Twitter nicht nur mit der eigenen Blog-Adresse gefüllt, sondern auch mit den wohlklingenden Bezeichnungen: Blogger, Journalist, Autor.

Weil ich mal ein paar Teile nähe, bin ich ja auch keine Näherin. Oder Köchin, weil ich auch gerne koche, oder?

Einheitsbrei und Artikel um ihrer selbst willen

Von den 590 Twitter-Followern befinden sich geschätzt 350 Elternblogger und den unendlichen Blogs in meinem Feed-Reader sind auch überwiegend Familienblogs zu finden. Ich brauche nicht mal mehr ein Drittel davon zu lesen, denn die Artikel ähneln sich immer mehr.

Wer jetzt sagt: ‚dann klick doch einfach weg.‘, hat vielleicht recht. Und das mache ich auch: die immer gleichen Artikel rund um die gleiche Kooperationskampagne, und das eine Produkt oder 25 mal der gleiche Bericht zum Blogger-Event von Firma XY, ein Video zur Flechtfrisur oder ein 08/15-Kinderbuch im Test…muss nicht sein!

Das sind die einen Artikel die mich gerade nerven, denn sie sind ÜBERALL!

Was aber eher diese ungute Gefühl verursacht sind die Berichte über sich selbst als Blogger. Wie toll es als Blogger ist, was man alles macht, wie einen der Sog der Zahlen motiviert weiter zu machen. Und dann kommt nämlich in vielen Berichten der Punkt: der Blogger produziert Content für die Klickzahlen! Ich glaube ich habe schonmal an anderer Stelle darüber geschrieben.

Und dann gibt es die, die es unbedingt wollen: Blogger sein! Mit dabei bei den Großen!

Manchmal kommen auch neue Blogs hinzu, die starten durch. Sind plötzlich da, bedienen ihre Nische und sind zudem noch von sehr sympathischen, bodenständigen Personen. Und dann gibt es die, die auftauchen und sehr, sehr penetrant und überall nach Aufmerksamkeit gieren. Man merkt dann: diese Person will es unbedingt! Blog to Business, sich etablieren und bei ‚den Großen‘ mitspielen.

 

 

Auch nach einem Jahr virtuelles Leben habe ich wohl noch nicht die Nische gefunden, in der ich mich wirklich zu Hause fühle. Das hat nichts damit zu tun, dass ich die Menschen, die ich bereits kennenlernen durfte nicht zu schätzen weiß, ganz im Gegenteil. Sie bereichern meine Welt und sind daraus nicht mehr wegzudenken.

Und doch muss ich sagen,dass ich mich so wie sich meine Filterbubble gerade zusammensetzt, nicht wirklich identifizieren kann.

Das hat vor allem etwas damit zu tun, wie ich das Selbstbild der Blogger aus dieser Blase empfinde.

Damit ihr mich nicht falsch versteht: Kontakte knüpfen und Netzwerken sind ein wunderbares Instrument auf so vielen Ebenen! Und darum soll …

… sich zusammenfinden, was zusammen gehört!

Im Allgemeinen würde es uns alle weiterbringen, wenn weniger ‚Blog to Business‘ in Vordergrund stehen würde und das die Zahlen (die sind natürlich wichtig) einen nicht das eigentliche Ziel aus den Augen verlieren lassen.

Anstatt nur auf die Kooperationen zu schielen, wären fundierte Angebote in Sachen Textarbeit, Recherche, Stilfindung und moderierte, themenbezogene Diskussionsrunden eine gute Alternative zu der ewigen Frage nach Kooperationen, oder?


Mein Wunsch: mehr gute Texte, weniger Füller, weniger Werbung, weniger Selbstdefinition über die Tätigkeit Bloggen und dafür mehr Mensch! Mehr Geschichten! Individuelle, bunte, lebendige Geschichten!

Zum Schluss komme ich natürlich noch einmal auf die Frage zurück, wohin in mit meinem Blog gehen wird. Ganz ehrlich? Ich weiß es nicht! Werbung und Kooperationen stehe ich persönlich weiterhin kritisch gegenüber. Das hat viele unterschiedliche Gründe. Der Hauptgrund ist aber einfach, weil es nicht zu mir passt.

Vielleicht fällt es mir auch einfach schwer, diesen Zustand und diese Entwicklungen zu akzeptieren, weil ich noch nicht in dieser ‚digitalen Welt‘ angekommen bin, in denen es die Berufsbezeichnung: Blogger und Speaker gibt 🙂

In diesem Sinne: Ahoi!

