Was ist los mit euch in Bloggerhausen?

30 Sep

#Blogging Es war was los in Bloggerhausen und störte die Aufbruchs, ja, Goldgräberstimmung, die sich in der Blogosphäre der Elternblogger gerade entwickelt. Ich beobachte das Treiben und möchte eine kleine Geschichte erzählen.

Was sich in den vergangenen Tagen in den Blogs und in den sozialen Medien abgespielt hat –  sowas habe ich schon mal erlebt. Offline. Anderswo. In einem anderen Thema.

Ich erzähle euch eine kleine Geschichte über Vernetzung, verletzte Gefühle, falsche Erwartungen und dem Wunsch nach Heimeligkeit am eigenen Lagerfeuer.


Wenn aus einer Idee etwas Großes wird

Ich möchte euch eine kleine Geschichte erzählen und gehe zurück ins Jahr 2003. Damals, vor vielen vielen Jahren, da war ich blutjung, nicht einmal volljährig und voller Tatendrang.

InExtremo und Subway to Sally waren in meinem Leben gerade ziemlich IN und aus einer Bierlaune heraus gründete ich mit einigen Freunden eine Mittelalter -und Schwertkampfgruppe*. 15 Personen mit unterschiedlichem Alter,  Herkunft, Erfahrungen,  und ganz besonders: völlig unterschiedlichen Erwartungen.

Eine zeitlang waren wir als Gruppe in euphorischer Aufbruchsstimmung und total happy mit dem, was wir da machten. Unsere Kleidung entsprach in erster Linie dem, was wir auf Mittelaltermärkten sahen und in zweiter Linie dem, was unserem Budget entsprach: Springerstiefel, Lederhose, Piratenhemd und Umhang. Ich schneiderte mir aus den groben Gardinen aus dem elterlichen Wohnzimmer mein erstes Gewand (das habe ich übrigens immer noch 😉 ).  Und so zogen wir stolz über unsere ersten Märkte, schliefen zu acht in einem Alexzelt, aßen aus nur 4 Holzschälchen und fühlten uns wie die Könige, als wir schon im ersten Jahr unserer Gründung zu einem Mittelaltermarkt in unserer Heimatstadt eingeladen wurden. Dort, wo Menschen Eintritt bezahlten um uns zu sehen! kreisch.

So vergingen ein paar Jahre und es ergab sich, dass wir Teil eines historischen Vereins werden konnten (dem eisenzeitlichen Gehöft Ratingen e.V.) und unser Hobby in einer wunderschönen Kulisse ausüben konnten.

Nach und nach tauchten wir in die Materie ein: legten uns auf einen Zeitrahmen fest, nähten nur noch per Hand, nur noch nach Originalenschnitten und kochten nach historisch korrekten Rezepten. Wir wuchsen und wuchsen. Lernten andere Gruppen kennen, fanden Anschluss und Anerkennung und organisierten eigene Veranstaltungen. (Bericht aus 2009)

Unterschiedliche Ziele? Der Druck wächst

Und dann schwirrte immer wieder ein Begriff in unseren Stammtischen, Trainings, Treffen und Bastelabendem mit: Authentizität. Das böse A Wort der Reeanctment-Szene.

Lange Rede, kurzer Sinn: die Gruppe splittete sich und fast sind Freundschaften an der Frage zerbrochen: wie authentisch muss man sein, wenn man dieses Hobby RICHTIG betreiben möchte.

Gewandungs-Nazi und A-Fetischisten gegen Märchen-Reeanacter.

Wir wollten uns einheitlich präsentieren und nicht jemanden mit Lederhose und Piratenhemd an unserer mühevoll geschreinerten Tafel sitzen haben, an der unser vermeintliches Lebenswerk hing.

Ihr seht vielleicht, worauf ich hinaus will?



Die Wogen haben wir geglättet. Freundschaften gekittet und uns eine Gruppe ausgebaut mit Menschen, die ähnliche Zielsetzungen haben wie wir.

