Das glückliche Kind nach Anweisung – das gibt es nicht! Ein Erfahrungsbericht

Ines hat einen ausführlichen Gastbeitrag zur aktuellen Blogparade: „Eltern in der (Auf)-Opferungsrolle – elterliche Grenzen vs. kindliche Bedürfnisbefriedigung“ verfasst.

Sie ist Mutter eines High-Need-Kindes und war der Überzeugung, dass ihre gute Vorbereitung und ein bedürfnisorientierter Umgang mit dem Kind alles in die richtigen Bahnen leiten würde. Die Realität war dann leider eine etwas andere….


 

Ich habe die Diskussion bei Twitter mitbekommen und bei mir hat das ganz gemischte Gefühle ausgelöst….. daher möchte ich gerne meine Sicht der Dinge teilen.

Schon bevor ich schwanger wurde, war mir klar, dass wir unser Kind bedürfnisgerecht erziehen wollen. Ich wollte natürlich gebären, stillen, tragen, familienbetten (wobei ich mir das anders vorgestellt habe, als es letztendlich läuft), immer für mein Kind da sein, mein Kind lieb haben…. und fand es gut und beruhigend, dass das Internet voll ist mit Leuten, die es genauso sehen, die Anregungen und Tipps geben können. Die habe ich in meiner näheren Umgebung nämlich nicht.
Rückblickend würde ich sagen, dass ich dabei ziemlich naiv war, denn ich ging davon aus, dass mein Kind ein zufriedenes, ausgeglichenes Kind sein würde, wenn ich mich denn an all die „Anweisungen“ hielt. Dafür kann und will ich niemandem außer mir selbst einen Vorwurf machen. Das betonte ich deshalb, weil ich denke, dass es – zumindest im Internet, auf Blogs und in Büchern – häufig die (unbewusst?) aufgestellte Behauptung gibt, wenn man alles das bedenkt und sich danach richtet, das Kind eben ganz entspannt und friedlich ist. Vermutlich meinen die wenigen das ernsthaft so, aber ich bin da einfach von ausgegangen. Hey, alle sagen, wenn man das Kind immer trägt, dann ist es ausgeglichen und schreit weniger! Wenn man im Familienbett schläft, ist die Störung der Nachtruhe viel geringer! BLW macht viel mehr Spaß als Brei!

 

Ein schlimmer Start für Mutter und Kind

Es lief bereits vor der Geburt anders als geplant: Aufgrund einer sich fulminant innerhalb von drei Tagen entwickelnden Präeklampsie, die passenderweise bei der Vorsorgeuntersuchung in einen Krampfanfall mündete, wurde unsere Tochter zwei Monate zu früh per Kaiserschnitt auf die Welt geholt. Ich habe von alledem nichts mitbekommen, da ich erst drei Tage später wieder zu Bewusstsein kam und nicht auf Anhieb begriff, warum man mich beglückwünschte.
Da sie als Frühchen galt, mussten wir lange im Krankenhaus bleiben. Für das Stillen hatte nie jemand Zeit, schlimmer noch, als wir bereits in der Kinderklinik waren und den ganzen Tag Zeit für sie hatten, da hieß es, wenn sie schläft, sollen wir sie nicht nehmen, sie brauche den Schlaf für die Hirnentwicklung und das dürfe man nicht stören. Also saß ich neben ihrem Bett, habe wie verrückt Milch abgepumpt, aber mich nicht getraut, mein Kind in den Arm zu nehmen.
Als wir endlich nach Hause kamen, konnte und wollte ich dort alles anders machen. Vermutlich hätte ich auch keine Wahl gehabt, denn meine Tochter entschied dann: Sie schlief nur, wenn einer von uns sie am Körper trug. Obwohl wir etliche Male davor gewarnt worden waren, ließ ich sie nachts mit ihrem Bauch auf meinem Bauch schlafen. Tagsüber das gleiche, nur dass ich dabei dann auf dem Sofa lag. Wir brachten uns das Stillen letztendlich selber bei, weil die Hebamme meinte, das würde eh nicht mehr funktionieren.
Dass das Kind irgendwann zu schreien begann, überraschte mich nicht. Schließlich war am Anfang alles falsch gelaufen. Die Situation beruhigte sich um den 4. Lebensmonat herum etwas. Bis sie anfing, mobiler zu werden. Sie begann nachts im Stundenrhythmus wach zu werden und zu schreien. Tagsüber wollte sie nicht mehr schlafen und schrie nur noch.

 

Wenn die Phase zum Dauerzustand wird

Anfangs trösteten wir uns damit, dass es sicherlich nur
eine Phase sei und wieder vorbei gehe. Wir haben weiter gestillt, getragen, gefamilienbettet. Nichts half.
Jetzt ist sie 13 Monate alt und immer noch eine unglaublich schlechte Schläferin. Sie wacht nachts alle 60 Minuten auf; tagsüber ist an Schlafen kaum zu denken, es sei denn, Mama setzt sich aufs Bett und man kann auf ihren Schoß. Ich war zwischendurch oft verzweifelt, habe die Schuld bei mir gesucht, sagte mir, dass es an meinem Versagen liegen MUSS, denn alles drumherum habe ich ja „richtig“ gemacht. Zweimal war ich so am Ende, dass ich vorschlug, sie zur Adoption freizugeben, weil ich es ja offensichtlich nicht hinbekomme, sie so zu versorgen, dass es ihr gut geht – was in meinen Augen dann der Fall gewesen wäre, wenn sie weniger geschrien und besser geschlafen hätte.