 

Das Internet und die Grenze zum Persönlichen

Oder: warum ich keine Geburtsberichte lese/schreibe und die Frage, ob Temperaturkurven und Schleimfotos ins Internet gehören.

Lange habe ich überlegt, wie ich meine Gefühle zu diesem Thema beschreiben kann. Ich will nicht sagen, dass über diese Themen nicht mehr geschrieben werden soll oder darf, denn es gibt ja wie in der realen Kommunikation immer einen Sender und einen Empfänger. Es nützt also mindestens einer Person was. Das ist gut und soll ja auch so.

Gerade bei die Themen rund um die Schwangerschaft (oder den Wunsch danach) und die Geburt, sind ein sehr sensibles und persönliches Thema. Es ist viel Hoffnung, Leid und Freude daran geknüpft. Gerade weil es so persönlich ist, frage ich mich aber, warum wird es so sehr in die Öffentlichkeit, bzw in den Orbit des Internets getragen. Ein Ort den jeder Einsehen kann und der niemals vergisst.


 

Mein persönlicher Raum

Jeder kennt ihn – diesen Abstand, den man zu Menschen einhält. Bei fremden Menschen hält man mindestens eine Armlänge Abstand um sich wohlzufühlen.

So ist es bei mir:

Bei mir war es schon immer so: ich bin ein Distanzmensch. Das ist vielleicht auch der Grund, warum ich gerne im Internet unterwegs bin. Im Notfall kann man einfach abschalten, wegklicken und den Verlauf löschen.

Internetpräsenz und meine persönliche Grenze

Jetzt mag man sagen: was redet die da so daher, schließlich findet man ja eine ganze Menge an Infos über dich im Netz.

Da sage ich: was wisst ihr schon über mich? Mein Impressum verrät die Grunddaten, mein Kind hat viel geheult und ich schreibe gerne Tweets über Bier und Babykacke – nicht in Kombination versteht sich. Man sagt, gut 20 % seiner Person gibt der durchschnittliche Blogger von sich preis. Ein konkretes Bild kann man sich dadurch nur schwerlich machen. Selbst wenn ich euch sagen würde, dass ich jeden morgen im Bademantel und mit Lockenwicklern vorm Laptop sitze, würde euch das kein Stück weiter bringen. Wir sind noch lange nicht der gläserne Mensch. Oder vielleicht doch?

 

Wo aber sind die Grenzen zwischen persönlich und zu persönlich? Bei mir sind sie definitiv bei den folgenden Punkten überschritten:

Von Zervixschleim, Schwangerschaftstests und Ultraschallbildern

Das Mitteilungsbedürfnis von Frauen scheint ja definitiv stärker zu sein, als das männliche. Möchte Frau sich nun vermehren, gerät dieses Bedürfnis scheinbar außer Kontrolle. Ein besonders guter Raum für nestbaugetriebene Frauen bieten die ‚Elternforen‘. In Wahrheit sind es aber eigentlich Frauen bzw Mütterforen, denn Männer sind dort Mangelexemplare.
Der Ton in diesen Foren ist manchmal schon recht rau, bis beleidigend. Aber auch das ist wieder eine andere Baustelle.

Nun geht man so ganz unbedacht in so ein Forum um sich zu informieren. Über was eigentlich? Egal, der Grund dieses Forum zu öffnen ist mir bis heute schleierhaft. Vllt war es Langeweile oder Neugier…ich weiß es wirklich nicht. Was ich aber zu sehen bekam, hat mich wirklich geschockt.

Unmengen an Fotos von Frauen, die motiviert ihre mit Schleim bedeckten Finger in die Kamera halten. Darüber dann Diskussionen, ob dieser den schon ‚reif‘ sei oder nicht. Daneben postet jede der Frauen noch, wann und wie sie Sex hatte. Nicht zu vergessen die wöchentlich aktualisierten Temperatur und -da ist er wieder- Schleimtabellen. Ob eine Frau durch diese Art Support jemals schneller schwanger wurde oder sich unterstützter gefühlt hat….ich bezweifle dies. Meine (Scham)Grenze wurde jedenfalls überschritten. Weggeklickt.

