Bloß kein Neid! #Freitagsfrage KW37

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In meiner #FreitagsFrage vom letzter Woche, habe ich euch danach gefragt, ob ihr neidisch seid. Wenn JA, warum oder auf wen. Ist es etwas zwischenmenschliches oder etwas materielles? Ich bin ganz erstaunt über eure Antworten. Aber lest selbst:

Und wenn ihr euch fragt, wer oder was die #Freitagsfrage ist und wie man mitmachen kann, könnt ihr das hier  herausfinden.


 

Bloß kein Neid!

Am Samstag habe ich eine Bekannte getroffen. Ich war an diesem Samstag mehr als übermüdet, denn die Nacht ging nur von 3-6 Uhr und ich versuchte mit meinem müden Mombiekörper und meinem quietschfidelen Kleinkind eskalationsfrei die Wochenendeinkäufe auf dem Wochenmarkt zu absolvieren.
Und da stand sie: ausgeschlafen, frisches Gesicht und gut gelaunt. Ihr Baby ist 12 Wochen alt. Zwischen erntefrischem Gemüse und Edelkäse unterhielten wir uns kurz:
Sie: „Ich kauf jetzt nur schnell ein fürs Frühstück mit den Schwiegeeltern. War ja gestern spät. Wir sind erst um 2 h ins Bett gekommen.“
Ich: „Ach, wir haben auch die halbe Nacht durchgemacht“, antwortete ich ein wenig weniger frisch, dabei mein Kleinkind auf der Suche nach etwas essbarem aufhaltend. „Was war es denn bei euch? Noch das Bauchweh?“
Sie: „Ne, wir waren mit Kind auf einer Hochzeit. Schwiegereltern waren da und haben heute morgen aufgepasst, aber J. hat ja durchgeschlafen bis gerade.“
Mein Gesicht, möglicherweise etwas entgleist. Und ich fühlte etwas sehr überraschendes.

Keinen Neid, sondern ehrliche Freude.

Denn ich hatte meine Reaktion anders erwartet.

 

 

Neid, was ist das eigentlich?

 

Der Duden definiert Neid folgendermaßen:

„Empfindung, Haltung, bei der jemand einem andern dessen Besitz oder Erfolg nicht gönnt und selbst haben möchte.“ Quelle www.duden.de

Das klingt jetzt nicht besonders gut. Und das sehen auch andere so:

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Bei Wikipedia sieht das schon ein wenig differenzierter aus.

Neid bezeichnet den Wunsch der neidenden Person, selbst über mindestens als gleichwertig empfundene Güter (materieller oder nichtmaterieller Art) wie die beneidete Person zu verfügen. Quelle: deutsches Wörterbuch

Es wird differenziert in materielle und nichtmaterielle Güter. Und trennt das Gefühl Neid auch von dem „nicht gönnen“. Und sowohl meine eigenen Erfahrungen mit diesem Gefühl, wie auch die Neid verursachende Gründe der Leser sind meist nichtmaterieller Natur.

 

Neid ist hässlich…kann aber auch ein Ansporn sein

In diesem Zusammenhang wird auch beschrieben, dass es zwei Ausführungen von Neid gibt: eine konstruktive und eine destruktive Form. In der konstruktiven Form entsprechen unsere Reaktionen von neutral bis gönnerhaft und sind nicht selten ein Ansporn, es der anderen Person gleich zu tun. In der destruktiven ist der Neid eine furchtbare Eigenschaft. In schlimmsten Fälle kann er Beziehungen zerstören und ist der Ursprung der meisten Straftaten.

Neid ist also zusammengefasst keine tolle Eigenschaft. Um das herauszufinden brauche ich aber keine Definition, denn ich weiß aus eigener Erfahrung, wie es sich anfühlt.

Schwarz, zerfressend, ……und wenn es dann weggeht, dann fühlt man sich noch schlechter. Es heißt der Neid sei grün, aber er ist schwarz wie Teer und genauso klebrig

 

Was macht euch zu neidenden Menschen?

 

Hier mal ein paar Twitterstimmen:

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Und bist du auch manchmal neidisch?

 

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Sie sind furchtbar, diese Twitterer…kommen so einfach mit einer Gegenfrage daher 😉

 

Meine eigenen Erfahrungen mit Neid habe ich natürlich auch gemacht und bin immer noch nicht ganz vor ihm sicher.

Vor einigen Jahren war ich zum Beispiel sehr neidisch auf Menschen, die ALLES einfach nur so bekamen und denen ihr Leben und der Erfolg einfach so in die Hände fällt, während ich für alles hart arbeiten musste. Da gibt es die Frauen, die einfach nur niedlich sind und total hilflos wirken: denen wird geholfen und jedes Fehlverhalten verziehen. Oder die, die einfach zu jeden Gelegenheit ihre Titten oder ihren Flirtcharme einsetzen. Nunja, ich bin weder niedlich, noch möchte ich mich für irgendwas „prostituieren“. Und flirten….lassen wir das.