 

Die Wahrnehmung der persönlichen Grenzen

Wenn ich dann solche Diskussionen mitbekomme, frage ich mich sofort, was denn gemeint ist, seine eigenen Bedürfnisse über die des Kindes zu stellen. Ich fühle mich ertappt und schuldig, weil ich mich jedes Mal freute, wenn mein Mann unsere Tochter für einen zweistündigen Spaziergang mit nach draußen nahm, und ich endlich mal Ruhe hatte.

Bedeutete das nicht schon, dass ich mich selber wichtiger nahm als sie? Neuerdings geht es mir nachts so: Wir schlafen inzwischen getrennt. Wenn unsere Tochter eine schlechte Nacht hat, was meistens bedeutet, dass es ihr nicht gelingt, mit meiner Hilfe wieder einzuschlafen, und dass meine Brustwarzen nach kurzer Zeit dazu tendieren, blutig zu werden, dann bringe ich sie meinem Mann. Dort schläft sie interessanterweise oftmals recht schnell wieder ein, manchmal protestiert sie ein wenig. Und ich liege hinterher oft wach, weil ich mich frage, ob das nun wieder Ausdruck meines Egoismus ist. Was mir bei Lichte betrachtet Blödsinn scheint, denn sie schläft bei ihrem Papa ja mindestens genauso gut.

Lange Rede, kurzer Sinn: Ich glaube, dass diese Diskussion schon alleine deswegen schwierig ist, weil sie so subjektiv ist. Was meint denn nun, dass ich meine Bedürfnisse über die des Kindes stelle? Wäre es dann überhaupt erlaubt, sich eine Atempause zu nehmen? Oder bedeutet das direkt, dass mir mein Kind nicht wichtig ist? Diese Absolutheit scheint mir – wenigstens für mich – problematisch.

Problematisch ist für mich persönlich außerdem der Gedanke, dass es sich für mich sichtbar auswirkt, wenn ich meinem Kind bedürfnisorientiert begegne. Möglicherweise tut es das, irgendwann – aber ich weiß nicht wann und in der Zwischenzeit kann eine solche Sichtweise arg frustrieren (meinem Mann ging es zwischendurch so, dass er sich aufregte, unser Kind sei undankbar, sie dürfe bei und mit uns schlafen und sei trotzdem nur am Schreien, während andere Kinder das alles nicht hätten und trotzdem zufrieden wirkten).

In der Zwischenzeit mag es so wirken, als würde unser Kind, obwohl wir es so „verwöhnen“ (Zitat der Hebamme) häufig unausgeglichen und unzufrieden sein, während andere Kinder, die (scheinbar) weniger bedürfnisorientiert aufwachsen, ausgeglichen und fröhlich zu sein scheinen. Ich kann in niemanden reinschauen, daher weiß ich nicht, wie es tatsächlich ist.

Ich weiß, dass ich den Weg, den wir angefangen haben, für uns für richtig und gut halte, und dass wir ihn deswegen weiter gehen werden. Ich habe auch gelernt, dass so etwas für jeden etwas anderes bedeutet. Aus meiner eigenen (Kranken-)Geschichte weiß ich, dass es weder mir noch sonst irgendwem etwas nützt, wenn ich meine Kraft dauerhaft überstrapaziere. Deswegen habe ich mein Kind nicht weniger lieb. Ich werde möglicherweise niemals wissen, ob unser Kind nicht der gleiche Mensch geworden wäre, wenn wir etwas anders gemacht hätten – und gleichzeitig denke ich,
dass es egal ist, wie wir die Dinge machen, solange wir unserem Kind respektvoll begegnen.


Liebe Ines, vielen Dank für deinen ausführlichen und sehr emotionalen Artikel. Ich finde diesen Erfahrungsbericht sehr wichtig, denn es kann diejenigen sensibilisieren, die sich ein Leben unter Dauerstress nicht vorstellen können. 

Ich finde euch als Familie unglaublich stark und hoffe, dass ihr euren Weg weiter gehen werdet. 

Ihr könnt Ines auf Twitter folgen (hier!)und mit ihr über ihren Beitrag diskutieren. Alle weiteren Beiträge der Blogparade findet ihr im Beitrag im Linkverzeichnis: Hier geht es zum Beitrag der Blogparade!

Zwillingsmutter und Philosophiestudentin, oder: kompetent im Kleid!

Ich befinde mich in der seltenen Situation, die sich Familienurlaub nennt, fernab der Zivilisation in Edge-Land! Das ist die Gelegenheit euch ein paar Gastbeiträge meiner  Lieblingsblogger- und Twitterer zu präsentieren. Den Anfang macht Jenni vom Blog Flavius und Brutus. Sie ist nicht nur Zwillingsmutter, sondern auch eine modebewusste Philosophiestudentin. Ihr Thema: das große Manko der Philosophie: die Mode!


 

Zunächst einmal danke ich Mo Zart für den Themenvorschlag

Das große Feld der Philosophie, es beinhaltet sozusagen alles: Die Suche nach Wahrheit, nach Glückseligkeit, nach Gerechtigkeit, die Frage nach dem Sinn und dem Guten. Das alles unter dem Dach der Logik und der Argumentation, der allgemeinen Gültigkeit und dem Legitimationsanspruch. Immer zwischen „Ich habe den Text nicht gelesen, meine aber…“ und „Ich stimme dem Autor teilweise zu“.

Ja, das alles ist so in der Philosophie! Hier gibt es oft hitzige, kontroverse Diskussionen um die wirklich wichtigen Dinge im Leben, wie zum Beispiel die Metaphysik. Oder mechanistische Erklärungen. Gerne auch fachfremde Unterhaltungen auf der Meta-Ebene. Von Medizin-Ethik bis zum Gültigkeitsanspruch der Wissenschaft, über Säuglinge bishin zu dementen Alten wird hier alles besprochen.