Wenn Hobbyisten auf Berufler treffen

Ich bin der Überzeugung, dass es durchaus einen Unterschied macht, ob ich ein reines Hobby betreibe oder damit meinen Lebensunterhalt verdiene (verdienen muss). Dieser Zusammenhang hat viele Ebenen und ist nicht in zwei Sätzen abgehandelt. Daddy Dahoam hat das gut in seinem Text beschrieben. Da muss ich jetzt nichts mehr weiter schreiben.

Meine eigenen Erfahrungen mit diesem Thema sehen so aus: Für unseren eisenzeilichen Verein habe ich ebenfalls historische Veranstaltungen organisiert. In diesem Zusammenhang wurde ich von einem renommierten Archäologen öffentlich als nutzlose Schlampe betitelt und es gab in der Szene einen mittelmäßigen Aufruhr. Es ging um falsche Erwartungen, Gefühle und Neid. Das war so der Tiefpunkt an Gegenwind, den ich bisher erfahren habe. Für etwas, dass ich nur mit Leidenschaft betrieben habe. Unentgeltlich und ohne jegliche Vorerfahrung.

Beide Vereine/Gruppen haben sich mit einem Knall gesplittet. Es geht immer um Dynamik, denn einige Leute ziehen mehr, die anderen weniger. Die einen können sich in Details verlieren, die anderen müssen ihr Konto füllen.

Wenn eine Szene Implodiert

Jahrelang führte ich Grabenkämpfen um Authenzität. Und ja, ich kämpfte in der ersten Reihe, denn es entsprach meiner Ideologie es richtig zu machen. Dabei war es nur ein Hobby!

Was ich erst mit den Jahren differenzieren konnte: für mich war es ein Hobby. Andere mussten damit ihr täglich Brot verdienen.

Die Historiker, die Archäologen, die Gewandschneider, Schausteller etc. von allen Seiten hat sich ein Hobby professionalisiert. Das Internet hat geholfen, dass Wissen wie ein Lauffeuer zu verteilen.

Was die einen Menschen für wenig Geld beruflich machten, machten wir (und viele andere zu dieser Zeit auch, denn wir waren nur die Spitze eines Booms) am Anfang für Ruhm und Ehre!  Später für Reisekosten und Verpflegung und zum Schluss für eine Gage.


Aber wie A (uthentisch) ist man noch, wenn man sich dafür bezahlen lässt?

Seit einigen Jahren liegt dieses Hobby bei uns jetzt brach. Die Blase ist geplatzt und die Szene implodiert. Vieles an den Leuten, die ich auf den Märkten treffe, mag ich nicht mehr. Denn es geht vielen nur ums Geld und weniger um die echte Leidenschaft. Diese Menschen findet man aber widerum in Foren, in den Blogs und auf kleineres Treffen.

 

Was früher das Wort „Authentisch“ war, ist heute „Professionalisierung“

Für mich ist das Bloggen ein…..ja was eigentlich: Hobby, Nebengewerbe und Teil einer Businessidee. Oder so. Ich bringe die Menschen zusammen (Wubttika) und freue mich andere Blogger zu treffen und mich mit Ihnen auszutauschen. Über Ihren Blog, mehr aber interessiert mich aber der Mensch dahinter.

Für mich ist dieser Teil meines Lebens kein Politikum. Blogger sind Teil unserer Medienlandschaft und haben ganz automatisch eine politische und gesellschaftliche Relevanz (ja, da habe ich meine Meinung ein wenig geändert;-)).

Trotzdem sehe ich Vernetzung als etwas, was jeden von uns bereichern  und nicht als Zwang zur Gleichmacherei unter dem Label „Elternblogger“ entwickeln sollte. Genauso wenig sollte Vernetzung in reines betteln um Likes sein. Blogs und Accounts wachsen meist von ganz alleine, wenn man kommuniziert und Mehrwert bietet. Authentisch.

