Bloggen und Gemeinschaft

Warum blogst du? Hast du Komplexe?

Wenn man jemandem erzählt, dass man einen Blog betreibt (und da ist jetzt die Thematik erstmal egal), wird in den meisten Fällen erstmal nach den ‚Warum‘, als nach Inhalten gefragt. Häufig stehen (so habe ich es kennengelernt) die Menschen einem Blogger kritisch gegenüber. Da ist dann von Profilierungsdrang und ‚Fishing for compliments‘ die Rede. Letzteres gilt im Besonderen für Fotoblogs.

Ich kann nur von mir sprechen und denke die meisten, zumindest Mama/Papa-Blogger, sehen das ähnlich: man will sich erstmal nur befreien und den Frust und natürlich auch die vielen wunderbar tollen Erlebnissen mit seinem kleinen Wunder niederschreiben und mit, im Idealfall vom Erziehungsstil gleichgesinnten, Eltern teilen. Ich strebe keinen kommerziellen Erfolg an. Da hätte ich mich wohl eher auf DIY mit Direktlink auf den Dawandashop konzentrieren sollen. Oder tolle Artikel über die neuesten Babydesignklamotten oder Pflegeprodukte für die Familie aus der Hochglanzzeitschrift schreiben müssen.

 

Der Blogroll wird zur Teilnehmerliste der selbstgewählten Selbsthilfegruppe

Ich schreibe über mein echtes Leben. Und das ist mal so gar nicht Hochglanz! Eher eckig, vollgesabbert, gar nicht gradlinig und doch wunderbar perfekt. Und solche Blogs von echten Menschen, in dem Fall Eltern, die mit Herz und Gefühl, mit Witz und manchmal mit Tränen der Verzweiflung im Auge ihre Beiträge verfassen, lese ich soo gerne.
Man folgt ihnen und hat das Gefühl, durch die Kritik oder Unterstützung, welche man durch die Kommentare abgibt, ein Teil ihres (virtuellen ) Lebens zu werden. Nach einer Zeit hofft und bangt man mit.
Ja, ich würde schon sagen, dass sich durch das bloggen eine Gemeinschaft bildet. Und manchmal fühlt es sich an wie in einer Selbsthilfegruppe.

 

Vereine sterben-es lebe das Internet!

Wir Menschen leben schon in sehr komplexen Strukturen. Dazu gehört dann auch unser Wunsch nach Gemeinschaft. Und während wir mit unserer Familie verbunden sind, ob wir wollen oder nicht (manche trifft es ja besser, als andere), suchen wir uns unsere Freunde selbst aus. Die Kriterien dafür sind dabei sehr vielfältig und eine Gemeinschaft aus Freunden kann ein durcheinander Gewirbelter Haufen sein. Sympathie ist dabei aber der springende Punkt.

Im Internet findet man dagegen Gleichgesinnte, weil man nach ihnen sucht. Es zählt erstmal der ‚primäre kleinste Nenner‘-das Interessenfeld. Ob man sich eigentlich sympathisch wäre und sein Anliegen auch beim Kaffee in der Sonne diskutieren würde ist vollkommen unklar. Denn die Gemeinschaft aus Chat, Foren oder der selbstgeschaffenen Blogosphäre tritt seltener ins ‚Real Life‘.

Trotzdem (oder gerade deshalb) finde ich ist die Gemeinschaft, welche sich im Internet bildet nicht weniger wichtig oder real als Freundeskreise oder das Vereinsleben. Diese Art Gemeinschaft unterstützt einen in den speziellen Interessen die wir haben und gibt auch bei Problemen oder schwierigen Themen Rückhalt, die man sonst nicht angehen könnte. Ehrlich gesagt möchte ich meinen Freunden nicht täglich von meinen Babygeschichten oder vom Schlafmangel erzählen. Und häufig ist das Netz auch einfach ehrlicher. Denn welche Mutti vom Spielplatz würde mir schon ihre Erziehungssünden beichten? 🙂

 

Meine persönliche Erfahrung…..

zeigt, dass sich aus Foren, Chats oder mehreren Blogs/ Lesern eine Art „Brieffreundschaft“ entwickeln kann. Die Freundschaft kann sich ins reale Leben übertragen, wenn man das möchte und ich habe schon viele Freunde auf diese Art gewonnen.
Vor einigen Jahren habe ich einen Blog zu meinem Fernabiturkurs geführt uns auf diese Weise (und durch ein Forum), Lernpartner, Weggefährten und sogar Freunde gefunden.

Aber: nicht immer stecken hinter dem netten Schreibstil und den aufbauenden Worten auch Menschen, die einem wirklich symphatisch sind und mit denen man im Biergarten klönen kann. Denn das Internet reduziert uns erstmal nur auf das geschriebene Wort und meist verbindet einen halt nur ‚der kleinste gemeinsame Nenner‘.

 

0 Gedanken zu „Bloggen und Gemeinschaft“

  1. Cool, zwei Dumme ein Gedanke wa ^^ Hast du super zusammengefasst! Hast du denn schon viele Blogs gehabt? Klingt irgendwie so… LG Janina

    1. Hey, Danke 🙂
      also ich habe 2007 mit meinem Fernabitur angefangen und dann auch einen Blog gestartet. da hat sich halt schnell eine kleine Gemeinschaft gebildet und wir haben uns gegenseitig unterstützt und immer wieder motiviert. Als mein Vater dann schwer krank geworden ist wurde mein Blog dann immer persönlicher. Aber es gab soviele liebe Menschen, die mich durch die schwere Zeit begleitet haben. Dafür bin ich immer noch sehr, sehr dankbar. Leider habe ich viele dieser Personen wieder aus den Augen verloren, als der Kurs dann fertig war (bzw habe ich kurz vor Schluss abgebrochen).

      An dieser Stelle trotzdem nochmal DANKE!

      Nebenbei habe ich jetzt noch einen Fotoblog, der aber leider *hust* seit einigen Monaten babybedingt auf Eis liegt (leicht untertrieben -seit fast einem Jahr ist da nichts mehr passiert 🙁 ) Wen es trotzdem interessiert: hier <–

      Ansonsten hat meine Mutter vor wenigen Jahren ein Forum zum Thema Ahnenforschung gegründet, mit dem sie nicht nur sehr erfolgreich ist, sondern auch viele neue Freunde gefunden hat.

      Lg, Miriam

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