Eine tolle Sache, das Studium der Philosophie. Es ist so fantastisch vielfältig und nach dem Abschluss hat man alles, was es so gibt, auch einmal durchreflektiert und sich eine Meinung gebildet. Ich bin auch absolut davon überzeugt, dass es ein wichtiges Fach in der Schule ist, weil Schülerinnen und Schüler durch solche Diskussionen in Sachen Toleranz und Meinungsverschiedenheiten unfassbar befähigt werden können.

Aber es gibt einen Haken: Die Ästhetik. Und damit meine ich nicht Kants Überlegungen zur Transzendenz und Raum und Zeit, sondern ich meine die Kleidung und Gepflegtheit der angehenden Philosophinnen und Philosophen. Die dozierenden Philosophinnen und Philosophen machen es so gut vor und sind größtenteils alle adäquat gekleidet, also folgt daraus logisch, schlüssig und gültig: Wer weit kommen will in der Philosophie, der kleide sich dementsprechend! Das ist aber bei den meisten Kommilitonen noch nicht angekommen. Ich fühle mich immer ganz unwohl, wenn ich mit gekämmten Haaren, geschnittenen Fingernägeln und auch noch einem adretten Kleidchen zwischen den langhaarigen Filz-Locken und ungeduschten Thunfischsalat-Essern sitze. Denn, und das ist auch eine knallharte Tatsache: Ich besitze keine Hose.

Und es ist oft ein hartes Leben ohne Hose an der philosophischen Fakultät, kann ich euch sagen. Kein Verständnis, wenn ich mit dem Kleid beim Aufstehen am Klappsitz hängen bleibe und man dann sieht, dass ich eine Unterhose über der Strumpfhose trage, weil die doch sonst immer so elendig rutscht. Übrigens auch kein Verständnis für die rutschende Strumpfhose! Oder für die Laufmasche. Niemand versteht mich, so sieht es aus. Die Philosophinnen und Philosophen hier, sie gendern zwar sehr gut und wissen, dass es sexistische Kackscheiße ist, von zwei Geschlechtern auszugehen. Sie tragen gern schlabbrige Unisex-Hosen, formlose Oberteile und ein zerstrubbeltes Vogelnest auf dem Kopf, egal welchem Geschlecht sie sich zuordnen. Und ich? Ich überrasche die geschätzten Philosophinnen und Philosohen. Ich trage mein schickes Kleidchen. Ich gehe mit nervigen Klackerschuhen in die Bibliothek und schreibe meine Hausarbeiten im Kleidchen. Ich halte Seminargestaltungen und Präsentationen und obwohl ich ein Kleidchen trage, bin ich selbstständig dazu in der Lage, meinen Laptop an den Beamer anzuschließen und frei über Themen und Texte vorzutragen, von denen ich nur die Hälfte verstanden habe. Ich ziehe morgens mein Kleid an und gehe so in die Sprechstunde von Dozenten und nehme kompetent das Feedback für benotete Hausarbeiten entgegen.

Aber welche Blicke mir wirklich am liebsten sind, sind die, die ich in folgender Situation bekomme: Ich schiebe im Kleidchen meinen Doppelkinderwagen durch die Caféte, kaufe den Kindern Eiskonfekt, setze sie an einen Tisch und tippe einhändig eine Studienleistung über das dritte Buch in Aristoteles Metaphysik, während ich mit der anderen den Kindern die Schnute abwische und diskutiere, ob unser Hund eigentlich Augenbrauen hat oder nicht. Morgens um halb neun, weil da die Kita noch nicht geöffnet hat. Kompetent im Kleid!


 

Ich danke Jenni für den tollen Beitrag und der Inspiration, öfter mal wieder ein hübsches Kleid zu tragen:-) und was tragt ihr so im Alltag? Kleid, Rock oder Hose?

Ich grüße euch aus dem Urlaub! Am Freitag folgt der nächste Gastbeitrag und Start meiner Blogparade: Freundschaften gestern und heute!

 

#Freitagsfrage Blogsplitter ‚

Steffi vom Blog 3fach Jungsmami hat mich an ihren Gedanken zum Thema meiner #Freitagsfrage ‚Du tust mir nicht gut!‘ teilhaben lassen. Bei ihr geht es (wie bei vielen anderen) um Freundschaft. Was bei Steffi passierte und wie sie damit umging, könnt ihr hier lesen.

Ich war schon immer eine die wenige Freundinnen hatte. Also wirklich sehr wenige. Aber die, die ich hatte möchte ich wirklich gerne und ich dachte es seien Freundschaften für immer.
Leider war dem nicht so. Der Kontakt wurde immer weniger. Immer musste ich den Kontakt herstellen. Von dieser einen Freundin kam gar nichts mehr. Mich machte das unendlich traurig. Zumal ich damals mit meinem dritten Sohn schwanger war und irgendwie schon auch mal eine Freundin gebraucht hätte.

Als mein Sohn dann geboren wurde, und mir nicht mal zur Geburt gratuliert wurde, war ich wirklich tot traurig, da merkte ich diese Freundin tut mir nicht mehr gut.

Ich zog also meine Konsequenzen daraus, ich meldete mich auch nicht mehr bei ihr, brach den Kontakt komplett ab, schließlich entfernte ich sie sogar aus meiner Facebook Friendslist. Viele finden dass vielleicht kindisch. Ich nicht, denn es befreite mich. Ich fühlte mich besser, denn ich hatte so mit diesem Kapitel abgeschlossen. Und seitdem mache ich das mit allem, was mir nicht gut tut. Abschließen und hinter mir lassen.
Danke Steffi für deinen Beitrag zur Blogparade. Ich denke, dass man irgendwann mit solchen Freundschaften brechen und sich von diesem Ballast befreien muss. 

Wie seht ihr das: sind es auch Freundschaften dir euch nicht gut tun? Wenn ja, wie geht ihr damit um? 