Einige Wochen später wurde ich schwanger (ganz ohne Internet) und schwups habe ich den gleichen Fehler wieder begangen und in ein Forum bzw auf Blogs geklickt.
Auch hier: Persönliche Grenzüberschreitung. Überall angepieselte Schwangerschaftstest ( mal mit mehr, mal mit weniger deutlichen Streifen) mit der Frage: ob man den wirklich schwanger sei. Wer sich dann die mediale Bestätigung geholt hat und nun wirklich, wirklich schwanger und ist postet jedes! Aber auch jedes Ultraschallbild. Egal ob da nur eine Schleimhaut zu sehen ist oder das alienähnliche Gebilde bereits weiter entwickelt ist.

 

Wenn das Baby dann kommt….

Ich bin ja lernresistent. Darum, nach 8 monatigem, selbstauferlegtem Googleverbot zum Thema Schwangerschaft habe ich es dann doch getan. Geburtsverläufe. Nach drei Geburtsberichten habe ich dann wieder das gemacht, was ich am sinnvollsten hielt: weggeklickt.

Warum ich diese Sachen wieder geschlossen habe? Man bekommt als Schwangere gesagt: jede Geburt verläuft anders! Und eigentlich weiß man ja auch: ohne Schmerzen und einen gewissen Faktor eher unangenehme Begleiterscheinungen geht es selten ( Ja…es gibt Ausnahmen, ich weiß!). Es stimmt: Jede Geburt dort war anders. Für mich gab es da keine Hilfestellung. Viel eher habe ich mich unwohl gefühlt so nah mit in das Geschehen gebracht worden zu sein. Ich fühlte mich als Eindringling.

 

Es ist nicht der abschreckende Ekelfaktor, sondern…..

Was zeigen alle diese Beispiele, egal ob es Schleimbilder, pipinasse Schwangerschaftstests oder vollgeblutete Kreisssaalbetten sind?

Alle diese Berichte zeigen nicht mehr als die 20 %, die andere Blogger oder Internetnutzer so hinterlassen. Nur weil ich deine Temperaturkurve kenne, weiß ich nicht WER du bist. Das kann also auch nach genauerem hinsehen kein Kritikpunkt sein.

Aber alle diese Berichte lassen den Leser an etwas teilhaben, was sehr,sehr persönlich ist. Für mich wäre es so, als ob ich im Internet Karten für die Teilnahme im Kreißsaal verlosen würde und die Leute mit Popcorn und Cola vor mir sitzen und mir beim Pressen zuschauen. Oder könntest du dir vorstellen, wildfremden Menschen auf der Straße deine Schleimfinger zu zeigen oder deinem Chef einen frisch bepieselten Schwangerschaftstest unter die Nase zu halten? Oder eure Kollegen lesen den Blog – ich würde nicht wollen, dass jeder weiß, wie sich der Durchtritt des Babyköpfchens anfühlt und zu diversen Geburtsverletzungen geführt hat. Und ich will es auch nicht von anderen wissen!

Zu viel Information – zu persönlich.

Ja, das mag jetzt nach irgendeiner Form von Egoismus klingen: aber es gibt für mich Formen der Privatsphäre und zwar dann, wenn es unterhalb der Gürtellinie geht. Also im übertragenen Sinne.

All diese Posts zeigen doch Hoffnungen, Erwartungen, Freud und Leid. Das ist etwas sehr persönliches und zusammen mit dem körperlichen nicht unbedingt etwas, was MEINER MEINUNG nach ins Internet gehört.

Ein Ultraschallbild ist eine Aufnahme deines Inneren mit einem winzig kleinen Baby. Das ist etwas für mich und den Papa. Vielleicht noch für die engsten Freunde/Verwandten. Dann ist Schluss -für mich. Ebenso bei der Geburt: für mich ein ganz persönlicher Moment. Den möchte ich nicht mit fremden Menschen teilen und ich möchte auch bei anderen kein Teil davon sein.

Ich finde das gehört zu euch, zu eurer Familie, eventuell nach Freunden und Hebamme, Ärzte…

Wie ist Eure Meinung dazu? Sind solche Forenbeiträge oder Blogposts hilfreich für andere? Oder euch? Wie haltet ihr solche Berichte oder schreibt ihr selbst Geburtsberichte?


 

In diesem Sinne: Ahoi!

Bevor sich jetzt alle wie die Hyänen draufstürzen und sagen : ‚dann lies es doch nicht. Es hat ja alles seine Berechtigung!‘ Ja, hat es, definitiv. Das hier ist auch nur ein Eindruck meines persönlichen Empfinden!

Das Internet und die Grenze zum Persönlichen

Oder: warum ich keine Geburtsberichte lese/schreibe und die Frage, ob Temperaturkurven und Schleimfotos ins Internet gehören.