Darum kann ich jeden  verstehen, der sich durch penetrante Blogger belästigt fühlt, die nur auf die Zahlen hinter dem Account starren und das schnelle Geld im Internet machen wollen.
Jeder sollte aus dem Internet das aufnehmen, was er benötigt. Ich möchte Vielfalt sehen und Respekt!

Vielleicht ist die Lösung des Problems, sich von der Idee der bighappy Bloggerfamily zu trennen und die Metamorphose zu akzeptieren. Oder wir gestalten Sie einfach weiter so, wie wir es für richtig halten: respektvoll, vielfältig und nach geltendem Recht!


Dein Blog, deine Bühne!

Jeder von uns hat seine eigene Idee von seinem Blog und bringt sein individuelles Päckchen mit. Und bevor sich im Herzen der Druck der Klickzahlen und die bösen Gedanken breit machen, sollte man sich fragen: Warum eigentlich und zu welchem Preis?


 

Druck ist das, was du draus machst.

Ich beobachte die Entwicklung. Aber eigentlich möchte ich es so sehen, wie Silke Plagge es in ihrem Vortrag auf der #denkst und erst vergangene Woche bei uns auf der WUBTTIKA so schön formulierte: Wir sind alle Menschen am Lagerfeuer und wollen nur unsere Geschichten erzählen. Die Großen, die Kleinen, die Lauten und die Traurigen. (So mal frei wiedergegeben;-))

Darum mein Rat an euch: setzt euch ans Feuer und erzählt. Oder lauscht. Oder sucht euch ein Feuer, dass eurer Vorstellung entspricht.

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12 thoughts on “Was ist los mit euch in Bloggerhausen?

  1. Schöner Beitrag und der Vergleich mit der Mittelalter-Szene ist ja witzig und passend – kenne mich damit so gar nicht aus, kann es mir aber jetzt sehr gut vorstellen.

    Ich habe nur total zufällig die ganzen Diskussionen auf Twitter mitbekommen – eigentlich bin ich da nämlich nicht so aktiv, weil mir das immer schnell zu viel wird. Mein Blog ist nämlich tatsächlich einfach mein Hobby und das will ich nicht zu sehr mein Leben bestimmen lassen. Vernetzung ist für mich deswegen auch nur das, was mir Spaß macht. 🙂 Zu gerne wäre ich zur Wubttika gekommen, war dann aber leider krank 🙁 Im nächsten Jahr klappt es hoffentlich!

    Insgesamt habe ich eigentlich immer den Eindruck gehabt, dass sich alle Elternblogger ganz gut verstehen – die „professionellen“ genauso wie die „Hobby“. Ich hoffe, das bleibt so. Ich habe kein Problem damit, wenn jemand mit seinem Blog viel Geld verdienen will, solange der Umgang miteinander respektvoll bleibt.

    • Liebe Sophie! Im kommenden Jahr klappt es bestimmt mit der WUBTTIKA. Ich hoffe, die geht es langsam besser?

      Ich denke auch, dass die Stimmung unter den Elternblogger sehr gut ist, auch, wenn man unterschiedliche Werte vertritt. Mit dem Thema Elternschaft bringen wir schon viel mehr Text und Themen ein, als z.B Fashionblogger.

      Ich bin überzeugt, dass eigentlich für alle genug Leser und auch Geld da ist.

  2. Das hast du wirklich schön gesagt. Und das kann ich so unterschreiben. Danke dafür.
    Ich glaube der Ansatz sich von der Big Happy Family zu verabschieden ist gut…da wir nicht ein Blob sind, sondern veiel verschiedene Ansätze und aber auch Ziele haben. So ist das nunmal…keiner ist nobler als der andere. Und eine Daseins-Berechtigung hat jeder unterm Schirm der Meinungsfreiheit. Punkt.

    Nun denn. Ich mag den text. Und den Vergleich.