Bis Freitagabend könnt ihr noch eure Beiträge zur #Freitagsfrage: ‚Du tust mir nicht gut!‘ einreichen. Ich freue mich über eure Kommentare und Beiträge!

Schwangerschaft ist keine Krankheit? Ich scheiß drauf!

Heute gibt es wieder ein Gastbeitrag für euch. Die Autorin des Textes möchte anonym bleiben, denn sie spricht über ein Thema, dass in der Gesellschaft, und gerade auch im familiären Umfeld, als Befindlichkeit abgetan wird: die schwierige Zeit der Schwangerschaft mit dem zweiten Kind.

Während man bei der ersten Schwangerschaft noch eine ruhige Kugel schieben konnte und alle die Ankunft des erstgeborenen Kindes kaum erwarten können, liegt die Situation bei der zweiten Schwangerschaft etwas anders. Denn da ist ja auch noch ein anderes Kind zu betreuen! Wenn die Schwangerschaft dann auch noch mit einschränkenden Begleiterscheinungen daherkommt, gilt man schnell als Jammerlappen, denn: Schwangerschaft ist keine Krankheit.                                              Und was, wenn es sich doch nach Krankheit anfühlt und weit und breit keine Hilfe in Sicht ist?


 

Schwangerschaft ist keine Krankheit? Ich scheiß drauf!

Mein erstes Kind ließ sehr lange auf sich warten und entstand dann auch nur nach einer OP und mit weiterer medizinischer Hilfe. Gerade als wir dachten, wir bekommen kein zweites Kind mehr, wurde ich überraschend schwanger – einfach so. Das ist ein unbeschreiblich großes Glück, das ich mit diesem Text nicht schmälern will. Ich freue mich auf mein Kind, genieße die Bewegungen und Tritte in meinem Bauch und würde es nicht anders wollen.

Aber zur Zeit kotzt mich diese Schwangerschaft einfach nur noch an!
In den ersten Monaten war mir schlecht, was allerdings im erträglichen Rahmen blieb. Ich war vor allem so dermaßen müde, dass ich anfing, meinem Kind das Handy zum Spielen in die Hand zu drücken bevor ich narkoleptisch auf der Couch zusammenbrach. Meine Ideale über Bord werfend begann ich parallel zu glauben, was 2kindchaos hier schrieb.

Zwar wurden mir die gleichen doofen Fragen wie in der ersten Schwangerschaft gestellt: „Wie geht´s denn dem Bäuchlein?“ Äh, was soll ich dazu sagen. Gut.
oder
,„Und? Wisst ihr schon, was es wird?“ Ja, es ist ziemlich sicher ein Kind!
Doch echte Anteilnahme oder gar Unterstützungsangebote suchte ich vergebens. Macht ja nix. Eine Schwangerschaft ist schließlich keine Krankheit. Das schaffe ich.

 

Nur eine kurze Erholungsphase

Wie erhofft, wurde es im vierten Monat schlagartig besser. Ich war fitter, die Müdigkeit nahm ebenso ab wie die Aknepickel am Kinn und ich genoss den deutlich wachsenden Bauch. Da mein Rücken anfing leicht zu schmerzen, ein Zipperlein, dass ich aus den letzten Wochen der ersten Schwangerschaft kenne, hörte ich auf, K1 zu tragen und hoffte, dass es so bei den leichten Schmerzen bleiben würde. Haha! Wie naiv ich sein kann!
Dann kam die Hitze. Ich hatte heiße Hände, heiße Füße, an Schlaf war kaum zu denken. Nasse Tücher, Eispacks und Ventilator brachten nur wenig Erleichterung. Mein geliebter Sommer wurde zum Feind.
Zum Glück konnte mein Mann mich den Sommer über stark entlasten, so dass ich im Großen und Ganzen trotz allem recht vergnügt war. Ich wollte auch nicht jammern. Ich wollte genießen. Wir bereiteten uns gemeinsam auf die Geburt vor und ich übte, mich tief zu entspannen.

Der Sommer ging und ich wurde von Tag zu Tag unfitter. Jeder Weg bereitet mir Schmerzen im Rücken, die mich dann vor allem nachts wach halten. Hausarbeit wird dadurch zur Folter und dieses Eingeschränktsein macht mich wahnsinnig. Mein geliebter Mann versucht bei stetig steigendem Arbeitspensum unsere Tochter zu bespaßen, der mit mir eindeutig körperliches Auspowern fehlt, und gleichzeitig noch den Haushalt zu stemmen. Dabei entgleitet ihm schon der ein oder andere fiese Spruch. Das kann ich ihm nicht verdenken. Er ist auch überlastet. Aber seine passiv-aggressive Art bringt mich zum Heulen. Ich würde ja so gerne alles schaffen, niemanden brauchen, fit sein. Ich fange an, meinen Körper wieder zu hassen. Diesen Körper, mit dem ich Probleme habe so lange ich denken kann und der es mir immer schwerer zu machen scheint als es andere haben.

 

Die helfende Hand fehlt! Und nun?

Nun muss mein Mann seit einer Woche jeden Tag so viel arbeiten, dass wir ihn quasi gar nicht sehen. Nächste Woche muss er zusätzlich für fast zwei Wochen geschäftlich verreisen. Und ich dekompensiere völlig.
Am schlimmsten ist es für mich, dass meine Tochter darunter leiden muss. Die Schmerzen machen es mir unmöglich, ihr ausreichend Toben und Spielen zu ermöglichen. Ich kann sie kaum tragen, wenn es ihr schlecht geht und meine Geduld nimmt stetig ab. Dabei ist sie so lieb.