Lange habe ich überlegt, wie ich meine Gefühle zu diesem Thema beschreiben kann. Ich will nicht sagen, dass über diese Themen nicht mehr geschrieben werden soll oder darf, denn es gibt ja wie in der realen Kommunikation immer einen Sender und einen Empfänger. Es nützt also mindestens einer Person was. Das ist gut und soll ja auch so.

Gerade bei die Themen rund um die Schwangerschaft (oder den Wunsch danach) und die Geburt, sind ein sehr sensibles und persönliches Thema. Es ist viel Hoffnung, Leid und Freude daran geknüpft. Gerade weil es so persönlich ist, frage ich mich aber, warum wird es so sehr in die Öffentlichkeit, bzw in den Orbit des Internets getragen. Ein Ort den jeder Einsehen kann und der niemals vergisst.


 

Mein persönlicher Raum

Jeder kennt ihn – diesen Abstand, den man zu Menschen einhält. Bei fremden Menschen hält man mindestens eine Armlänge Abstand um sich wohlzufühlen.

So ist es bei mir:

Bei mir war es schon immer so: ich bin ein Distanzmensch. Das ist vielleicht auch der Grund, warum ich gerne im Internet unterwegs bin. Im Notfall kann man einfach abschalten, wegklicken und den Verlauf löschen.

Internetpräsenz und meine persönliche Grenze

Jetzt mag man sagen: was redet die da so daher, schließlich findet man ja eine ganze Menge an Infos über dich im Netz.

Da sage ich: was wisst ihr schon über mich? Mein Impressum verrät die Grunddaten, mein Kind hat viel geheult und ich schreibe gerne Tweets über Bier und Babykacke – nicht in Kombination versteht sich. Man sagt, gut 20 % seiner Person gibt der durchschnittliche Blogger von sich preis. Ein konkretes Bild kann man sich dadurch nur schwerlich machen. Selbst wenn ich euch sagen würde, dass ich jeden morgen im Bademantel und mit Lockenwicklern vorm Laptop sitze, würde euch das kein Stück weiter bringen. Wir sind noch lange nicht der gläserne Mensch. Oder vielleicht doch?

 

Wo aber sind die Grenzen zwischen persönlich und zu persönlich? Bei mir sind sie definitiv bei den folgenden Punkten überschritten:

Von Zervixschleim, Schwangerschaftstests und Ultraschallbildern

Das Mitteilungsbedürfnis von Frauen scheint ja definitiv stärker zu sein, als das männliche. Möchte Frau sich nun vermehren, gerät dieses Bedürfnis scheinbar außer Kontrolle. Ein besonders guter Raum für nestbaugetriebene Frauen bieten die ‚Elternforen‘. In Wahrheit sind es aber eigentlich Frauen bzw Mütterforen, denn Männer sind dort Mangelexemplare.
Der Ton in diesen Foren ist manchmal schon recht rau, bis beleidigend. Aber auch das ist wieder eine andere Baustelle.

Nun geht man so ganz unbedacht in so ein Forum um sich zu informieren. Über was eigentlich? Egal, der Grund dieses Forum zu öffnen ist mir bis heute schleierhaft. Vllt war es Langeweile oder Neugier…ich weiß es wirklich nicht. Was ich aber zu sehen bekam, hat mich wirklich geschockt.

Unmengen an Fotos von Frauen, die motiviert ihre mit Schleim bedeckten Finger in die Kamera halten. Darüber dann Diskussionen, ob dieser den schon ‚reif‘ sei oder nicht. Daneben postet jede der Frauen noch, wann und wie sie Sex hatte. Nicht zu vergessen die wöchentlich aktualisierten Temperatur und -da ist er wieder- Schleimtabellen. Ob eine Frau durch diese Art Support jemals schneller schwanger wurde oder sich unterstützter gefühlt hat….ich bezweifle dies. Meine (Scham)Grenze wurde jedenfalls überschritten. Weggeklickt.

Einige Wochen später wurde ich schwanger (ganz ohne Internet) und schwups habe ich den gleichen Fehler wieder begangen und in ein Forum bzw auf Blogs geklickt.
Auch hier: Persönliche Grenzüberschreitung. Überall angepieselte Schwangerschaftstest ( mal mit mehr, mal mit weniger deutlichen Streifen) mit der Frage: ob man den wirklich schwanger sei. Wer sich dann die mediale Bestätigung geholt hat und nun wirklich, wirklich schwanger und ist postet jedes! Aber auch jedes Ultraschallbild. Egal ob da nur eine Schleimhaut zu sehen ist oder das alienähnliche Gebilde bereits weiter entwickelt ist.