Ich finde so ein Verhalten in keinster Weise erstrebenswert, aber es scheint das Leben zu vereinfachen. Auf diese Menschen war ich EXTREMST neidisch! Es stimmt wohl, wenn man sagt, dass Neid in erster Linie etwas über den Neider aussagt. Bei näherer Betrachtung sagt es nur etwas über ihn aus.

Diese Gefühl von Neid ist sehr stark und hat mich jahrelang begleitet. In meinem Fall kann ich sagen, dass es genau durch die Faktoren ausgelöst wird, die die Psychologen anführen: in erster Linie mangelndes Selbstbewusstsein. 

 

 

Wege aus der Neidspirale!

Mitte 20 war mir das ganze dann zu doof. Irgendwie habe ich mich immer im Kreis gedreht.

Das Gefühl von Neid – das schlechte Gewissen, den Menschen ihr Glück nicht zu gönnen – das Wissen, dass ich meine Situation ändern könnte, wenn ich doch in Situation x anders handeln würde – die Angst vor der eigenen Courage – Neid, dass andere diese haben und y erreichen……

Ein permanentes schlechtes Gewissen lähmt und macht furchtbar schlechte Laune.

Wie kann man sich also aus dieser Neidspirale befreien?

  • die gedankliche Stopptaste: Wenn man mal wieder in Gedankenkarussell festhängt: laut STOPP rufen und die Gedanken auf etwas anderes richten. Im besten Fall auf etwas angenehmes 🙂 (hilft auch bei anderen unerwünschten Gedanken 🙂 )
  • sich ablenken! Kino, putzen, mit der Freundin schnacken, sich auf ein Projekt konzentrieren……
  • die Situation reflektieren: ob im Gespräch mit einem Freund, dem Partner oder als therapeutischer Blogpost: andere an dem Gedanken teilhaben lassen. Das Feedback holt einen schnell wieder auf den Boden der Tatsachen und (im besten Fall) geht es anderen auch so!
  • Will ich das wirklich? So leben wie diese Person? Das haben – was mache ich dann damit? Könnte ich das wirklich stemmen: finanziell/ zeitlich oder wäre der Aufwand gar nicht zu schaffen? Mit hilft es da, mir einen Alltag zu visualisieren, in dem Faktor x eingetroffen ist.
  • sich was Gutes tun!
  • und zum Schluß noch mein Lieblingspunkt: ich habe was, was du nicht hast! Was läuft bei dir super, was hast du an Eigenschaften/Talente etc etc, was die Person, die du beneidest nicht hat. Am besten aufschreiben, dann ist es für den nächsten Neidanfall parat

Ich habe diese Maßnahmen nach und nach in meinem Alltag umgesetzt. Vielleicht ist ja auch etwas für dich dabei?

Die temporären Zustände

Genauso wie ich mehr als ein Jahr lang die Eltern beneidet habe, die ein friedlich schlafendes Anfängerbaby hatten, geht es vielen. Viele von euch sind neidisch auf die Eltern, die es einfacher haben: ohne Einschlafkämpfe, durchschlafen, Paarzeit genießen  oder das Kind auch mal fremdbetreuen lassen können.

Es ging mir auch so. Ich habe sogar  zu einer Freundin gesagt: “ Wenn das Kind von E+L ein ruhiges, friedliches Kuschelbaby wird, dass eskalationsfrei schläft und trinkt, dann werde ich wohl nicht mehr dorthin gehen können, weil mich das zum Heulen bringt!“ Das Kind ist noch nicht da und ich bin wieder soweit, dass ich mich für andere freuen kann. Denn….

 

 ….Jeder hat sein Päckchen zu tragen

Ich bin mir mittlerweile bewusst, dass Menschen nicht unbedingt glücklicher sind und ein besseres Leben führen, nur weil sie das haben, was man selbst gerne hätte. Menschen mit super einfachen Kindern haben andere Probleme oder die Schwangerschaft war schwierig oder sie sind einfach trotzdem nicht zufrieden. Jeder hat sein Päckchen zu tragen. Ob aktuelle Probleme oder in der Vergangenheit. Offensichtlich sichtbar oder für andere unsichtbar.

Darum schließe ich diesen Artikel mit einer wundervollen Antwort:

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Einen tollen Beitrag über Neid als eine der 7 Todsünden gibt es von Sabine Heinrich (. Ich empfehle übrigens die ganze Sendungsreihe 🙂

Kennt ihr dieses Gefühl? Seit ihr auch manchmal neidisch und wenn ja, auf was?

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