Und dann war heute: Ein Tag zum in die Tonne treten. Ich wachte müde auf. Zu wenig Schlaf. Schmerzen. Nach dem Duschen ging es einigermaßen, so dass wir den Vormittag bei Frühstück, lesen, spielen und aufräumen ganz gut rum bekamen. Nachmittags wollten wir raus, zu einer Kinderfarm, wo meine Tochter auch ohne mich ganz gut ausgelastet sein kann, wenn jemand sich ihrer erbarmt und sie mitmachen lässt. Ställe ausmisten, Ponys striegeln, Hufe auskratzen – ich war froh, dass so wenig los war und eine Bekannte für mich einsprang.

Dann sollte ein kleiner Ausritt gemacht werden. Kurz bevor es losging, wollte meine Tochter aber nicht mehr reiten. Ich denke, sie hatte Angst bekommen, weil eine Betreuerin meinte, dass ihr der Helm nicht richtig passen würde und das gefährlich sei. Also beschloss sie, dass sie erst einmal nebenher laufen wollte. Wir stiefelten los, doch schon nach kurzer Zeit wurde klar, dass sie, obwohl sie sich so sehr anstrengte zu rennen, nicht mitkam. Die Beine einer Dreijährigen können mit Ponys eben nicht mithalten. Die anderen waren einfach zu schnell und ich konnte sie ja leider nicht tragen, in dem Tempo schon gar nicht.
Keiner drehte sich nach uns um und als meine Tochter bitterlich weinte, kamen mir auch die Tränen. Warum schaffen das andere Frauen? Warum kann ich das nicht leisten? Warum haben wir niemanden, der uns hilft?
Meine Eltern? Im Urlaub.
Mein Bruder? Im Urlaub.
Freunde? Müssen arbeiten und/oder sind zu weit weg.
Meine Schwiegermutter? Ist körperlich noch unfitter als ich derzeit.
Immerhin war Tochters Patentante schon zweimal da, damit ich zum Geburtsvorbereitungskurs gehen und einmal auch schlafen konnte. Aber das war das erste Mal seit drei Jahren und auch nur, weil ich ihr echt die Ohren vollgejammert habe. Und ich hasse es, jammern zu müssen, damit sich jemand unserer erbarmt. Mich muss auch niemand anbetteln, damit ich helfe, verdammt!

Eine Bekannte erzählte mir, dass ihre Mutter einmal pro Woche kommt, um ihren Sohn zu hüten. Außerdem würde sie zusammen mit einer Tante drei Wochen vor Termin das Haus noch mal richtig putzen, mit Vorhängen und so und sie dann mitnehmen, damit sie vor und nach der Geburt nichts machen muss. GRÜN VOR NEID!

Wie ich die kommenden zwei Wochen schaffen soll? Ich weiß es nicht. Ich denke auch einfach nicht mehr darüber nach. Irgendwann wird mein Sohn geboren werden und mein Mann wird Urlaub haben. Das Leben als frischgebackene Familie zu viert wird zwar bestimmt auch nicht einfach, aber ich hoffe, dass mein Rücken sich regenerieren kann und wir es gemeinsam wuppen.

 

Putzen statt Strampler!

Wenn ihr also Schwangere in eurem Umfeld habt, bietet doch mal Hilfe an, echte Hilfe. Einkaufen gehen, das Bad putzen, saugen oder das Kind mit zum Spielplatz nehmen. Spart euch den hundertsten Strampler zur Geburt und sammelt im Freundeskreis für eine Putzhilfe oder einen Gutschein zur Fußpflege – mit Kinderbetreuung. Denn so süß Stofftiere und all der Krempel sind – echte Unterstützung, sich nicht alleine fühlen müssen, das ist es, was man wirklich brauchen kann.


Danke für deinen Beitrag. Ich wünsche dir alles Gute für dich, deinem Kind und überhaupt der ganzen Familie! Ihr werdet diese schwere Zeit überstehen, da bin ich mit sicher!

Was ist eure Meinung zu diesem Thema und wie kann man die Schwangerschaft und die anstrengende Zeit am besten wuppen, wenn man wenig helfende Hände, dafür aber ein, zwei oder mehrere kleine Kinder zu versorgen hat?

Home Is Where Your Heart Is

ProfilbildRund-1Vany wurde im Studium schwanger. Gerade im Endspurt auf die Bachelorarbeit hat sie ihren Sohn Ben geboren. Fernab von der Familie zieht sie ihren Sohn auf, während sie Haushalt und Studium wuppt  – alleine, denn Vany ist alleinerziehend.

Jetzt zieht es sie nach Hause in die Heimat: Home Is Where Your Heart Is


 

Ich heiße Vany und blogge über mein Leben als alleinerziehende Studentin und die Probleme, Sorgen und Ängste, die das mit sich bringt.

Als ich an die Uni kam, waren viele Studierende bereits fest integriert, da sie aus der Region kamen und bereits seit Schultagen befreundet waren. Ich bin kein Mensch, der einen Raum betritt und alle gleich für sich einnimmt. Ich bin nicht schüchtern, aber ich mag es nicht oberflächlich. Einen Menschen zu finden, den ich als „Freund“ bezeichnen würde, ist keine Leichtigkeit. Dennoch hatte ich das große Glück, gleich an meinem ersten Tag zwei Freunde kennen zu lernen, die mich bis heute auf meinem Weg begleiten.

Dennoch – eine der beiden ist gerade über beide Ohren verliebt und der andere mitten im Arbeitsleben gelandet. Und mein Leben? Nun ja, das hat sich auch auf den Kopf gestellt. Im 5. Semester bin ich schwanger geworden. Das Unileben tauschte ich mit Bangen, Lesen von Babyforen und wachsendem Bauch.

Da ich schon während der Schwangerschaft wusste, dass ich nicht mit der Begleitung des Papas rechnen sollte, hatte meine Mama in den letzten Wochen bereits ihre Tasche gepackt und war abrufbereit. In der Regel dauert die Fahrt von Wuppertal nach Braunschweig 3 Stunden – das sollte ja irgendwie zu schaffen sein.