 

Wenn das Baby dann kommt….

Ich bin ja lernresistent. Darum, nach 8 monatigem, selbstauferlegtem Googleverbot zum Thema Schwangerschaft habe ich es dann doch getan. Geburtsverläufe. Nach drei Geburtsberichten habe ich dann wieder das gemacht, was ich am sinnvollsten hielt: weggeklickt.

Warum ich diese Sachen wieder geschlossen habe? Man bekommt als Schwangere gesagt: jede Geburt verläuft anders! Und eigentlich weiß man ja auch: ohne Schmerzen und einen gewissen Faktor eher unangenehme Begleiterscheinungen geht es selten ( Ja…es gibt Ausnahmen, ich weiß!). Es stimmt: Jede Geburt dort war anders. Für mich gab es da keine Hilfestellung. Viel eher habe ich mich unwohl gefühlt so nah mit in das Geschehen gebracht worden zu sein. Ich fühlte mich als Eindringling.

 

Es ist nicht der abschreckende Ekelfaktor, sondern…..

Was zeigen alle diese Beispiele, egal ob es Schleimbilder, pipinasse Schwangerschaftstests oder vollgeblutete Kreisssaalbetten sind?

Alle diese Berichte zeigen nicht mehr als die 20 %, die andere Blogger oder Internetnutzer so hinterlassen. Nur weil ich deine Temperaturkurve kenne, weiß ich nicht WER du bist. Das kann also auch nach genauerem hinsehen kein Kritikpunkt sein.

Aber alle diese Berichte lassen den Leser an etwas teilhaben, was sehr,sehr persönlich ist. Für mich wäre es so, als ob ich im Internet Karten für die Teilnahme im Kreißsaal verlosen würde und die Leute mit Popcorn und Cola vor mir sitzen und mir beim Pressen zuschauen. Oder könntest du dir vorstellen, wildfremden Menschen auf der Straße deine Schleimfinger zu zeigen oder deinem Chef einen frisch bepieselten Schwangerschaftstest unter die Nase zu halten? Oder eure Kollegen lesen den Blog – ich würde nicht wollen, dass jeder weiß, wie sich der Durchtritt des Babyköpfchens anfühlt und zu diversen Geburtsverletzungen geführt hat. Und ich will es auch nicht von anderen wissen!

Zu viel Information – zu persönlich.

Ja, das mag jetzt nach irgendeiner Form von Egoismus klingen: aber es gibt für mich Formen der Privatsphäre und zwar dann, wenn es unterhalb der Gürtellinie geht. Also im übertragenen Sinne.

All diese Posts zeigen doch Hoffnungen, Erwartungen, Freud und Leid. Das ist etwas sehr persönliches und zusammen mit dem körperlichen nicht unbedingt etwas, was MEINER MEINUNG nach ins Internet gehört.

Ein Ultraschallbild ist eine Aufnahme deines Inneren mit einem winzig kleinen Baby. Das ist etwas für mich und den Papa. Vielleicht noch für die engsten Freunde/Verwandten. Dann ist Schluss -für mich. Ebenso bei der Geburt: für mich ein ganz persönlicher Moment. Den möchte ich nicht mit fremden Menschen teilen und ich möchte auch bei anderen kein Teil davon sein.

Ich finde das gehört zu euch, zu eurer Familie, eventuell nach Freunden und Hebamme, Ärzte…

Wie ist Eure Meinung dazu? Sind solche Forenbeiträge oder Blogposts hilfreich für andere? Oder euch? Wie haltet ihr solche Berichte oder schreibt ihr selbst Geburtsberichte?


 

In diesem Sinne: Ahoi!

Bevor sich jetzt alle wie die Hyänen draufstürzen und sagen : ‚dann lies es doch nicht. Es hat ja alles seine Berechtigung!‘ Ja, hat es, definitiv. Das hier ist auch nur ein Eindruck meines persönlichen Empfinden!

Bloggen und Gemeinschaft

Warum blogst du? Hast du Komplexe?

Wenn man jemandem erzählt, dass man einen Blog betreibt (und da ist jetzt die Thematik erstmal egal), wird in den meisten Fällen erstmal nach den ‚Warum‘, als nach Inhalten gefragt. Häufig stehen (so habe ich es kennengelernt) die Menschen einem Blogger kritisch gegenüber. Da ist dann von Profilierungsdrang und ‚Fishing for compliments‘ die Rede. Letzteres gilt im Besonderen für Fotoblogs.