    • Das hast die genau richtig gesagt und so empfinde ich das auch. Ich möchte auch gar nicht, dass es ein Meinungseinerlei gibt. Im Gegenteil;-)

  3. Ich denke, das Internet ist gross genug, um allen Raum zu bieten: Den politischen, unpolitischen, privaten, kommerziellen, magazinartigen,……. Familienbloggern.
    Konflikte entstehen dort, wo verschiedene Erwartungen und Ansprüche aufeinander prallen.
    Wenn also jede/r bei sich bleiben würde, jede/r einfach sein Ding auf seine Weise durchziehen würde statt sich darum kümmert, ob das Gras im Garten des Nachbarn grüner wächst, dann wäre die Welt da draussen eine viel Friedlichere. Auch im Internet.

  4. Guter Text!
    Ich bin auch der Meinung: Blog like nobody is reading.
    Und vernetz Dich mit denen, die Dir gut tun.
    Das Stichwort ist wohl Toleranz. Sich und anderen gegenüber.

    Liebe Grüße
    Suse

  5. Klar hast du Recht. Es ist Platz für alle und das ist gut so.

    Aber dieses „happy ever after“-Feeling kann ich nicht teilen. Kritik muss und soll es geben. Das Erzeugt Reibung aber nur so können Meinungen entstehen und jeder sein Plätzchen finden. Kritik an der Kommerzialisierung ist durchaus angebracht bei der unterirdischen Qualität und Beliebigkeit einiger Beiträge der Profi-Blogger.

    Das ist natürlich meine ganz subjektive Sicht und genau diese Subjektivität ist eben das Salz in der Suppe. Darum ging es damals im den ersten Blogs des Internets und letztlich geht es auch heute noch darum.

    Daher: leben und leben lassen – ja gerne! Aber nicht mit geschlossen Augen und stummen Mund, bitte.

    • Hallo Chris,
      danke für deinen Kommentar. Vielleicht ist es in meinem Text nicht ganz so rübergekommen, was ich meine. Ich bin überhaupt gar nicht gegen eine Kommerzialisierung von Blogs. Es gibt viele gute Beispiele von tollen Blog/Blogazins mit tollen INhalten, sympathischen Menschen „trotz“ Werbung/anderen Einnahmequellen. Was ich nicht mag ist das starren auf Geld und auf Zahlen, die Ellenbogenmentalität und den Neid. Daraus entsteht ein sehr unschönes Klima. Das ist die eine Seite und leider eine Wahrheit, dass Geld einen hässlichen Charakter macht. Das trifft leider auch auf einige in der Elternbloggerszeen zu.

      Auf der anderen Seite geht es gar nicht um Geld oder um Professionalisierung, sondern schlicht um BloggerInnen, die Stunk machen, um der Klicks wegen.

      Ich bin absolut bei dir und sage: Jeder soll seine Meinung haben und auch eine andere vertreten dürfen, aber es sollte alles in einem respektvollen Rahmen sein.

      • Ja, ich fand den Text etwas zu weichgespühlt – erwischt :p

        Ich würde nicht mal sagen, dass Geld einen schlechten Beigeschmack hat. Es ist vielmehr das gierige Streben danach. Wer unbedingt Geld machen will, der wirft einiges dafür über Board. Andere sind in der Lage Nein zu sagen und haben es damit unter Umständen schwerer.

        Zur Wahrheit gehört aber auch, dass es offensichtlich genug Leute gibt die kommerzielle Elternblogs rezipieren. Weit mehr als mein kleines Web-Hinterzimmer. Allein daraus leitet sich eine Existenzberechtigung dieser Spielart ab. Gut finden muss ich das aber dennoch nicht.

        Wo da jetzt der Neid regiert weiß ich nicht. Es gibt da einen Fall von dem ich über Twitter erfahren habe…aber da geht es um Centbeträge bei den Zugeuffszahlen und eigentlich ist das alles nicht der Rede wert. Aber ich bin ja auch nicht so sehr verwurzelt in der Szene und bekomme da sicher nicht alles mit.

  6. Pingback: Elternblogger in der Krise | Elternbloginfos

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