 

Leben ist das, was passiert, während man andere Pläne schmiedet.

Zwei Wochen vor der Entbindung entschied ich mich spontan, in Wuppertal zu entbinden. Meine Oma war ins Krankenhaus eingeliefert worden und es sah schlecht aus. Kurzerhand holte mein Vater mich ab. Mich, meinen Hund, den halben Inhalt meines Kleiderschranks, die Wiege, alle Erstlingsklamotten, den Kinderwagen und und und…                                             Ich suchte mir ein Krankenhaus aus und besuchte einen Infoabend. Während die meisten werdenden Eltern glücklich über ihre Minibäuchlein streichelten, schob ich meine riesige Kugel schnaufend durch die Krankenhausflure.                                                                          Mit großem Glück fand ich noch eine Nachsorgehebamme. „Wann entbinden Sie denn?“ – „Könnte jeden Moment soweit sein!“

Mein Sohn kam in meiner geliebten Heimatstadt zur Welt. Meine Mama hat mir Luft zugefächelt und die Nabelschnur durchtrennt. Zwei Monate nach der Entbindung blieb ich noch „zu Hause“. Dann wurde es Zeit, das ganze Equipment wieder einzuladen und die Heimreise anzutreten. 

SAMSUNG CSC
SAMSUNG CSC / Foto: http://www.artschoolvets.com/

 

Auch die Jahre zuvor war es mir immer schwer gefallen, mich zu lösen. Ich hatte in Braunschweig nur einen kleinen Kreis. Ja, ich kannte mich mittlerweile gut aus. Ja, die Stadt gefiel mir außerordentlich gut. Aber es ist nicht meine Heimat. Bei diesem Abschied hat mein Vater geweint. Aus ganzem Herzen. Zum ersten Mal würde ich mit diesem kleinen Wurm alleine losziehen. Nicht, dass ich das nicht packen würde.

Dass ich so lang geblieben bin, war nicht nötig, aber es war schön, es hat so vieles so viel einfacher gemacht. Es hat uns ankommen lassen. In Braunschweig hingegen bin ich bis heute nicht ganz angekommen.

Ich wohne nun seit 4 ½ Jahren hier. Seit fast 2 Jahren mit Ben. Wir wuppen unseren Alltag gut. Aber das Größte ist immer noch, wenn wir „nach Hause“ fahren. Manche finden es hässlich, aber wenn ich auf der A2 die ersten Schornsteine der Fabriken im Ruhrgebiet sehe, geht mein Herz auf. Nicht mehr lange! Es ist wundervoll, dort zu sein. Vertrautheit, Geborgenheit, Familie. Dennoch bin ich dort nur zu Besuch. Nicht ganz dort, nicht ganz hier. Ich bin zerrissen und dennoch habe ich für mich den Entschluss gefasst, zurück zu gehen.

 

Ich möchte endlich ankommen. Ich möchte nicht mehr bloß Pflichten erfüllen. Ich möchte zu Hause sein. 

 Ben’s Papa hat das nie verstanden. Er sagte, er wolle versuchen, mir Braunschweig wieder schmackhaft zu machen. So funktioniert das leider nicht. Nächstes Jahr soll es angehen.

Die Vorfreude kommt jetzt schon auf. Gleichzeitig könnte ich weinen. Auch Braunschweig bedeutet mir sehr viel. Hier habe ich mich unendlich weiter entwickelt. Hier habe ich mit ganzem Herzen geliebt, habe meinen Sohn gezeugt. Hier habe ich Parties gefeiert, bei denen Waschbecken abgerissen wurden, hier bin ich spontan mit Fremden losgezogen, hier habe ich gebüffelt, meine ersten Versicherungen abgeschlossen. Hier ist Ben die ersten 2 (dann fast 3) Jahre aufgewachsen. Hat seine ersten Worte gesprochen, seine ersten Schritte gemacht, die ersten „Freunde“ gefunden. Und wenn ich zurück gehe, wird er sich vielleicht nie an die Zeit in Braunschweig erinnern können. Die Stadt wird nichtmals in seinem Ausweis als Geburtsort stehen. Er wird es nur aus Erzählungen und Besuchen kennen. Aber er wird nie sagen können: „Ach Mama, weißt du noch, damals in Braunschweig…“

Auch, wenn ich hier nie zu 100% angekommen bin, so wird es mir doch fehlen. Ich möchte die Freunde, die ich hier gefunden habe, nie wieder hergeben. Aber leider reicht es nicht aus, mich zu halten. Der Moment, in dem ich den Schlüssel meiner ersten eigenen Wohnung mit so unglaublich vielen Erinnerungen abgeben werde, wird mich zerreißen. Aber ich muss meinem Herzen folgen, um restlos glücklich zu sein. Hier liegt ein wichtiges Stück unserer Vergangenheit, aber das soll nicht unsere Zukunft sein. Und wer weiß, vielleicht treffen wir uns dann ab nächstem Jahr hin und wieder mit der Frau Chamailion auf einen Kaffee, denn die wohnt ja dann gleich um die Ecke 😉


 

Liebe Vany, danke für deinen tollen Beitrag. Ich kann mich übrigens sehr genau verstehen, was du meinst. Wir haben Verwandte in Braunschweig und jedes Mal, wenn ich auf der A2 über diese Anhöhe fahre und die ersten Schornsteine auftauchen weiß ich, wir sind gleich zu Hause!

Ich freue mich, dass du bald wieder in good-old NRW bist und wir uns dann mal zum Quatschen treffen können 🙂

Wie erlebt ihr das mit Kind im Studium? Habt ihr die Familie vor Ort oder lebt ihr auch fernab der Heimat?