Ich kann nur von mir sprechen und denke die meisten, zumindest Mama/Papa-Blogger, sehen das ähnlich: man will sich erstmal nur befreien und den Frust und natürlich auch die vielen wunderbar tollen Erlebnissen mit seinem kleinen Wunder niederschreiben und mit, im Idealfall vom Erziehungsstil gleichgesinnten, Eltern teilen. Ich strebe keinen kommerziellen Erfolg an. Da hätte ich mich wohl eher auf DIY mit Direktlink auf den Dawandashop konzentrieren sollen. Oder tolle Artikel über die neuesten Babydesignklamotten oder Pflegeprodukte für die Familie aus der Hochglanzzeitschrift schreiben müssen.

 

Der Blogroll wird zur Teilnehmerliste der selbstgewählten Selbsthilfegruppe

Ich schreibe über mein echtes Leben. Und das ist mal so gar nicht Hochglanz! Eher eckig, vollgesabbert, gar nicht gradlinig und doch wunderbar perfekt. Und solche Blogs von echten Menschen, in dem Fall Eltern, die mit Herz und Gefühl, mit Witz und manchmal mit Tränen der Verzweiflung im Auge ihre Beiträge verfassen, lese ich soo gerne.
Man folgt ihnen und hat das Gefühl, durch die Kritik oder Unterstützung, welche man durch die Kommentare abgibt, ein Teil ihres (virtuellen ) Lebens zu werden. Nach einer Zeit hofft und bangt man mit.
Ja, ich würde schon sagen, dass sich durch das bloggen eine Gemeinschaft bildet. Und manchmal fühlt es sich an wie in einer Selbsthilfegruppe.

 

Vereine sterben-es lebe das Internet!

Wir Menschen leben schon in sehr komplexen Strukturen. Dazu gehört dann auch unser Wunsch nach Gemeinschaft. Und während wir mit unserer Familie verbunden sind, ob wir wollen oder nicht (manche trifft es ja besser, als andere), suchen wir uns unsere Freunde selbst aus. Die Kriterien dafür sind dabei sehr vielfältig und eine Gemeinschaft aus Freunden kann ein durcheinander Gewirbelter Haufen sein. Sympathie ist dabei aber der springende Punkt.

Im Internet findet man dagegen Gleichgesinnte, weil man nach ihnen sucht. Es zählt erstmal der ‚primäre kleinste Nenner‘-das Interessenfeld. Ob man sich eigentlich sympathisch wäre und sein Anliegen auch beim Kaffee in der Sonne diskutieren würde ist vollkommen unklar. Denn die Gemeinschaft aus Chat, Foren oder der selbstgeschaffenen Blogosphäre tritt seltener ins ‚Real Life‘.

Trotzdem (oder gerade deshalb) finde ich ist die Gemeinschaft, welche sich im Internet bildet nicht weniger wichtig oder real als Freundeskreise oder das Vereinsleben. Diese Art Gemeinschaft unterstützt einen in den speziellen Interessen die wir haben und gibt auch bei Problemen oder schwierigen Themen Rückhalt, die man sonst nicht angehen könnte. Ehrlich gesagt möchte ich meinen Freunden nicht täglich von meinen Babygeschichten oder vom Schlafmangel erzählen. Und häufig ist das Netz auch einfach ehrlicher. Denn welche Mutti vom Spielplatz würde mir schon ihre Erziehungssünden beichten? 🙂

 

Meine persönliche Erfahrung…..

zeigt, dass sich aus Foren, Chats oder mehreren Blogs/ Lesern eine Art „Brieffreundschaft“ entwickeln kann. Die Freundschaft kann sich ins reale Leben übertragen, wenn man das möchte und ich habe schon viele Freunde auf diese Art gewonnen.
Vor einigen Jahren habe ich einen Blog zu meinem Fernabiturkurs geführt uns auf diese Weise (und durch ein Forum), Lernpartner, Weggefährten und sogar Freunde gefunden.

Aber: nicht immer stecken hinter dem netten Schreibstil und den aufbauenden Worten auch Menschen, die einem wirklich symphatisch sind und mit denen man im Biergarten klönen kann. Denn das Internet reduziert uns erstmal nur auf das geschriebene Wort und meist verbindet einen halt nur ‚der kleinste gemeinsame Nenner‘.