Heimat – was ist das überhaupt?


 

Mehr von Vany könnt ihr auf ihrem Blog erfahren!

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Die Perfektionsfalle: Wenn Mama perfekt sein will

Heute gibt es eine Premiere, denn ich stelle euch auf meinem Blog einen Beitrag einer treuen Leserin vor. Sie möchte anonym bleiben, denn sie berichtet über ihre Achillesferse: ihrem Drang zum Perfektionismus. Mit zwei kleinen Kindern nicht immer einfach…


 

Es ist kompliziert

Ich möchte mir hier etwas von der Seele schreiben und nutze dafür die Gelegenheit, dies anonym bei Frau Chamailion zu tun, da ich einen Zusammenhang zu mir und meinem Blog vermeiden möchte. Es könnte ja eine oder mehrere Personen mitlesen, die mich persönlich kennen und sich dann vielleicht wiedererkennen und verletzt fühlen.

Die Überschrift „Es ist kompliziert“ zeigt ja schon, dass es kein einfacher Text für mich ist. Dennoch möchte ich es mir von der Seele schreiben, um auf diesem Wege andere Mamas als Gleichgesinnte zu finden, um Zuspruch oder auch hilfreiche Tipps zu bekommen. Vielleicht macht mein Artikel anderen Mamas Mut, denen es ähnlich geht. Und wenn es nur dafür gut ist, dass sie merken, dass sie damit nicht allein sind.

 

 

Was genau ist denn so kompliziert?

Das lässt sich nicht mit einem Satz beantworten, dafür muss ich etwas ausholen. Ich habe zwei Kinder (ein Baby und ein Kleinkind) und einen riesengroßen Anspruch an mich selbst. Diesem gerecht zu werden ist meine größte Herausforderung. Nicht die Kinder haben einen großen Anspruch an mich, sondern ich. Ich habe immer gedacht, dass diese Ansprüche an mich selbst automatisch reduziert werden, wenn ich mal selbst Kinder habe. Das ist leider nicht so. Zwar ist nun der erste und höchste Anspruch, den Kindern gerecht zu werden, aber auch alles andere versuche ich weiterhin zu erfüllen – notfalls dann eben nachts auf Kosten meines Schlafes. Dass ich mit wenig Schlaf auskomme, das war schon immer so. Wenn ich dann aber in den 6 Stunden, die ich im Bett liege, noch meine Gedanken kreisen um die ganzen unerledigten und belastenden Dinge, dann stimmt wohl irgendetwas nicht.

Mein Anspruch ist sicherlich auch entstanden, weil ich eben vieles anders machen möchte als ich es in meiner Kindheit erlebt habe.

Ich bin ohne Kontakt zu meinem Vater aufgewachsen und möchte das auf keinen Fall für meine Kinder. Deshalb bin ich bereit, viel dafür zu tun, damit sich mein Partner möglichst wohl fühlt und uns niemals alleine lässt. Ich gewähre ihm seine Freiräume und Hobbys und stelle bewusst keine Forderungen an ihn, wenn er andere Pläne hat. Gerade das macht es allerdings sehr kompliziert, weil ich eben unterbewusst doch Anforderungen habe, die er nicht kennt und deshalb gar nicht erfüllen kann. Ich denke viel, sage aber wenig, weil ich immer denke, dass er es doch merken muss, wenn ich Hilfe brauche oder eins der Kinder seine Aufmerksamkeit haben möchte. Wenn er jedoch vertieft in eine Sache ist, merkt er noch nicht einmal, dass er angesprochen wird. Das tut mir dann leid. Dennoch sage ich meistens nichts, um ihn nicht aus der Konzentration zu holen. Für ihn scheint es ja gerade wichtig zu sein. Bei ihm kommt das allerdings ganz anders an, denn schon wenn ich ihn anschaue oder etwas Belangloses sage, denkt er, dass es eine Aufforderung an ihn ist, etwas zu tun. Das macht unsere Kommunikation sehr kompliziert und führt oft zum Streit. Dass die Kinder den Streit spüren und teilweise mitbekommen, belastet mich, weil ich das nie gewollt habe. Sie haben so sensible Antennen für Unstimmigkeiten, dass sie auf jeden Fall merken, wenn wir Eltern streiten, auch wenn wir nichts sagen.

Ich möchte meinen Kindern Aufmerksamkeit schenken und sie möglichst wenig in Betreuung geben, damit sie möglichst viel „Mama“ erleben dürfen. Meine Mutter ging Vollzeit arbeiten, was für mich bedeutete, dass ich oft bei meinen Großeltern war oder jemand zum Aufpassen bei uns übernachtete. Das ist sicherlich auch ein Grund, warum der Kontakt zu meiner Mutter heute noch schwierig ist. Hatten wir überhaupt die Möglichkeit, eine Bindung herzustellen? Sie hatte sicherlich keine andere Wahl, da sie als Alleinerziehende selbst für den Lebensunterhalt sorgen musste und keine finanzielle Unterstützung von meinem Vater bekam. Es ist nicht ihre Art, anderen auf der Tasche zu liegen oder Unterstützung vom Amt zu bekommen. Dennoch fühlte ich mich oft allein und vermisste sicherlich auch oft ihre Nähe. Bewusst kann ich mich nicht daran erinnern, dass mir was fehlte, aber ich weiß ja auch nicht, wie es sonst anders hätte sein können. Durch ihre eigenen enttäuschten Gefühle von meinem Vater fiel es ihr sicherlich auch schwer, mir die Liebe zu zeigen, wie ich es vielleicht brauchte. Später als Teenager konnte sie sich nicht gegen mich durchsetzen und wusste sich nicht anders zu helfen, als mich zu schlagen. Auch hier kann ich ihr rückblickend betrachtet keinen Vorwurf machen, denn auch sie erfuhr von ihren Eltern Schläge, wenn sie sich nicht so verhielt, wie sie es verlangten. Und auch mein Vater schlug sie, wenn sie nicht das tat, was er sagte. Dennoch hat all das natürlich nicht dazu beigetragen, dass wir einen guten Kontakt hatten. Es ist bis heute kompliziert, weil vieles unausgesprochen und wahrscheinlich ganz tief in unseren Herzen eingebrannt ist.

 

Darf ich als Mama überhaupt sagen, dass es mir zu viel ist?

Meine Antwort ist „Nein“, weil ich es als Schwäche sehe, zu sagen, dass ich es alleine nicht schaffe und Unterstützung brauche. Irgendwie geht es doch immer, egal wie gestresst ich mich gerade fühle. Ich nutze die Zeit, wenn die Kinder schlafen und ich alles erledigt habe. In letzter Zeit kommt dies jedoch immer seltener vor und ich hetze nur meinen Aufgaben hinterher. Immer mehr habe ich das Gefühl, nicht mehr alles erledigt zu bekommen. Oft verliere ich den Blick dafür, was wirklich wichtig ist und erledige wahrscheinlich sehr oft Dinge, die unwichtig sind und warten oder komplett gestrichen werden könnten. Ich investiere viel Zeit in Aufgaben, die es absolut nicht wert sind. Das merke ich aber dann erst, wenn es zu spät ist und ich wertvolle Zeit damit verbracht habe.

Bin ich eine schlechte Mutter?

„Nur eine zufriedene Mutter ist eine gute Mutter“, höre ich oft aus meinem Umfeld. Zufrieden bin ich dann, wenn meine Kinder zufrieden sind. Aber sind meine Kinder zufrieden? Ihnen gegenüber versuche ich natürlich immer wieder, Ruhe auszustrahlen und Geduld zu zeigen. Leider gelingt mir das nicht immer. Je unruhiger ich bin, umso schlechter schlafen sie ein und umso mehr Aufmerksamkeit verlangen sie. Und je mehr sie meine Geduld auf die Probe stellen, umso ungeduldiger werde ich. Es kommen immer wieder Zweifel auf, ob ich meinen Kinder eine gute Mutter bin. Ich suche viele Fehler bei mir und finde diese natürlich, je mehr ich nachdenke. Mein schlechtes Gewissen steigt ins Unermessliche und ich nehme mir für den nächsten Tag vor, noch geduldiger mit meinen Kindern zu sein und ihnen mehr Zeit zu widmen. Ich beruhige mich selbst damit, dass niemand immer perfekt sein kann und auch Kinder fähig sind, Fehler zu verzeihen und nicht nachtragend zu sein. Meine Kinder entwickeln sich gut und ich bin sehr stolz auf sie. Auch durch das Feedback von Bekannten und Freunden erfahre ich, dass sie es gut finden, wie ich mit den Kindern umgehe. Dennoch finde ich immer Zweifel und stelle mich selbst und mein Verhalten in Frage.

 

Bin ich eine schlechte Ehefrau/ Tochter/ Schwester/ Freundin?

Meine Zweifel gehen noch weiter und ich frage mich, ob ich all die Rollen, die ich habe, erfüllen kann. Auch die Zeit als Paar ist immer weniger vorhanden, da ich, wenn die Kinder schlafen, mit meinen Aufgaben beschäftigt bin und mein Mann dann oft allein im Wohnzimmer sitzt. Kontakt zu meiner Familie ist sehr begrenzt – weil es eben kompliziert ist. Aber nicht selten frage ich mich, ob ich hier vielleicht auch zu anspruchsvoll bin und zu viel erwarte. Kontakt zu Freunden ist sehr begrenzt, weil hierfür so gut wie keine Zeit bleibt. Dass meine Freunde damit nicht auf Dauer zufrieden sind, verstehe ich. Deshalb melden sie sich leider auch immer seltener – wofür ich natürlich Verständnis habe. Wie kann ich all diese Rollen erfüllen? Muss ich das überhaupt? Wie kann ich auch hier zwischen wichtig und unwichtig filtern und die Kontakte aufrecht halten, die es wirklich ernst meinen? Auch darum kreisen meine Gedanken immer wieder.

 

Wie komme ich raus aus dieser Spirale?

Ich habe keine Ahnung, wie ich es schaffen soll, aus der Spirale zu entfliehen. Meine Kinder betreuen zu lassen, um Aufgaben zu erledigen, möchte ich nicht. Viel lieber möchte ich meine Ansprüche reduzieren und Wichtiges von Unwichtigem unterscheiden lernen. Und ich möchte mein Gedankenkarussell ausschalten und Dinge, die ich nicht ändern kann, akzeptieren. Damit würde ich wertvolle Energie sparen, die mich diese Gedanken kosten. Was ich ändern möchte, weiß ich – nur das „Wie“ bleibt offen. Vielleicht bietet sich durch diesen anonymen Artikel die Möglichkeit, Tipps und Erfahrungen von anderen Mamas zu bekommen, denen es ähnlich ging oder geht. Es hat sehr gut getan, dies einfach mal aufzuschreiben, worüber ich sonst mit niemandem rede. Danke schön, liebe Frau Chamailion.


Du Liebe, ich danke dir für diesen ehrlichen und offenen Text. Ich denke, dass viele andere Frauen auf die ein oder andere Weise ein ähnliches Problem haben. Ich wünsche dir alles Glück auf dieser Welt und viel Gesundheit für deine eigene, kleine Familie!

Und jetzt die Frage an die Leser: kennt ihr solche Gefühle der Überforderung und den Drang, alles möglichst perfekt zu machen? Wie geht ihr damit um?